Katholische Frauenvorsitzende: „Wichtig, dass wir sichtbare Frauen haben"
Gudrun Sailer - Vatikanstadt
Zuvor trafen Doris Schmidauer und Angelika Ritter-Grepl die Leiterin des vatikanischen Governatorats, Schwester Raffaella Petrini. Es war nicht ihre erste Begegnung: Die First Lady hatte bereits 2022 eine Delegation österreichischer Katholikinnen, darunter Ritter-Grepl, zu einer Serie von Treffen mit ranghohen Frauen in den Vatikan angeführt. Auch Schwester Raffaella Petrini, die damals Generalsekretärin und damit Nummer zwei des Vatikanstaates war, empfing seinerzeit die Österreicherinnen.
„Ich glaube, es ist wichtig, dass man mit so jemandem in einer Spitzenfunktion spricht, um dieses ganze System Vatikan, heiliger Stuhl, katholische Kirche zu verstehen und zu sehen, wo da die Möglichkeit ist für Frauen, einen Platz und eine Stimme zu haben“, sagte Ritter-Grepl im Gespräch mit Radio Vatikan. „Für meine Begriffe ist es wichtig, dass wir sichtbare Frauen haben, an denen wir uns orientieren können.“ In Bistümern im deutschen Sprachraum gebe es schon in mehreren Diözesen Frauen in hohen Positionen jenseits des Weiheamtes, etwa Kanzlerinnen, Schulamtsleiterinnen oder Finanzkammerdirektorinnen.
Sie sei davon überzeugt, dass Papst Franziskus 2025 mit der Berufung von Schwester Raffaela Petrini an die Spitze des Governatorates „an eine Vorbildwirkung gedacht hat", so Ritter-Grepl. „Ich glaube aber auch, dass in Ländern wie Österreich, Deutschland, in anderen europäischen Staaten oder in den USA in dieser Hinsicht Schritte bereits getan worden sind, wo aus unserer Sicht der Vatikan hinten nachhinkt. Auf der anderen Seite wird es Länder, Bischofskonferenzen und Diözesen geben, wo keine Frauen in Leitungsfunktionen sind.“ Von Belang sei auch die rechtliche Stellung der Leitungsfunktionen, die die Frauen in den Diözesen dann hätten, sagte Ritter-Grepl.
Hoffnung der Frauen auf Unterstützung aus dem Vatikan
Ihre kurze Begegnung mit Papst Leo nutzte sie dazu, ein Anliegen der katholischen Frauen Österreichs vorzubringen. „Es war mir wichtig zu sagen, wie bedeutend es ist, dass der Heilige Stuhl bei internationalen Abkommen auf der Seite der Frauen steht", sagte Ritter-Grepl gegenüber kathpress. Sie selbst sei von der Präsidentschaftskanzlei angefragt worden, an der Reise teilzunehmen, was eine große Freude und Ehre sei sowie ein „Kompliment für die Arbeit der Katholischen Frauenbewegung".
An der Österreichischen Botschaft beim Heiligen Stuhl war beim Mittagessen eine katholische Frauenrunde eingeladen. Doris Schmidauer und Angelika Ritter-Grepl tauschten sich dabei unter anderem mit Schwester Nathalie Bequart, Untersekretärin der Bischofssynode, und der Theologie-Professorin Linda Pocher aus, die dem Vernehmen nach in naher Zukunft einen Vortrag an der Universität Innsbruck halten will.
„Durch die First Lady Doris Schmidauer bekommen wir in der katholischen Frauenbewegung eine Sichtbarkeit, die wir sonst nicht hätten“, sagte Ritter-Grepl gegenüber Radio Vatikan. „Sie sagt ja von sich selber, dass ihr das ganz wichtig ist, das Thema Gleichberechtigung sichtbar machen von Frauen und Gleichstellung. Und ich denke, dass wir da wirklich ihr das zu verdanken haben, dass wir da mit eingeladen worden sind.“ Doris Schmidauer präsentierte am Donnerstagabend ihr vor einem Jahr erschienenes Buch „Land der Töchter zukunftsreich“ am Österreichischen Kulturforum Rom und damit zum ersten Mal außerhalb Österreichs.
(vatican news / kap – gs)
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