Jesus in der Wüste - Engel dienten ihm Jesus in der Wüste - Engel dienten ihm 

Unser Sonntag: Dem Teufel ist jedes Mittel recht

Tobias Ferstl ist deutlich: Wir alle kennen die täglichen Versuchungen durch die wir vom rechten Weg abgebracht werden sollen - auch wenn der Teufel nicht direkt in Person neben uns steht. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Prüfung und Umkehr.

Tobias Ferstl, Regensburg

1. Sonntag der Fastenzeit (A)
Mt 4,1-11


Liebe Hörerinnen und Hörer,

mit dem Aschermittwoch haben wir die Fastenzeit begonnen. Die Fastenzeit als Zeit der Buße und Umkehr ist einerseits eine Zeitenwende, auch wenn wir das heutige Evangelium im Kontext der letzten Sonntage hören und lesen dürfen.

Hier zum Nachhören

Es ist eine schöne Fügung, dass der Beginn der Fastenzeit die „Bergpredigt“ an einer Stelle unterbricht, an der uns Jesus in deutlichen Worten den Weg der Nachfolge aufzeigt. Heute tritt Jesus nicht als „Prediger“ auf, sondern wird selbst auf die Probe gestellt und heute zeigt er uns auf eine beeindruckende Art und Weise, seine Handlung und seine Haltung.

Innere Umkehr

Der erste Satz klingt wie ein Auftakt, der scheinbar wenig mit dem konkreten Inhalt zu tun hat aber bereits hier sehen wir, auch Jesus lässt sich leiten. Jesus vertraut dem Geist und er lässt sich in die Wüste führen. Wer schon einmal in Israel war wird wissen, dass das Land zum größten Teil „Wüste“ ist aber auch das dürfen wir im übertragenen Sinn lesen. 40 Tage und Nächte in der Wüste zu fasten – heisst 40 Tage Entbehrung, fasten, hungern, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Blick auf das Wenige zu richten. Es ist – damals wie heute – eine Zeit der inneren Umkehr.

Im Neuen Testament taucht der Satan – wörtlich „Diabolos“ – häufig auf: 38 mal in 36 Versen und heute haben wir die wohl bekannteste Stelle gehört, in der der Teufel als personifiziertes Wesen zum „Gegenspieler Jesu“ wird. Bildhaft schildert Matthäus die Begegnung zwischen Jesus und dem Satan und er tritt genau in einer Situation in Erscheinung, in der Jesus „am anfälligsten“ zu sein scheint. Jesus hat Hunger und der Teufel befiehlt ihm: „dann befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird“.

„Dies Brot ist mein Leib für das Leben der Welt“ und so können wir aus diesem Brot, aus der Eucharistie leben.“

Was will uns Jesus mit seiner Antwort sagen? Das wahre Leben und die Lebensfähigkeit finden wir nicht in einem Stück Brot sondern im Gehorsam Gott gegenüber. Jesus ist das Fleisch gewordene „Wort Gottes“ und Jesus ist der, der sein Leben hingibt „wie Brot“ und der sagen wird „dies Brot ist mein Leib für das Leben der Welt“ und so können wir aus diesem Brot, aus der Eucharistie leben.

Und so endet diese „Szene“ abrupt, doch… der Teufel lässt nicht von ihm ab. Er versucht es erneut mit List und mit einem beliebig gewählten Zitat aus der Schrift, das eigentlich in einem ganz anderen Kontext im Buch der Psalmen geschrieben steht. Wörtlich sagt er zu Jesus „seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen und: Sie werden dich auf Ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt“.

Dem Teufel ist jedes Mittel recht...

Das Verhalten des Teufels kommt mir nur allzu bekannt vor und viele von uns kennen das aus dem Alltag oder aus der medialen Berichterstattung.
Schnell etwas aus dem Zusammenhang reissen, um „dem Gegner“ zu schaden und sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen. Dem Teufel scheint also jedes Mittel recht zu sein, Jesus „aus der Reserve zu locken“. Und schließlich versucht es der Teufel noch einmal und scheint „aufs Ganze zu gehen“

„Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“ Und bevor Jesus erneut mit einem Verweis auf die Schrift antwortet schickt er den Teufel weg. „Weg mir dir, Satan“ Jesus zeigt und bewahrt Haltung und sein Handeln ist entschlossen. Jedes seiner Argumente ist tief verankert in der Schrift und Jesus handelt gemäß seinen eigenen Worten. Er weiß: Gott ist treu und… er bleibt Gott treu.

