D/Bosnien: Bischof Meier zieht Bilanz nach Besuch in Sarajevo
Mario Galgano - Vatikanstadt
Bischof Meier traf bei seinem Besuch auf Vertreter der katholischen Kirche, des Islam, der orthodoxen Kirche sowie der jüdischen Gemeinde. Zudem tauschte er sich mit Repräsentanten der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und der internationalen Gemeinschaft aus, darunter der Hohe Repräsentant Christian Schmidt und der deutsche Botschafter Alfred Grannas.
Dialog als Grundlage für gesellschaftlichen Frieden
In seinen Gesprächen hob Meier hervor, dass der interreligiöse Dialog in Bosnien und Herzegowina eine gelebte Realität darstelle, die für den Erhalt des Friedens essenziell sei. Da sich die Volksgruppen im Land stark über ihre religiöse Zugehörigkeit definierten – muslimische Bosniaken, orthodoxe Serben und katholische Kroaten –, komme der Verständigung zwischen den Institutionen eine politische Dimension zu.
„Gerade weil der Dialog dem Frieden dient, ist er jede Anstrengung wert“, bilanzierte Meier. Er wies darauf hin, dass die Folgen der Belagerung von Sarajevo (1992–1995) im Bewusstsein der Menschen weiterhin präsent seien. Es bestehe nach wie vor die Schwierigkeit, das Leid der jeweils anderen Seite anzuerkennen und gemeinsame Sichtweisen auf die Geschichte zu entwickeln.
Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften
Ein zentraler Punkt der Reise war der Austausch mit dem Interreligiösen Rat, der auf nationaler und regionaler Ebene die Versöhnung fördert. Meier informierte sich zudem über das seit zehn Jahren bestehende interreligiöse Studienprogramm, das von islamischen, katholischen und orthodoxen theologischen Fakultäten gemeinsam getragen wird. Bei einem Treffen mit Großmufti Husein Kavazović wurde betont, dass Versöhnung auf langfristig gewachsenem Vertrauen basiere.
Situation der katholischen Kirche
Die Lage der katholischen Minderheit bildete einen weiteren Schwerpunkt. In Gesprächen mit dem Erzbischof von Vrhbosna, Tomo Vukšić, und Kardinal Vinko Puljić wurden Herausforderungen wie die mangelnde politische Repräsentation der Kroaten sowie die starke Abwanderung junger Menschen thematisiert. Meier sicherte den lokalen Gemeinden die weitere Unterstützung und Solidarität der katholischen Kirche in Deutschland zu. Trotz der geringer gewordenen Mitgliederzahl bleibe die Kirche ein wichtiger Akteur im sozialen Bereich und in der Verständigungsarbeit.
Perspektiven und europäische Integration
Abschließend erörterte der Bischof die Zukunft des Landes im Kontext eines angestrebten Beitritts zur Europäischen Union. Viele Gesprächspartner äußerten den Wunsch nach einer Weiterentwicklung der Verfassung und demokratischen Reformen. Bischof Meier äußerte die Überzeugung, dass der interreligiöse Zusammenhalt ein stabilisierender Faktor auf diesem Weg sein könne, um bestehende Spaltungen zu überwinden.
(pm)
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