„Kirche in Not“: 19 Morde an Geistlichen im letzten Jahr
In der am Donnerstag in München veröffentlichten Statistik zeichnet das internationale Hilfswerk ein düsteres Bild der Lage für kirchliche Mitarbeiter. Während 2024 noch 13 Morde verzeichnet wurden, stieg diese Zahl im vergangenen Jahr um fast 50 Prozent an. Neben den Todesfällen meldet die Organisation zudem 38 Entführungen und 28 Inhaftierungen von Klerikern und Ordensleuten.
Brennpunkte der Gewalt: Entführungen als Geschäftsmodell
Besonders gefährlich ist die Lage in Nigeria. Mit 24 gemeldeten Fällen – nach 17 im Vorjahr – bleibt das Land der weltweite Schwerpunkt für Entführungen von Geistlichen. Unter den Opfern befanden sich auch zwei Seminaristen, die von ihren Entführern getötet wurden.
„Viele Todesfälle stehen in direktem Zusammenhang mit Entführungen oder bewaffneten Konflikten“, erklärt das Hilfswerk. Neben Nigeria sind vor allem Äthiopien, der Sudan und Myanmar von solchen gewaltsamen Auseinandersetzungen betroffen. In Kamerun wurden acht Priester entführt, zumeist im unruhigen Nordwesten des Landes. Laut „Kirche in Not“ gehören die Täter mehrheitlich islamistischen oder extremistischen Gruppen an. In einigen Regionen hätten jedoch auch kriminelle Banden die Entführung von Geistlichen zur Erpressung von Lösegeld als lukrativen „Geschäftszweig“ entdeckt.
Lichtblick in Nicaragua, Verschärfung in China
Bei den Inhaftierungen gab es hingegen einen statistischen Rückgang von 71 Fällen im Jahr 2024 auf nun 28. Dieser Trend sei primär auf die Freilassung zahlreicher Geistlicher in Nicaragua zurückzuführen. Auch in Belarus sank die Zahl der inhaftierten Priester leicht.
Gegenteilig verläuft die Entwicklung in China, wo die Zahl der Inhaftierungen anstieg. In Indien meldete das Hilfswerk zudem mehrere vorübergehende Festnahmen von Ordensfrauen. In Ländern wie den USA, Mexiko, Kenia und Haiti wurden Geistliche Opfer von Überfällen oder Angriffen unter teils noch ungeklärten Umständen.
Die „unsichtbare“ Dunkelziffer
Das Hilfswerk betont, dass die vorgelegte Statistik nur einen Teil der Realität abbildet. Erfasst werden ausschließlich Priester, Seminaristen und Angehörige von Frauenorden. „Nicht nur das geweihte Personal ist von Gewalt betroffen“, heißt es in der Mitteilung. In vielen Ländern seien auch kirchliche Laienmitarbeiter und Missionare Ziel von Angriffen, diese tauchen in der offiziellen Zählung jedoch nicht auf.
Trotz der Gefahren leisten die verbliebenen Mitarbeiter in den Krisengebieten weiterhin humanitäre und seelsorgerische Arbeit – oft als einzige verlässliche Instanz für die notleidende Zivilbevölkerung.
(vatican news)
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