...und er versucht auch uns

Wenn wir das Evangelium des heutigen Tages auf unser ganz persönliches Leben und die nun begonnene Fastenzeit übertragen wird sehr schnell deutlich, dass wir alle die tagtäglichen Versuchungen kennen. Es sind nicht Versuchungen in den der Teufel „in Person“ neben uns steht und aus auffordert niederzuknien und ihn anzubeten. Nein, es sind viele andere Versuchungen die uns „vom rechten Weg abbringen sollen“ und in einer zunehmend säkularen, ja fast gottlosen Umgebung sind wir diesen zunehmend schutzlos ausgeliefert.

Fastenzeit: Zeit der Prüfung

Die nun begonnene Fastenzeit dürfen wir daher als Zeit der Prüfung verstehen: Wie steht es um unser Verhältnis zu Gott? Wie steht es um unsere eigene Treue zu Gott? Hat er in unserem Leben überhaupt noch einen Platz? Wie stehe ich als Christ in der Welt?

Mitten im Leben stehend haben wir die Chance uns zu entscheiden, uns neu zu orientieren. Im Tagesgegebet des vergangenen Aschermittwoch haben wir gebetet „Gib uns auf diesem Weg die Gnade, dass wir immer besser deinen Auftrag erkennen, dich und Jesus Christus sichtbar zu machen auf der Welt, um hier in Liebe und Frieden zu leben.“ Wenn wir das heutige Evangelium noch einmal Revue passieren lassen und uns von den Protagonisten lösen wird eine Botschaft deutlich, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht.

Es ist ein andauernder Kampf: Gut gegen Böse

Jesus will auf Erden ein neues Reich errichten, auch das ist die Botschaft der Schrift und das ist uns vor allem in den letzten Wochen wieder deutlich geworden. Der Satan? Das Böse? Er will genau dies verhindern – und auch das zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichtsbücher. Davon hören wir bereits im ersten Buch Mose und davon hören wir heute, wenn wir einen Blick in die Zeitung werfen oder die Nachrichten verfolgen. Im heutigen Evangelium steckt aber noch eine andere tiefe Botschaft und es besteht durchaus die Gefahr, diese zu überhören oder zu überlesen.

„Darauf ließ der Teufel von ihm ab
und siehe, es kamen Engel und dienten ihm!“

Die Absage an das Böse in der Taufe

Die „Absage an das Böse“ wird hier zur Rettung und mit genau dieser „Absage an das Böse“ wurden wir am Beginn unseres Lebens in die Kirche aufgenommen. Bei unserer Taufe haben unsere Eltern und Paten stellvertretend für uns geantwortet

Widersagst Du dem Satan, dem Urheber des Bösen?
Widersagst Du den Verlockungen des Bösen, damit es nicht Macht über Dich gewinnt?
Widersagst Du dem Bösen, um in der Freiheit der Kinder Gottes leben zu können?

Dreimal haben unsere Eltern und Paten für uns geantwortet: „Ich widersage“
… und siehe, es kamen Engel und dienten ihm!“

 

Schutzengel als lebenslange Wegbegleiter

Es sind jene Engel, die uns ein Leben lang auf unserem Weg begleiten, sei es im Gebet zu den Schutzengeln, sei es die Bitte um die Fürsprache der Erzengel oder in der geistlichen Musik, wie beispielsweise in Felix Mendelssohns berühmter Vertonung von Psalm 91:

„Denn Er hat seinen Engeln befohlen über dir,
daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
daß sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest“

Unser Taufversprechen und die damit verbundene Absage an das Böse haben wir vor dem Empfang der Hl. Kommunion und der Firmung erneuert und dürfen dies in der kommenden Osternacht erneut tun. Unser Bekenntnis zu Christus und zu unserer eigenen Taufe bringen wir jedoch auch zum Ausdruck, wenn wir uns mit Weihwasser bekreuzigen.

Zulassung zur Taufe

Am heutigen ersten Fastensonntag feiern wir traditionell die Feier der Zulassung zur Taufe. In der Regel sind es Erwachsene, die um die Aufnahme in die Kirche bitten und sich noch einmal intensiv auf den Empfang der Sakramente Taufe, Firmung, Eucharistie vorbereiten. Es ist eine bewusste Entscheidung und es ist eine mutige Entscheidung, sich klar zur katholischen Kirche zu bekennen.

