D: Der neue Kurs der Abtei Maria Laach
Als Mauritius Wilde am 6. Oktober sein Amt antrat, war der Kontrast zu seinen vorherigen Stationen in Rom und den USA kaum größer zu denken. „Zu Beginn im November war es eisig kalt in Maria Laach, ich habe viel gefroren“, gesteht der Abt im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Doch nicht nur das Klima der Eifel war kühl; Wilde übernahm eine Gemeinschaft von 23 Mönchen, die sich über ein Jahrzehnt lang nicht auf eine gemeinsame Führung hatte einigen können.
Das Ende der Blockade
„Die Beziehungen hatten sich verhakt. Konflikte wurden größer, als sie eigentlich waren“, erinnert sich Wilde. Entgegen kursierender Gerüchte sei es dabei nicht um einen Richtungsstreit zwischen Kontemplation und Tourismus gegangen, sondern schlicht um die Frage der Führung. Erst ein Eingreifen des Vatikans und eine Visitation im Jahr 2020 bereiteten den Weg für die Einsetzung Wildes von außen.
Obwohl es für Benediktiner ungewöhnlich ist, einen Abt nicht selbst zu wählen, hätten viele Brüder das Eingreifen aus Rom als „Erleichterung“ empfunden. Gemeinsam mit seinem Prior Maximilian Krenn setzte Wilde in den ersten Wochen vor allem auf eines: das Gespräch. Eine kleine Maßnahme mit großer Symbolkraft wurde bereits umgesetzt: Die Mönche siezen sich nicht mehr. „Wir sprechen uns jetzt mit ‚Du‘ an. Das schafft eine gute Beziehung und bringt zusammen“, so der Abt.
Maria Laach als spirituelles Zentrum und Wirtschaftsfaktor
Die Abtei ist mit ihrer romanischen Basilika, der Gärtnerei und dem Kunsthandwerk ein Touristenmagnet, der jährlich rund 700.000 Besucher anzieht. Für Wilde ist das kein Widerspruch zum geistlichen Leben, sondern eine Notwendigkeit. „Wir sind wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet“, stellt er klar. Da das Kloster keine Kirchensteuern erhält, muss es sich durch seine Betriebe selbst finanzieren.
Angesichts steigender Kosten und sinkender Mitgliederzahlen sucht die Abtei nach neuen Wegen. Ein aktuelles Projekt ist die Einrichtung von Beerdigungsplätzen in der schlichten Nikolauskapelle auf dem Klostergelände. „Wir müssen aktiv bleiben, damit wir gut hier leben können“, betont Wilde.
Berufung im Fokus
Inhaltlich möchte der neue Abt die Rolle der Abtei als Ort der Orientierung stärken. „Wir müssen den Menschen helfen, dass jeder seine Berufung findet – ob im Priestertum, in der Partnerschaft oder im Beruf.“ Maria Laach solle dafür ein offener Raum sein, in dem Stille, Gebet und Begleitungsgespräche ihren Platz finden.
Kraft für diese Aufgabe schöpft Wilde bei Spaziergängen um den Laacher See. Das tiefe Blau des Wassers erinnert ihn an den Albaner See bei Rom, wo er früher dem Trubel der Großstadt entfloh. In der Eifel hat er nun seinen Platz gefunden – ein Ort, an dem er, wie er sagt, „genau dort hingekommen ist, wo ich gebraucht werde.“
(kna - mg)
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