Doris Schmidauer mit Angelika Ritter-Grepl zu Besuch bei Sr. Raffaella Petrini im Governatorat des Vatikanstaates. Copyright: Peter Lechner Doris Schmidauer mit Angelika Ritter-Grepl zu Besuch bei Sr. Raffaella Petrini im Governatorat des Vatikanstaates. Copyright: Peter Lechner  (Copyright: Peter Lechner)

Österreichs First Lady: „Ich habe Respekt vor den Religionen“

Doris Schmidauer, die Frau des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen, war Mitglied der Delegation beim Papstbesuch an diesem Donnerstag. Ein Gespräch über Respekt vor Religionen, Frauen-Begegnungen im Vatikan und Gleichberechtigung, geführt im Umfeld einer Vorstellung von Doris Schmidauers Buch „Land der Töchter zukunftsreich“ in Rom.

Frau Schmidauer, Sie waren mit Angelika Ritter-Grepl, der Vorsitzenden der österreichischen katholischen Frauenbewegung, nicht nur bei Papst Leo, sondern auch bei einem weiteren Vatikan-Termin dabei. Wie ist es dazu gekommen?

Schmidauer: Sr. Raffaela Petrini ist eine der wichtigsten Frauen hier im Vatikan. Sie wurde schon ernannt unter Papst Franziskus. Ich bin gemeinsam mit der katholischen Frauenbewegung schon vor einigen Jahren, 2022, hier auf Besuch gewesen, um mit den wichtigen Frauen des Vatikans in Kontakt zu treten. Das wollten wir jetzt fortsetzen. Wir sind sehr bemüht, gemeinsam mit der katholischen Frauenbewegung hier die Kontakte aufrechtzuerhalten, weil man immer voneinander lernen kann und weil führende Frauen im Vatikan immer noch eine Seltenheit sind. Aber sie werden immer mehr, und es sind insgesamt sehr eindrucksvolle Frauen. 

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Sie kommen aus der Grünen-Politik, sind eigentlich katholisch sozialisiert, bezeichnen sich als „nicht besonders religiös“ und schreiben in Ihrem Buch, Sie haben großen Respekt vor den Religionen. Wo ist aus Ihrer Sicht heute die Stärke des Katholischen in Österreich? 

Schmidauer: Ich habe deswegen Respekt vor den Religionen, weil sie weltweit immer noch eine große Rolle spielen. Und es ist wichtig, welche Botschaften über die Religionen verbreitet werden. Es hat ein Gewicht, wenn ein Papst sich hinstellt und für den Weltfrieden nicht nur betet, sondern auch im Hintergrund versucht, Kontakte zu knüpfen, Gespräche zu führen. Die Botschaften des Vatikans sind in aller Welt präsent und versuchen, diese Friedensbotschaft nicht nur hinauszutragen, sondern auch Unterstützung anzubieten. Insofern: Auch wenn ich jetzt selber nicht so ein aktives Mitglied der Kirche bin, schätze ich das. Und ich finde, dass die Religionen auch eine gemeinsame Botschaft hinaustragen können. Mein Mann war auf Einladung der muslimischen Gesellschaft islamischen Glaubensgemeinschaft kürzlich beim Fastenbrechen, wo alle anderen Religionen auch eingeladen waren. Dieser interreligiöse Dialog ist extrem wichtig. Wenn auch Mein Mann und ich nicht selbst so aktiv sind: Wir unterstützen das sehr. Und daran darin liegt, glaube ich, auch die Bedeutung von Religionen heute.

Doris Schmidauer beim Signieren ihres Buches „Land der Töchter zukunftsreich“ am Österreichischen Kulturforum in Rom, 5. März 2026. Links Co-Autorin Nina Horaczek.
Doris Schmidauer beim Signieren ihres Buches „Land der Töchter zukunftsreich“ am Österreichischen Kulturforum in Rom, 5. März 2026. Links Co-Autorin Nina Horaczek.

Sie haben in Rom am Österreichischen Kulturforum Ihr Buch „Land der Töchter zukunftsreich“ (2025) vorgestellt. Der Titel spielt auf die österreichische Bundeshymne an, in der wir seit 2012 nicht nur die Söhne, sondern auch die Töchter würdigen. Es ist ein Buch über Gerechtigkeit und Sichtbarmachung von Frauen. Warum ist das Anliegen wichtiger als je zuvor? 

Schmidauer: Weil wir in Sachen Gleichbehandlung immer wieder feststellen, dass wir noch einiges zu tun haben, der Frauentag ist ja ein guter Tag, Bilanz zu ziehen. Es sind immer noch die Frauen, die den Großteil der unbezahlten Arbeit machen: Sorgearbeit, Familienarbeit, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, das alles ist immer noch klassische Frauenarbeit. Sie wird oft mit Teilzeitarbeit verbunden. Das führt dazu, dass Frauen weniger verdienen und dann weniger Pension erhalten. Während Männer uneingeschränkt die Karriereleiter hinaufgehen können. Ich weiß, es gibt Leute, die können es schon nicht mehr hören, und trotzdem: Es gibt auch die Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen immer noch. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Jetzt bin ich 62 Jahre alt, und das haben wir immer noch nicht erreicht. Aber ich bin zuversichtlich. Momentan werden entsprechende Gesetzesvorlagen verhandelt zum Thema Lohntransparenz, zum Thema Quoten. Und ich hoffe, dass wir da einen Schritt vorankommen. Bekenntnisse zur Gleichberechtigung sind zu wenig. Wir müssen auch etwas tun. Und deswegen ist es mir wichtig gewesen, in meinem Buch das Potenzial von Frauen sichtbar zu machen und auch darauf hinzuweisen, worauf wir verzichten, wenn wir dieses Potenzial in unserem Land nicht entsprechend nutzen.

Sie beschreiben in Ihrem Buch, dass es Ihnen liegt, Netzwerke zu schaffen aus Frauen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, die sich sonst nie begegnen würden. Was liegt da für eine Musik drin für Sie? 

Schmidauer: Schmidauer: Für mich ist es immer wieder ein sehr schönes Erlebnis: Frauen, die einander kennenlernen, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen - Stadt, Land, Universität, Architektinnen, Juristinnen, Frauen, die am Land Traditionen pflegen, wie die Goldhaubenfrauen, aktive, wichtigen Frauen. Und was die gemeinsam erreichen können, wenn sie sich einmal kennenlernen. Da sind schon Projekte entstanden, von denen ich dann viel später erfahren habe. Es freut mich einfach, wenn ich einen Raum zur Verfügung stellen kann, und die Hofburg ist ein solcher offener Raum, wo diese unterschiedlichen Frauen sich treffen. Und weil ich auch der festen Überzeugung bin, dass wir gemeinsam etwas zum Guten verändern können.

(vatican news – gs)

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06. März 2026, 11:59