Ein ökumenisches Team des Projekts „Mobile Feeding Stations”. Foto: SMCB-Archiv Ein ökumenisches Team des Projekts „Mobile Feeding Stations”. Foto: SMCB-Archiv  (Archivio SMCB ) #SistersProject

Sisters Project in Sibirien: Ökumenische Hilfe für Obdachlose

Seit 2020 organisieren Christen aus katholischen, orthodoxen und protestantischen Gemeinden in der sibirischen Stadt Krasnojarsk gemeinsam tägliche Mahlzeiten für Obdachlose. Für alle Mitglieder dieses ökumenischen Teams, darunter auch die Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus, lautet das Motto: „Barmherzigkeit bedeutet nicht Mitleid, sondern Hilfe.”

 

 

Von Sr. Wiera (Elena) Isachenko SMCB

Laut dem unabhängigen Forschungsunternehmen Validata gibt es in Russland etwa 2,13 Millionen Obdachlose, davon mehr als 36.000 in der Region Krasnojarsk. Krasnojarsk hat nur eine einzige Unterkunft für sie, die lediglich 33 Betten bietet.

Seit vielen Jahren helfen Christen verschiedener Konfessionen den Obdachlosen auf ihre jeweils eigene Weise. Seit 2020 haben sie sich im Projekt „Mobile Feeding Stations“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, Obdachlosen täglich warme Mahlzeiten zur Verfügung zu stellen.

Heute gibt es neun feste Standorte, von denen zwei täglich Mittagessen anbieten. An jedem Wochentag ist eine der christlichen Gemeinschaften für die Zubereitung und Ausgabe der Mahlzeiten zuständig: montags die Katholiken, dienstags und donnerstags die Orthodoxen und an den übrigen Tagen die protestantischen Gemeinschaften.

Lebensmittel nur der erste Schritt

Lebensmittel sind nur der erste Schritt auf dem Weg, jemandem in Not zu helfen, aber sie öffnen die Tür zu Gesprächen und Unterstützung für Menschen, die sich in scheinbar ausweglosen Situationen befinden. Die Christen helfen dabei, verlorene Dokumente neu zu beschaffen, Unterkünfte in Notunterkünften oder Rehabilitationszentren zu finden und Medikamente, Kleidung und Schuhe bereitzustellen. Bei Bedarf werden Beerdigungen für Obdachlose durch gemeinsame Spenden der christlichen Gemeinden finanziert.

Jeder kam auf seine Weise zu diesem Dienst. Oft begann es mit einer Begegnung mit einem Menschen in Not.

Lyudmila Samoylova, Mitglied der protestantischen Gemeinschaft „Christian Life”, erinnert sich an einen Obdachlosen, den sie an einer Bushaltestelle traf. „Es war sehr kalt, und er hatte kein Geld für die Fahrt”, erzählt sie. „Ich sah, wie er aus dem Bus geworfen wurde. Das tat mir im Herzen weh. Wir stiegen zusammen in den nächsten Bus. Die Leute zuckten wegen des unangenehmen Geruchs zusammen. Ich bezahlte für ihn. Er musste nicht weit fahren, nur zwei Haltestellen. Er stieg aus, und ich schaute noch lange aus dem Fenster und dachte an ihn."

Die Versorgung der Obdachlosen wird auch in der extremen Kälte Sibiriens fortgesetzt. Foto: SMCB-Archiv
Die Versorgung der Obdachlosen wird auch in der extremen Kälte Sibiriens fortgesetzt. Foto: SMCB-Archiv   (Archivio SMCB)

Seit nunmehr fünf Jahren engagieren sich die Barmherzigen Schwestern von hl. Karl Borromäus gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern der katholischen Pfarrei „Verklärung des Herrn” für Obdachlose. Jeder leistet seinen Beitrag, so gut er kann. Eine Familie hat sich beispielsweise verpflichtet, jede Woche 40 Brötchen für Bedürftige zu backen.

