Österreich: Bischöfe fordern „Chance für Gott“
Mario Galgano - Vatikanstadt
Erzbischof Franz Lackner präsentierte in Wien die Ergebnisse der viertägigen Beratungen, die im kirchlichen Bildungszentrum „Haus der Frauen“ im oststeirischen St. Johann bei Herberstein stattfanden. Ein zentraler Tenor: Die Kirche müsse sich für „Überraschungen des Heiligen Geistes“ öffnen.
Den inhaltlichen Takt der Versammlung gab eine Predigt des Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl vor, der erklärte: „Was vom Heiligen Geist kommt, kann das Kirchenrecht nicht aufhalten.“ Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, unterstrich diese Haltung bei der abschließenden Pressekonferenz. Er verwies darauf, dass Entwicklungen wie die Wahl von Papst Franziskus oder seines Nachfolgers Papst Leo XIV. „nicht berechenbar“ gewesen seien. Auch in der Frauenfrage seien solche „Überraschungen“ nicht nur möglich, sondern Teil eines „organischen Wandlungsprozesses“.
Frauenfrage „dringlicher als Zölibat“
Angesprochen auf das jüngst veröffentlichte vatikanische Dokument zur Rolle der Frau, bezeichnete Lackner die Klärung dieser Frage als „ernst zu nehmenden Aufbruch“. Zwar hätten sich die Bischöfe noch nicht im Detail mit dem Papier befassen können, doch halte er das Thema derzeit für „dringlicher als etwa jene des Pflichtzölibats“. Ob künftig auch Frauen offiziell an den Vollversammlungen der Bischofskonferenz teilnehmen könnten – über die Expertenrolle hinaus –, ließ Lackner vorsichtig optimistisch offen.
Sorge um Entwicklungszusammenarbeit
Ein politisches Schwergewicht bildete die Kritik an den geplanten Budgetkürzungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit (EZA). Diese würden kirchliche Organisationen wie „Horizont 3000“ massiv treffen und in ihrer Existenz gefährden. „Viele Projekte weltweit wären dadurch nicht mehr möglich“, warnte Lackner. Die Bischöfe suchten hierzu aktiv das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen, da das „letzte Wort noch nicht gesprochen“ sei.
Bischöfe fordern Frieden im Nahen Osten
Österreichs Bischöfe sind erschüttert über das Leid, das der Iran-Krieg für den Nahen Osten und die Region der Golfstaaten gebracht hat. Sie warnen in einer Erklärung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung in St. Johann bei Herberstein vor einem noch größeren Flächenbrand, wenn die Kampfhandlungen nicht bald ein Ende nehmen. „Stopp dem Krieg!" lautet demgemäß auch der Aufruf der Bischöfe.
Bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Bischofskonferenzvollversammlung am Freitag in Wien betonte Erzbischof Franz Lackner, dass neben dem Krieg im Nahen Osten auch andere Kriege und Konflikte nicht vergessen werden dürften. So wüte etwa der Krieg gegen die Ukraine nun schon seit mehr als vier Jahren. „Er ist und bleibt ein großes Unrecht, ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht", so der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Lackner wörtlich: „Dieser Krieg darf nicht in Vergessenheit geraten! Ziel muss ein gerechter und dauerhafter Friede sein."
Neue Rollen und mediale Akzente
Im Rahmen der Versammlung wurden auch die inhaltlichen Zuständigkeiten innerhalb der Bischofskonferenz für die nächsten fünf Jahre neu verteilt. Erzbischof Lackner übernimmt dabei das Amt des „Medienbischofs“. Er wolle gemeinsam mit Fachleuten darüber nachdenken, „womit man als Kirche Schlagzeilen machen will“. Sein erster Impuls: „Gott in unserer Zeit eine Chance geben.“
Blick auf die Vorsitzwahl im Juni
Spannung verspricht die Sommervollversammlung im Juni in Mariazell, bei der die Wahl des Vorsitzenden ansteht. Lackner, dessen Amtszeit endet, gab sich demütig: „Mein eigener Wunschkandidat bin ich nicht.“ Er betonte jedoch seine Verfügbarkeit: „Der Vorsitzende wird gewählt, und diese Wahl gilt es ernst zu nehmen.“
(kap)
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