Zerstörtes Haus im Süden des Libanon Zerstörtes Haus im Süden des Libanon 

Libanon: Notlage im Süden verschärft sich

Das katholische Hilfswerk missio Aachen ist in großer Sorge vor einer weiteren Eskalation der Kämpfe im Süden des Libanon. Missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener wies in einem Gastbeitrag auf dem Portal katholisch.de auf die schwierige humanitäre Lage vor Ort hin. Der syrisch-katholische Bischof Jules Boutros berichtete, hunderte von Dörfern seien betroffen.

Nach Angaben von missio-Partnern habe sich die Lage in den vergangenen Wochen dramatisch zugespitzt. Dies treffe auch rund 5.000 christliche Familien, die den Südlibanon trotz der Kämpfe nicht mehr verlassen wollten. „In den christlichen Gemeinden dort wächst die Angst vor einem zweiten Gaza. Viele fürchten, dass ihnen das Schlimmste noch bevorsteht. Nämlich die komplette Zerstörung ihrer Dörfer“, so Pfarrer Bingener.

Währenddessen leisteten die christlichen Kirchen im Land Enormes. Sie nähmen Geflüchtete aus allen Religionen auf und öffneten Schulen, Krankenhäuser und Gemeindezentren. Diese gelebte Solidarität bleibe laut dem Missio-Präsident angesichts der überwältigenden Not für viele der einzige Hoffnungsschimmer. Besonders betroffen seien Kinder, die Flucht, Angst und dauernde Bedrohung erlebten.

Dem eindringlichen Ruf nach einem Waffenstillstand, wie ihn Papst Leo XIV. formulierte, müsse jetzt Geltung verschafft werden. Es brauche eine Atempause. Krieg bleibe immer die schlechteste Lösung, denn Gewalt erzeuge weitere Gewalt. Mit jeder militärischen Eskalation würden unwiederbringlich Leben so vieler Menschen zerstört, so Pfarrer Bingener.

Verschärfung der humanitären Lage 

Angesichts anhaltender israelischer Angriffe auf den Libanon hat auch der syrisch-katholische Bischof Jules Boutros vor einer Verschärfung der humanitären Lage im Libanon gewarnt. Die israelischen Angriffe richteten sich offiziell gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah, tatsächlich seien jedoch immer wieder zivile Einrichtungen betroffen, berichtete der Kurienbischof des syrisch-katholischen Patriarchats von Antiochia dem päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not" (ACN). So seien zuletzt auch Gebäude in Wohngebieten getroffen worden, darunter Hotels - eines davon in einem überwiegend christlichen Viertel. „Niemand weiß, wer sich im selben Gebäude aufhält. Diese Unsicherheit betrifft jeden Libanesen. Das Risiko ist überall", erklärte der Bischof.

Besonders dramatisch sei die Situation im Süden des Libanon nahe der Grenze zu Israel, bestätigte der Bischof. „Der gesamte Süden ist weitgehend entvölkert. Wir sprechen von Hunderten von Dörfern", sagte Boutros. Auch mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaften seien von Angriffen betroffen. Viele Menschen seien geflohen und wüssten nicht, ob sie jemals zurückkehren könnten. Internationale Beobachter gehen von rund einer Million Binnenflüchtlingen im Libanon aufgrund der jüngsten Eskalation aus.

Umdenken unter schiitischen Muslimen

Gleichzeitig beobachtete Boutros, dass angesichts der jüngsten Eskalation auch ein Umdenken unter schiitischen Muslimen einsetze, wie er sagt: „Früher hörte man aus der schiitischen Gemeinschaft kaum Kritik an der Hisbollah. Jetzt ist das anders." Besonders die Äußerung eines ranghohen schiitischen Geistlichen, wonach religiöse Gebäude nicht als Flüchtlingsunterkünfte dienen sollten, habe Empörung ausgelöst. Sunnitische Muslime, Christen und Drusen seien sich in der Ablehnung des Krieges ohnehin einig, so Boutros.

Die Kirche im Libanon spiele laut dem Bischof eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Vertriebenen: „Christliche Gemeinden haben ihre Türen weit geöffnet." Gleichzeitig würden viele Einrichtungen an ihre Grenzen stoßen. Der Bedarf sei enorm und umfasse neben Lebensmitteln und Treibstoff für Generatoren auch die psycho-spirituelle Begleitung der Menschen.

Besonders schwierig sei zudem die Situation für Familien, die Angehörige aufgenommen haben und von öffentlicher Hilfe nicht erfasst würden. In manchen Regionen sei es zudem zu gefährlich, Hilfsgüter direkt zu verteilen. „Deshalb ist finanzielle Unterstützung oft die einzige Möglichkeit, zu helfen", endete der Bischof mit einem Spendenaufruf. „Kirche in Not" habe seine Unterstützung für die Kirche im Libanon weiter verstärkt, teilte das internationale päpstliche Hilfswerk in Wien mit.

(missio/kirche in not/kap – cf/pr)

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28. März 2026, 11:36