"Herr, er riecht aber schon." "Herr, er riecht aber schon." 

Unser Sonntag: Die Sterbebettprüfung

An diesem Fastensonntag geht es Markus Hofmann um die zentrale Frage: Glauben wir an Jesus, an die Auferstehung? Wer dann versucht, sich mit selbstgebastelten Antworten zu begnügen, der weicht Jesus noch schwammiger aus als zunächst Marta.

Dr. Markus Hofmann, Bonn

5. Fastensonntag "Laetare" - A 

Joh 11, 3–7.17.20–27.33b–45

Die Frage Jesu an Marta „Glaubst Du das?“ – diese Frage richtet das Evangelium auch an uns.

Nicht nur, wenn wir im Glaubensbekenntnis sprechen: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“, sondern auch wenn ich an einem offenen Grab stehe und mir ähnlich zumute ist wie Jesus am Grab seines Freundes Lazarus. Wenn ich vor Schmerz und Trauer weine, wie Jesus geweint hat. Glaube ich auch dann?

Hier zum Nachhören

Nach einer Umfrage glauben in Deutschland noch 30% der Menschen an ein Leben nach dem Tod im christlichen Sinn. Die meisten weichen dem Ernst der Frage aus und denken am liebsten gar nicht darüber nach. – Wenn sie merken, dass das auf Dauer nicht gelingt, dann basteln sie sich aus allen möglichen religiösen und pseudoreligiösen Vorstellungen eine Privatmeinung zusammen und rechtfertigen dies nach dem Motto: „Irgendwie wird es vielleicht weitergehen – aber es weiß ja sowieso keiner wie“.

Glaubst Du das? 

„Glaubst Du das?“ – Diese Frage, liebe Schwestern, lieber Bruder, können wir aber nicht einfach nach Belieben beantworten. Dafür ist sie viel zu ernst. – Ja, nach dem Zeugnis des heutigen Evangeliums ist es die alles entscheidende Frage, die Jesus hier an uns richtet:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.
Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. –
Glaubst Du das?“

Diese Frage ist eine Frage auf Leben und Tod!

Sie ist nicht wie andere, die letztlich nur Vorletztes berühren. Ein kluger Mann hat über solche zweitrangigen Fragen einmal gesagt:
„Sie bestehen die „Sterbebettprüfung“ nicht.“ D. h. wenn ich einmal auf meinem Sterbebett liege, dann werden mich eine ganze Reihe von Dingen, die heute als so überaus wichtig behandelt werden, gar nicht mehr berühren. Wird z. B. denen, die heute lautstark die Abschaffung des Zölibats fordern, - und meistens ja persönlich davon gar nicht betroffen sind -, wird ihnen diese Frage auf ihrem Sterbebett wirklich noch so wichtig sein?

Aber das, was Jesus Christus, heute Sie und mich fragt:
„Glaubst Du, dass ich nicht nur ein vorbildlicher Mensch, nicht nur ein weiser Rabbi, nicht nur ein von Gott gesandter Prophet bin, sondern glaubst Du, dass ich die Auferstehung und das Leben – dass ich Gott selbst – bin?

Glaubst Du, dass jeder, der zu mir gehört, jeder der sein Leben ganz auf mich setzt – denn das heißt glauben –
Glaubst Du, dass der leben wird – ewig und in Freude – auch wenn er den leiblichen Tod erleiden muss?

„Diese Frage wird auf dem Sterbebett mit aller Schärfe wieder auftauchen – und jedes Ausweichen hat dann ein Ende“

Diese Frage wird auf dem Sterbebett mit aller Schärfe wieder auftauchen – und jedes Ausweichen hat dann ein Ende. Wir können diese Frage also nicht einfach offen lassen – und wir wissen nicht, wann für uns die Stunde kommt, dass sie uns zum letzten Mal gestellt wird. Wer dann versucht, sich mit selbstgebastelten Antworten zu begnügen, wie: vielleicht wird es ja irgendwie weitergehen, - der weicht Jesus noch schwammiger aus als zunächst Marta: „Ich weiß, dass er, Lazarus, am Letzten Tag – wann immer der sein mag – auferstehen wird.“ Nein, Jesu fragt Marta nicht: „Glaubst Du, dass es mit deinem Bruder irgendwie weitergeht?“ – Sondern er fordert diese Frau – und jeden Hörer dieses Evangeliums – zu einer ganz klaren Stellungnahme heraus: - „Wie stehst du zu mir? Glaubst Du – an mich?“

Marta konnte glauben, weil Jesus kein Fremder für sie war

Und Marta antwortet: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias, der Sohn Gottes bist“. Warum konnte Marta glauben? – Weil sie Jesus kannte, weil er kein Fremder für sie war. Lazarus, Maria und Marta waren Freunde Jesu – sie hatten den Kontakt mit ihm gepflegt. Ausdrücklich wird gesagt: „Jesus liebte diese drei.“ Und sie haben auf diese Liebe mit Großzügigkeit geantwortet. Sie haben ihn mit seinen Jüngern immer wieder gastlich aufgenommen; und schließlich hat Maria Jesus sogar mit dem kostbaren Nardenöl, das mehr als 300 Tageslöhne wert war, die Füße gesalbt.

