Ordensschwestern bei einer Prozession, Südafrika (Archivbild) Ordensschwestern bei einer Prozession, Südafrika (Archivbild) 

Hilfswerk: „Kultur des Schweigens bricht auf“

Das katholische Hilfswerk missio Aachen und seine Partner orten Fortschritte im Einsatz gegen sexualisierte Gewalt gegen Ordensfrauen in Afrika und Asien. Das wurde am Freitag bei einem Pressegespräch deutlich, an dem missio-Projektpartnerinnen aus Togo, Indien und den Philippinen sowie Pater Hans Zollner SJ, der Leiter des Instituts für Anthropologie in Rom, teilnahmen.

Es brauche „Konsequenz und Zeit“, um das Problem nachhaltig anzugehen, merkte der Präsident von missio Aachen, Pfarrer Dirk Bingener, grundlegend an. Um Missbrauch einzudämmen, seien „viele Stellschrauben zu drehen“. Insbesondere, wenn Ordensfrauen zu Akteurinnen würden, sich vernetzten und Wandel einforderten, ändere sich etwas, so Bingener. Anlass des Pressegesprächs war der Rückblick auf die Umfrage „Missbrauch an Ordensfrauen“, die missio Aachen 2020 unter kirchlichen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien durchgeführt hat. Rund 70 Prozent stuften das Thema damals als sehr drängend ein. missio Aachen richtete daraufhin eine entsprechende Arbeitsgruppe und die Stabsstelle Safeguarding ein, um Ordensfrauen gezielt zu unterstützen.

Weniger Angst, den Mund aufzumachen

Die Bereitschaft, aufzustehen und offen über sexualisierte Gewalt zu sprechen, habe in der Kirche deutlich zugenommen, sagte bei dem Pressegespräch am Freitag Schwester Mary Lembo CSC aus Togo, die aktuell in Rom Psychologie und Safeguarding unterrichtet. In Afrika habe die Angst, das Thema anzusprechen, nachgelassen, es gebe mehr Offenheit als etwa noch vor zehn Jahren. Die Psychologin und Autorin einer qualitativen Studie zu Missbrauch in Afrika mahnte zugleich an, Schutzkonzepte auch umzusetzen, indem einheitliche, verbindliche Verfahren und Verhaltenskodexe eingerichtet sowie Schutzzentren für Betroffene und Überlebende geschaffen würden.

Ordensschwestern in Asien gehen das Thema an

Auch die indische Ordensschwester Rushila Rebello DHM sprach von positiven Veränderungen in mehreren Kongregationen und Diözesen in Indien. Es sei teils ein Übergang von einer Kultur des Schweigens zu einer Safeguarding-Kultur spürbar, Prävention sei stärker ins Blickfeld gerückt und werde von kirchlichen Leitenden stärker umgesetzt. Bei der Pressebegegnung stellte Rushila ein Meldesystem für Ordensfrauen in Indien vor, die niedrigschwellinge Hilfe im Fall von sexualisierter Gewalt suchen. Es geht auf die Conference of Women Religious India (CRWI) zurück. 

Rojean Charian Macalalad, Geschäftsführerin des Catholic Safeguarding Institute in Manila, unterstrich die Bedeutung qualifizierender Bildungsangebote: „Ordensfrauen entwickeln eine Spiritualität der Selbstachtung und Selbstsorge. Das macht sie fähig, sichere Beziehungen zu gestalten und ihr Umfeld als sicheren Ort aufzubauen.“ 

Kulturelle Resistenzen und Herausforderungen, aber auch Fortschritte

Der international bekannt Safeguarding-Experte Pater Hans Zollner SJ bezeichnete den Missbrauch von Ordensfrauen als Thema, das weltweit „unter den Nägeln brennt“. Franziskus habe 2019 als erster Papst öffentlich darüber gesprochen. Wichtig sei Franziskus‘ Erlass „Vos estis lux mundi“ gewesen, mit dem der Vatikan den Schutzbegriff explizit auf „verletzliche Erwachsene“ (vulnerable adults) erweiterte – um Missbrauch von erwachsenen Ordensfrauen begrifflich zu fassen, ist das relevant.

Der Direktor des IADC-Safeguarding-Instituts IADC appellierte an die Medienvertreter, über das Thema zu berichten und dabei auch Erfolge abzubilden. Es habe sich in den letzten Jahren einiges getan, allerdings gebe es auch weiterhin kulturelle Herausforderungen, Resistenzen und sogar gegenläufige Tendenzen, so P. Zollner. Der Safeguarding-Experte würdigte die Arbeit von missio Aachen: „Schutz vor Gewalt und Machtmissbrauch gehört weltweit ins Zentrum kirchlicher Verantwortung. Die Safeguarding-Arbeit von missio Aachen mit Ordensfrauen zeigt, wie dieser Auftrag konkret und wirksam umgesetzt werden kann.“

missio setzt auf ein Bündel an Maßnahmen

Die Projektpartnerinnen stellten gemeinsam mit Johanna Streit, Leiterin der Stabsstelle Safeguarding bei missio Aachen, Strategien und Projekte vor, um die Situation der Ordensfrauen im globalen Süden zu verbessen. Damit diese sicher leben und arbeiten könnten, brauche es ein Bündel an Maßnahmen: Aus- und Weiterbildungen, Anwaltschaft sowie internationale Vernetzung. Schutzkonzepte müssten weltweit in Bistümern und Ordensgemeinschaften umgesetzt werden. Dazu gehörten Melde- und Beschwerdestellen, Schutzzentren sowie eine konsequente Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. „Die Unterstützung durch missio – finanziell und in der persönlichen Begleitung – ist enorm wichtig. Viele Ordensschwestern vor Ort sind Einzelkämpferinnen und leisten schwierige, aber unverzichtbare Arbeit“, so Streit. Gemeinsam mit rund 25 Ordensfrauen und weiteren Expertinnen und Experten aus dem globalen Süden hat sie ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut.

Fördersumme von 17,5 Millionen Euro 

Das katholische Hilfswerk missio Aachen unterstützt mit seiner Projektförderung und in Kooperation mit lokalen Partnern die Bewusstseinsbildung sowie Aus- und Fortbildung in verschiedenen Ländern Asiens und Afrikas. Auch stellt es konkrete Hilfe für Betroffene bereit und fördert die lokale sowie internationale Netzwerkarbeit. Laut missio Aachen wurden zwischen 2020 und 2025 mit rund 17,5 Millionen Euro Projekte im globalen Süden gefördert, die Ordensfrauen stärken und vor Missbrauch schützen. Damit wurden rund 80.000 Ordensfrauen erreicht.

 

(vatican news/missio – pr)


 

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06. Februar 2026, 13:43