Schweizergardisten am Petersplatz Schweizergardisten am Petersplatz 

Schweiz: Bistum Basel bedauert Luzerner Nein zu Garde-Kaserne

Mit 400.000 Franken wollte der Kanton Luzern die neue Kaserne der Schweizergarde im Vatikan eigentlich bezuschussen. Doch daraus wird nichts: Nur 28.52 Prozent der Luzernerinnen und Luzerner stimmten dem Vorhaben zu.

Am deutlichsten war die Ablehnung beim Referendum diesen Sonntag in Luzern-Stadt – hier stimmten nur 22.54 Prozent mit Ja. In Entlebuch kam das Ja-Lager auf 35.09 Prozent. Das Bistum Basel äußerte sich postwendend zum Luzerner Nein.

„Wir bedauern das Abstimmungsergebnis", sagte der Sprecher des Bistums Basel, Hansruedi Huber, dem Portal kath.ch. „Es ist Ausdruck einer immer grösseren kulturellen Vielfalt und der damit einhergehenden Privatisierung des Religiösen." Stephan Leimgruber, Priester des Bistums Basel und emeritierter Professor für Religionspädagogik, erklärte: „Mein Geist ist betrübt, dass Luzern diese Unterstützung für den Kasernenumbau nicht gewährt. Erwartet habe ich eine Gabe von Luzern in der Höhe von einer Million Franken."

„Ausdruck einer immer grösseren kulturellen Vielfalt und der damit einhergehenden Privatisierung des Religiösen“

Die Luzerner Mitte-Politikerin Andrea Gmür hat das Abstimmungsergebnis „überrascht", wie sie gegenüber kath.ch erklärt: „Mit diesem Resultat hätte ich nicht gerechnet. Und erst recht nicht, dass es so klar ausfällt." Laut der Ständerätin habe sich das Narrativ durchgesetzt, „dass der Vatikan genügend Geld hat und das selbst zahlen kann". Man habe „nicht vermitteln können, dass es um eine Kultur-Botschaft gegangen ist". 

Ganz ähnlich sieht das Annegreth Bienz-Geisseler, Präsidentin der Luzerner Synode. Umso mehr freut sie sich, „dass die Katholische Synode im Frühling 2021 eine Viertelmillion für die Finanzierung des Baus der Familienwohnung in der neuen Kaserne der Schweizergarde gesprochen hat".

Garde: Projekt nicht gefährdet

Die Schweizergarde bedauerte das Luzerner Nein ebenfalls. „Wir finden das sehr schade. Es ist natürlich enttäuschend. Es war aber keine Abstimmung gegen die Garde, sondern in der Debatte ging es um andere Themen", sagt Stefan Wyer. Er leitet die Schweizer Medienstelle der Schweizergarde. 

Die Stiftung für die Renovierung der Kaserne der Schweizergarde im Vatikan reagierte mit einer Pressemitteilung: Man respektiere die getroffene Entscheidung, „bedauert jedoch, dass der Kanton Luzern, der traditionell enge Beziehungen zur Garde unterhält, sich nicht an der Finanzierung des Projekts beteiligt", heißt es in der Mitteilung vom Montag. 

Die Stiftung dankte zugleich der Katholischen Kirche des Kantons Luzern, den Kirchgemeinden des Kantons sowie den Luzernerinnen und Luzernern für die zahlreichen Spenden, die bereits zugunsten des Projekts eingegangen sind, und versicherte:„Der Luzerner Beschluss gefährdet die Erreichung des angestrebten Spendenziels nicht. Bis heute wurden 37.5 Millionen CHF Millionen in Form von Spenden oder Spendenzusagen gesammelt". Man sei zuversichtlich, dass in den nächsten Monaten „die noch erforderlichen 7.5 Millionen" Franken aufgebracht werden könnten, um „die geschätzten Baukosten von 45 Millionen CHF zu decken".

Urban Frye ist Mitglied des großen Kirchenrates der Stadt Luzern und gehört zu jenen Kantonsräten, die für ein Nein geworben haben: „Gerade das sehr deutliche Nein in der katholisch geprägten Landschaft zeigt, dass die Bevölkerung möchte, dass Steuergelder da eingesetzt werden, wo sie dringend benötigt werden, nämlich zur Linderung von sozialen Nöten bei den weniger gut gestellten Mitmenschen", sagte Urban Frye zu kath.ch.

Der in Luzern wohnende Kapuziner Willi Anderau findet: „Die Katholiken sind inzwischen eine Minderheit. Deshalb kann zurecht die Frage gestellt werden, ob in einer säkularen Gesellschaft die gesamte Bevölkerung zur finanziellen Unterstützung des Kasernenneubaus der Schweizergarde beigezogen werden soll."

„Viele Katholiken haben resigniert und sind ausgetreten. Weshalb soll da noch ein Kasernenneubau finanziert werden, wenn viele wichtigere Fragen nach wie vor der Lösung harren?“

Willi Anderau vermutet, dass außer der Säkularisierung auch ein gewisses Image-Problem der katholischen Kirche zum Nein beigetragen habe. „Viele Katholiken haben resigniert und sind ausgetreten. Weshalb soll da noch ein Kasernenneubau finanziert werden, wenn viele wichtigere Fragen nach wie vor der Lösung harren?", meint der Pater. 

Neubau nötig

Das Projekt der Renovierung der Gardekaserne umfasst drei Kasernengebäude aus dem 19. Jahrhundert. Die Gebäude sind schlecht isoliert und haben Feuchtigkeitsprobleme. Darüber hinaus wurde die Garde in den vergangenen Jahren personell deutlich aufgestockt. Somit gibt es auch ein Platzproblem. In den neuen Gebäuden soll ebenfalls Platz für die Familien der Schweizergardisten geschaffen werden. Weiter soll die neue Kaserne nach aktuellen energetischen Standards erbaut werden und bei bis zu 60 Prozent mehr Fläche einen rund 55 Prozent niedrigeren Energieverbrauch haben.

Die Schweizergarde ist die militärische Schutztruppe der Päpste. Hauptaufgabe der Garde ist es, über die Sicherheit der Person und der Residenz des katholischen Kirchenoberhaupts zu wachen. Zudem begleiten Gardisten den Papst auf Reisen, kontrollieren die Eingänge zum Vatikanstaat und nehmen Ordnungs- und Ehrendienste wahr. Während ihrer mindestens 26-monatigen Dienstzeit sind die Gardisten Bürger des Vatikanstaates.

(pm/kath.ch-sst)

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26. September 2022, 09:24