Nehmen wir uns ein Beispiel an den vielen Erwachsenen, die am kommenden Osterfest die Taufe empfangen um uns noch einmal unserer eigenen Taufe bewusst zu werden. Es ist viel mehr als eine „traditionelle Handlung“, denn mit der Taufe haben wir Anteil am Priestertum aller Getauften, wir wurden gesalbt mit dem hl. Chrisam und „wir gehören nun für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit“
Wir dürfen dieser Salbung und dieser Sendung in die Welt mehr Gewicht und Ausdruck verleihen.

Leben in der Freiheit der Kinder Gottes

Es ist nicht nicht einfach eine private bzw familiäre Angelegenheit, nein: Es ist ein Auftrag und eine Befähigung als Christen in der Welt zu leben, als Christen in der Welt Zeugnis abzulegen. Mit der Absage an das Böse ist auch unzertrennbar das „Leben in der Freiheit der Kinder Gottes“ verbunden. Die Freiheit der Kinder Gottes ist ein grundlegendes christliches Verständnis davon, wie Menschen durch ihren Glauben zu einem neuen, freien Leben finden. Besonders deutlich wird dieser Gedanke in den Briefen des Apostels Paulus.

Abba, Vater!

In seinem  Brief an die Gemeinde in Rom schreibt er: Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, Vater!“ Diese Freiheit meint zunächst eine Befreiung von Angst und Schuld und nicht eine Einladung zu einem zügellosen Leben „ohne Punkt und Komma“. Nach unserem christlichem Glauben müssen wir nicht ständig befürchten, vor Gott zu versagen oder sich seine Liebe verdienen zu müssen. Durch Jesus Christus gilt der Mensch als angenommen und versöhnt mit Gott. Diese Zusage befreit von der Last, immer perfekt sein zu müssen, und von der Angst vor Strafe oder Ablehnung.

„Christen handeln nicht mehr aus äußerem Druck, sondern aus einer inneren Haltung heraus.“

Zugleich ist die Freiheit der Kinder Gottes eine Freiheit vom Gesetz als Zwang. Paulus kritisiert nicht das Gesetz an sich, sondern die Vorstellung, man könne durch das strikte Einhalten von Regeln gerecht vor Gott werden. Christen handeln nicht mehr aus äußerem Druck, sondern aus einer inneren Haltung heraus. Maßgeblich ist nicht mehr das „Du musst“, sondern das „Du darfst aus Liebe handeln“.

Bewusst das Gute wählen

Diese Freiheit ist jedoch keine Beliebigkeit. Sie bedeutet nicht, dass alles erlaubt wäre. Im Gegenteil: Wer sich als Kind Gottes versteht, übernimmt Verantwortung für sein Leben und für andere Menschen. Freiheit zeigt sich darin, bewusst das Gute zu wählen, auch wenn es Mühe kostet. Paulus spricht davon, dass der Heilige Geist den Menschen dabei leitet und stärkt. Schließlich hat die Freiheit der Kinder Gottes auch eine soziale Dimension. Alle Menschen sind vor Gott gleich wertvoll. Unterschiede wie Herkunft, Geschlecht oder sozialer Status verlieren ihre trennende Macht. Freiheit bedeutet daher auch, andere nicht zu unterdrücken, sondern ihnen in Respekt und Nächstenliebe zu begegnen.

„Liebe statt Zwang und in Verantwortung statt Egoismus“

Zusammengefasst beschreibt die Freiheit der Kinder Gottes ein Leben in Vertrauen statt Angst, in Liebe statt Zwang und in Verantwortung statt Egoismus. Sie ist eine innere Freiheit, die das Denken, Handeln und Zusammenleben prägt. Die nun begonnene Fastenzeit lädt uns ein, uns eben genau darauf zu besinnen, unser Denken und Handeln zu hinterfragen, neu anzufangen wo es nötig ist und uns von diesem und jenem Ballast zu befreien. Vielleicht haben auch Sie am Aschermittwoch das Aschenkreuz mit den Worten „Kehr um und glaube an das Evangelium!“ empfangen. Dies bedeutet nichts anderes, als „die gute Botschaft von Christus anzunehmen“ und mit ihm an der Seite das Reich Gottes auf Erden zu errichten.

Dazu wünsche ich Ihnen gute Gedanken und eine gesegnete Fastenzeit!

(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)

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21. Februar 2026, 13:21