Bätzing geht: Klare Kante
Anne Preckel - Vatikanstadt
Dialog mit Rom landete am Ende auf sicheren Füßen
Sie steht für ein Gesicht des Reformwillens und der Willigkeit, sich unbequemen Fragen zuzuwenden. Das war in der Vergangenheit der Deutschen Bischofskonferenz nicht immer der Fall, wenn wir auf den Missbrauchsskandal zurückblicken, der in Deutschland 2010 explodierte. Bätzings Amtszeit zeigt ein Bemühen um Aufarbeitung, steht aber auch für das Ringen der deutschen katholischen Kirche um Dialog mit dem Vatikan. Dieser Austausch war am Anfang des Synodalen Weges, der ja aus der Missbrauchskrise entstand, geprägt durch die berühmten „Stoppschilder“, warnende Äußerungen des Vatikans zum deutschen Reformweg in Form von Vatikan-Briefen und einem Grundsatz-Hirtenbrief von Papst Franziskus. Im Laufe von Bätzings Amtszeit hat sich der Dialog zwischen dem Vatikan und der deutschen Kirche dann verstetigt, er ist sozusagen auf sicheren Füßen gelandet. Das war ein anstrengender Prozess. Unter Papst Leo scheint der deutsche Synodale Weg wie selbstverständlich als Ausdruck einer Teilkirche im großen Chor der synodalen Stimmen der Weltsynode. Leo XIV. bittet um Geduld und Ehrlichkeit, wenn es um Reformanliegen geht, und er spricht von unterschiedlichen Geschwindigkeiten in der Weltkirche. Ein versöhnlicher Ton. Bischof Bätzing traf ihn im vergangenen September im Vatikan.
Klare Kante
Was waren die wichtigsten Akzente in Bätzings Amtszeit, was wird erinnert werden im Rückblick auf diese sechs Jahre?
Das ist natürlich sehr individuell, was wer erinnert und erinnern will. Ich würde sagen, die Bischofskonferenz hat unter Georg Bätzing politisch klar Kante gezeigt gegenüber dem unerträglichen Erstarken des völkischen Nationalismus in Deutschland. Das war wichtig, auch in Bezug darauf, was derzeit in den Vereinigten Staaten von Amerika passiert, mit dieser unguten Verquickung von Christentum und Nationalismus. Die deutsche Kirche hat da auch nochmal zum Nachdenken darüber angeregt, was Christsein eigentlich bedeutet und womit es unvereinbar ist. Diese Diskussion brauchen wir sehr dringend. Ich denke, das war wirklich das wichtigste Zeichen unter Bätzing, der da ohne Wenn und Aber, ohne Zögern, Position bezogen hat.
Dem Bild der deutschen Bischofskonferenz hat es auch neue Frische verliehen, dass mit Beate Gilles erstmals eine Frau als Generalsekretärin eingesetzt wurde. Das war ein sichtbares Zeichen dafür, dass Frauen und Männer auch an der Spitze der deutschen Kirche gemeinsam Kompetenzen einbringen können. Vorreiter sind die Deutschen damit nicht, in Ozeanien und auch Afrika gibt es im Umfeld von katholischen Bischofskonferenzen ebenfalls Frauen in Schlüsselfunktionen. Aber sicher – es ist nach wie vor selten.
Brücken bauen
Das werden sich die Wähler genau überlegen. Direkt vor der Wahl morgen tauschen sich die Bischöfe über die Anforderungen an den Vorsitzenden aus. Bischöfe, die für eine Wahl nicht zur Verfügung stehen wollen, geben dies in der Regel während der Aussprache bekannt. Eine Kandidatenliste gibt es nicht. Soweit vorab zum Wahlprozedere.
Ja, und was muss der Neue mitbringen? Ich denke, er muss es verstehen, die Bischofskonferenz nach innen hin zu einen und sie zugleich gut nach außen hin zu repräsentieren – also gegenüber den Kurienbehörden und dem Papst in Rom, aber auch als Hauptvertreter der institutionellen deutschen Kirche im Ausland. Im Rahmen des weltweiten synodalen Prozesses ist dieser zweite Aspekt nicht zu unterschätzen. Die Reformideen der deutschen Kirche müssen sich noch weiter mit dem synodalen Weltprozess verbinden. Und vor dem Hintergrund der Irritationen, die die deutsche katholische Kirche in der Weltkirche teils ausgelöst hat, Stichwort kulturelle Unterschiede, braucht es vielleicht einen weltgewandten, kultursensiblen Kommunikator mit internationaler Erfahrung und Connections in verschiedene kirchliche Lager.
Drittens geht es natürlich auch darum, Prioritäten für die katholische Kirche in Deutschland selbst zu benennen. Bätzing hat im Bereich der Missbrauchsaufarbeitung die Ärmel hochgekrempelt. Es geht jetzt auch darum, Menschen wieder für die Kirche zu gewinnen, vor allem Frauen, junge Leute und Skeptiker, die sich entfernt haben.
Anne Preckel ist Autorin eines Handbuches zum deutschen Synodalen Weg mit dem Titel „Der Synodale Weg. Fragen und Antworten“, erschienen beim Bibel Verlag 2020.
(vatican news)
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