Frauen in Äthiopien Frauen in Äthiopien  (AFP or licensors)

Österreich: Missio fordert Ende der Genitalverstümmelung

Anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung am Freitag hat das Päpstliche Hilfswerk Missio Österreich eine verheerende Bilanz gezogen. Trotz weltweiter Ächtung als schwere Menschenrechtsverletzung sind jedes Jahr rund vier Millionen Mädchen und Frauen von dieser grausamen Praxis betroffen. Das Hilfswerk setzt nun verstärkt auf Aufklärung in Äthiopien, um tief verwurzelte Mythen zu entlarven.

Weltweit haben nach aktuellen UNICEF-Daten rund 230 Millionen Mädchen und Frauen Genitalverstümmelung (FGM – Female Genital Mutilation) erfahren müssen. Den größten Anteil verzeichnet Afrika mit über 144 Millionen Betroffenen. Besonders dramatisch bleibt die Lage in Äthiopien: Hier haben rund 65 Prozent der Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren diese Misshandlung durchlebt.

Gesetzliches Verbot allein reicht nicht aus

Obwohl die Praxis in Äthiopien bereits seit 2004 gesetzlich verboten ist, wird sie laut Missio Österreich vor allem in ländlichen Regionen weiterhin durchgeführt. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung: Durch gezielte Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit seien die Zahlen in den vergangenen Jahren rückläufig, betonte das Hilfswerk in einer Aussendung am Freitag.

Aufklärung als Schlüssel zum Wandel

Gemeinsam mit kirchlichen Partnern vor Ort engagiert sich Missio Österreich in der Stadt Hosanna sowie in umliegenden ländlichen Gebieten. Das Programm setzt auf eine breite gesellschaftliche Mobilisierung, die religiöse Führer, Schulen, Behörden und Medien einbezieht. In speziellen Workshops werden gezielt Frauengruppen angesprochen, während Kooperationen mit Radiosendern und Social-Media-Akteuren die physischen und psychischen Folgen der Verstümmelung öffentlich machen.

Hilfe für die Betroffenen

Für Mädchen, die bereits beschnitten wurden, bietet das Hilfswerk praktische und emotionale Unterstützung an. Dazu gehören sogenannte „Dignity kits“ für die Monatshygiene sowie der Zugang zu psychosozialer Unterstützung und medizinischen Untersuchungen.

Die Missio-Expertin Helga Prühlinger unterstrich die Notwendigkeit, gesellschaftliche Lügen zu entlarven. Scheinbare Rechtfertigungen – etwa, dass unbeschnittene Mädchen „schmutzig“ seien oder nicht verheiratet werden könnten – müssten als das benannt werden, was sie sind. Ziel sei es, dass die Frau „dem Mann als gleich an Wert und Würde anerkannt wird, ohne an ihr einen unwiderruflichen, entwürdigenden und extrem schmerzhaften Eingriff vornehmen zu müssen“.

(kap - mg)

 

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07. Februar 2026, 14:16