„Gott wirkt durch uns”, sagt Sr. Letycja Gorniewicz SMCB, „durch diejenigen, die das Essen zubereiten, und diejenigen, die Hilfe suchen. Dies ist ein Ort, an dem Menschen einander begegnen.”

Täglich kommen etwa 100 Menschen zu den Essensausgabestellen. Foto: SMCB-Archiv
Täglich kommen etwa 100 Menschen zu den Essensausgabestellen. Foto: SMCB-Archiv   (Archivio SMCB)

Sergey, Ivan und Andrey

Im Laufe der Jahre gab es viele Geschichten – sowohl traurige als auch inspirierende. Eine davon ist die Geschichte von Sergey. „Wir haben ihn buchstäblich aus einem Müllcontainer gezogen”, erinnert sich Kristina Kisidi aus der Pfingstgemeinde. „Er war voller blauer Flecken und sah keinen Ausweg. Jetzt hat er eine wunderbare Frau und drei Kinder. Es war so wichtig, ihm in diesem schwierigen Moment zu helfen.”

Unter den vielen Geschichten der Gemeinde sind es die von Ivan und Andrey, an die sich alle gerne erinnern. Ivan kam aus Norilsk, einer Stadt im Norden der Region, nach Krasnojarsk. Am Bahnhof wurde er ausgeraubt. Unter Schock begab er sich zu einer Brücke, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Dort sah ihn ein Obdachloser. „Komm mit mir, ich bringe dich an einen Ort, wo man dir helfen kann”, sagte er.

Jeder darf feiern. Zu Weihnachten hat Sr. Samuela Walczuk SMCB 40 Kuchen für Obdachlose gebacken. Foto: SMCB-Archiv
Jeder darf feiern. Zu Weihnachten hat Sr. Samuela Walczuk SMCB 40 Kuchen für Obdachlose gebacken. Foto: SMCB-Archiv   (Archivio SMCB)

So kam Ivan zum Hilfszentrum der Gemeinschaft „Christian Life”. Er bekam etwas zu essen, wurde zur Polizei gebracht und dabei unterstützt, eine Anzeige wegen seiner verlorenen Dokumente und seines verlorenen Geldes zu erstatten. Er bekam einen Platz in einer Unterkunft und etwas Kleidung. Ein paar Tage später wurden seine Dokumente gefunden. Der Mann wagte es, seine Familie anzurufen, um sie um Geld für eine Rückfahrkarte zu bitten.

Da war auch Andrey, der sagte, er sei nicht wegen des Essens gekommen, sondern wegen der freundlichen Gespräche. Er nahm sich immer als Letzter seine Portion, und wenn jemand zu spät kam und keine Mahlzeit mehr bekam, gab er ihm seine eigene. Einmal sagte einer der Obdachlosen, Andrey sei gestorben. Einen Monat später tauchte er an der Essensausgabe auf. Es war Ostermontag. Da begrüßten ihn die Katholiken freudig: „Christus ist nicht der Einzige, der auferstanden ist!”

Mehrmals im Jahr treffen sich Christen, die im Projekt „Mobile Feeding Stations” aktiv sind, um gemeinsam zu beten und ihre Pläne und Anliegen auszutauschen. Diese Treffen stärken stets die Einheit. „Wenn Christen vereint sind, gibt es kein ›wir‹ und ›sie‹, sondern nur mehr ein ›wir‹”, sagt Marina Balchugova von der Orthodoxen Kirche.

„Unsere Erfahrung in der ökumenischen Arbeit zeigt mir, dass der Herr sich Einheit wünscht und dass sie möglich ist”, sagt Sr. Letycja Gorniewicz SMCB. „Wir müssen nicht auf die Kirchenoberen warten, um uns zu vereinen. Wir können uns selbst um Christus vereinen. Gottes Barmherzigkeit gemeinsam zu den Menschen zu bringen, ist ein starkes Zeichen für alle, die Gott suchen.”

(vatican news)

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20. Februar 2026, 09:18