Der selige Kardinal Clemens August von Galen Der selige Kardinal Clemens August von Galen  (©Gustav Albers)

Der Löwe von Münster: Widerstand gegen Hitler und Leid des Krieges

Am 22. März 1946 starb der „Löwe von Münster“, den die New York Times 1942 als „den hartnäckigsten Gegner des Nationalsozialismus“ bezeichnet hatte und der die Bombardements der Alliierten anprangerte, die deutsche Städte dem Erdboden gleichmachten. Seine Korrespondenz mit Pius XII., der ihn zum Kardinal ernannte, enthält viele aktuelle Anknüpfungspunkte.

Stefania Falasca - Vatikanstadt*

Ein Augenzeuge beschreibt, wie er den Bischof nach einem Angriff unter freiem Himmel zwischen rauchenden Ruinen sah, wie er sich „an die einzige noch stehende Wand klammerte... wie durch ein Wunder am Leben“.

Diese Dokumente beschreiben nicht nur die Zerstörung des Doms und die Berge von Leichen auf dem Marienplatz, sondern erinnern vor allem an die moralische Standhaftigkeit eines Mannes, des seligen Clemens August von Galen, dem Bischof von Münster – an dessen Tod am 22. März 1946 sich nun zum achtzigsten Mal jährt.

Ein Widerstand aus dem Herzen Westfalens

Von Galen wurde zum Epizentrum jenes „anderen Deutschlands“. Unterstützt und ermutigt von Papst Pius XII., widersetzte er sich offen Hitler und dem Kult um Blut und Rasse. In seinem Dom erhob er seine Stimme, um die Verbrechen des Nazismus zu entlarven. Er erklärte öffentlich, keine „Volksgemeinschaft mit jenen zu wollen, welche die Menschenwürde mit Füßen treten“.

Besonders bedeutsam war sein Einsatz für die Schwächsten: In seinen berühmten Predigten, die ihm den Beinamen „Löwe von Münster“ einbrachten, entlarvte und verurteilte er mit Nachdruck das NS-Projekt T4 zur Eliminierung „lebensunwerten Lebens“. Diese Predigten waren so wirkungsvoll, dass Hitler schwor, nach dem Krieg mit ihm „bis auf den letzten Pfennig abzurechnen“. Die britische Royal Air Force warf die Texte seiner Predigten sogar über Berlin ab, und die jüdische Gemeinschaft zollte ihm Anerkennung.

Die Korrespondenz mit Pius XII.

Archivfunde belegen die enge Abstimmung zwischen von Galen und Papst Pacelli. Doch die Briefe ab 1943 zeigten eine neue, tragische Facette. Am 4. November 1943 schrieb der Bischof an den Papst über den Zustand Münsters. Ihn quälte nicht nur das Leid der Bevölkerung, sondern auch die Zerstörung von zweihundert Kirchen seiner Diözese. Er konnte, wie Priester Theodor Holling im Prozess aussagte, nie verstehen, warum die Alliierten den Dom absichtlich zum Ziel gemacht hatten.

Das „Moral Bombing“

Was Hitler nicht gelang, vollendete die Strategie des „Moral Bombing“. Unter diesem von Churchill geprägten Begriff sollte der Widerstandswille der Deutschen durch die systematische Zerstörung ihrer Städte gebrochen werden. Münster wurde im Jahr 1943 allein von 49 Luftangriffen getroffen. Bis zum Kriegsende folgten weitere 53. Am schwersten wogen die Angriffe vom 30. September und 22. Oktober 1944, als 5.000 Sprengbomben und 200.000 Brandbomben auf die Stadt mit damals nur 66.000 Einwohnern niedergingen.

Münster gehörte zwar nicht zu den Städten, die durch das gezielte „Maximum use of fire“ (wie Hamburg oder Dresden) komplett dem Erdboden gleichgemacht wurden, doch die Agonie des Feuers prägte das Land und das Wirken des Bischofs bis zu seinem Tod kurz nach Kriegsende.

(*Deutsche Zusammenfassung des Berichts für L´Osservatore Romano, Original auf Italienisch)

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21. März 2026, 15:30