Bischof Oster über Olympia: „Wettlauf zum Frieden“
Mario Galgano - Vatikanstadt
In einem Interview mit Radio Horeb erläuterte der Sportbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stefan Oster (Passau), warum sich die Kirche überhaupt so intensiv mit dem Sport befasst. „Wir finden in der Heiligen Schrift viele Überschneidungen“, so Oster. Er verwies auf den Apostel Paulus, der das Bild des Wettkampfes und des Laufs bis zum Ziel bemühte.
Für Oster geht es im Sport vor allem um Werte wie Fairness, Disziplin und Zusammenhalt. Besonders das „Verlieren lernen“ sieht der Bischof, der in seiner Jugend intensiv Judo betrieb, als wichtige Reifeerfahrung: „Im körperlichen Kampf unmittelbar eine Niederlage zu erleiden und dann weiterzugehen, das hat durchaus eine geistliche Dimension.“
In einer Friedensbotschaft zum Auftakt der Spiele hatte sich Papst Leo XIV. an die Sportler und Organisatoren gewandt. Er bezeichnete die Olympischen Spiele als eine „Gelegenheit zur Begegnung, die über Mauern und Vorurteile hinweghelfen kann“. Der Papst mahnte, dass der Sport niemals nur Mittel zum Zweck der Politik oder des Kommerzes sein dürfe, sondern stets die Würde des Menschen ins Zentrum rücken müsse. Er drückte die Hoffnung aus, dass der „olympische Friede“ (Ekecheiria) auch in den aktuellen Konfliktgebieten der Welt Widerhall finden möge.
Kritik an Kommerz und nationalistischer Vereinnahmung
Trotz seiner Begeisterung für Disziplinen wie Biathlon blickt der Bischof kritisch auf die Schattenseiten des modernen Sports. Das Prinzip „höher, schneller, weiter“ könne ins Negative umschlagen, wenn es zu Manipulation, Doping oder exzessiver Kommerzialisierung führe. Die kirchliche Sportorganisation DJK (Deutsche Jugendkraft) setze hier einen bewussten Gegenakzent: „Dort geht es um Inklusion, Breitensport und Wertevermittlung“, betonte Oster.
Die Debatte um den Russland-Ausschluss
Ein schwieriges Thema der diesjährigen Spiele bleibt der Ausschluss Russlands als Nation. Bischof Oster bezeichnete die gewählte Lösung – russische Athleten unter neutraler Flagge starten zu lassen – als einen gangbaren Kompromiss. „Dann machen die Sportler deutlich: Mir geht es hier um den Sport und nicht um Nationalismus“, erklärte er. Dennoch dürfe man die Friedenskraft der Spiele nicht überschätzen: „Sie sind kein Allheilmittel für die großen Konflikte, aber jede friedliche internationale Begegnung ist ein Beitrag zum Frieden.“
Kirchliche Präsenz aus Deutschland vor Ort
Obwohl Bischof Oster nicht persönlich nach Italien reist, ist die Kirche aus Deutschland in Mailand und Cortina präsent. Die katholische Olympiaseelsorgerin Elisabeth Heilmann leistet gemeinsam mit evangelischen Kollegen ökumenische Dienste für die Athleten. „Sie vertreten dort die Kirche und bieten den Sportlern in der Extremsituation des Wettkampfs seelsorglichen Beistand an“, so Oster.
(radio horeb)
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