Die Freundschaft mit Jesus zu wenig gepflegt? 

Ist Jesus nicht für viele, die sich heute mit dem Glauben schwer tun, ein Fremder geblieben?
Haben nicht solche, die in ihrem Glauben zweifelnd geworden sind – ihre Freundschaft mit Jesus zu wenig gepflegt und seine Großzügigkeit unbeantwortet gelassen? Aber, so könnten wir mit den Besuchern in Bethanien fragen, wenn Jesus der Freund dieser drei war, warum hat er dann den Tod des Bruders und die Trauer der beiden Schwestern nicht verhindert? ----

Das Warten Jesu ist besser für uns 

Warum verhindert er dann nicht das Leid und die Trauer heute?
Um die Antwort auf letzteres erahnen zu können, hilft es, zu erkennen, was das Evangelium zu Ersterem sagt:
Jesus greift zunächst nicht ein-, weil es so besser war: - besser für seine drei Freunde, besser für die Zeugen des großen Wunders – und besser für uns! Das Warten Jesu war kein Zeichen mangelnder Freundschaft, sondern auf diese Weise konnte er ihnen seine Größe – die Größe Gottes herrlicher offenbaren, als durch eine Krankenheilung, von denen er schon viele gewirkt hatte.

„Der ist schließlich selbst von den Toten auferstanden und hat dadurch bewiesen, dass er wirklich die Auferstehung und das Leben in Person ist“

So konnten viele andere – außer Marta, Maria und Lazarus – zum Glauben an Jesus kommen – wie es eigens am Ende des Evangeliums gesagt wird.
Und schließlich haben auf diese Weise auch wir einen weiteren von vielen Gründen erhalten, um an Jesus zu glauben. Der, der den Blindgeborenen geheilt hat -, der den Jüngling von Nain und die Tochter des Jairus auferweckt hat – Der zu seinem Freund, der schon vier Tage im Grab lag, sagen konnte: „Lazarus, komm heraus!“ – Der ist schließlich selbst von den Toten auferstanden und hat dadurch bewiesen, dass er wirklich die Auferstehung und das Leben in Person ist!

Der Glaube beruht auf geschichtlichen Fakten

Dieser Glaube ist nicht selbst zusammengebastelt, sondern der beruht auf geschichtlichen Fakten – auf dem Zeugnis derer, die dabei waren –
auf der Erfahrung der Kirche seit 20 Jahrhunderten – und dieser Glaube besteht auch die Prüfung auf dem Sterbebett, wenn wir die Freundschaft mit Christus sorgfältig pflegen.
Dieser gut begründete Glaube, der wie wir in diesem Tagen wieder erfahren konnten, weltweit von so vielen Menschen mit uns geteilt wird – oder zumindest doch von großem Interesse ist –

dieser Glaube, der seit 2000 Jahren trotz ungeheurer Widerstände nicht nur nicht untergegangen ist, sondern ungezählten Menschen Hoffnung und Zuversicht in größter Not geschenkt hat, dieser Glaube, der identisch ist mit dem Glauben des Petrus, der anderen Aposteln, mit dem Glauben Martas und Marias von Bethanien, dieser Glaube lässt uns dann auch vor der hl. Hostie auf dem Altar oder in der Hand des Kommunionspenders – trotz der unveränderten äußeren Gestalt, also trotz des Augenscheins bekennen:


„Das ist nicht mehr Brot, das ist nicht nur ein bloßes Zeichen, sondern das ist Jesus Christus selbst – verborgen, aber in Person lebendig und wirklich da.

Diese Speise ist keine Sache, sondern eine Person, kein „Es“, sondern ein „Du“ – und zwar kein anderer als der menschgewordene Sohn Gottes.

 

Das Bekenntnis dieses Glaubens liegt äußerlich in der Antwort des Kommunizierenden auf die Worte des Kommunionspenders: „Der Leib Christi“.-„Amen. – So ist es. Das glaube ich.“

Glaubende und ansteckende Zeugen sein

Möge unsere innere Haltung immer dieser äußeren Antwort entsprechen. Mögen unsere Taten, unser Verhalten stets mit dem übereinstimmen, was wir im Glaubensbekenntnis und im Gebet sagen. Dann sind wir glaubwürdige und ansteckende Zeugen dieser Frohen Botschaft, die uns geschenkt ist, damit wir durch Christus das Leben und es in Fülle haben!

Ein Leben, das stärker ist als Sünde, Hass und Tod. Ein Leben, das aus dem Glauben an Jesus Christus kommt, ein Geschenk, das wichtiger ist als alles, als wirklich alles andere auf der Welt.

Ein Geschenk, das Jesus Christus durch uns auch anderen Menschen anbietet.

Amen

(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)

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21. März 2026, 10:22