Papst Leo XIV. vor den Journalisten im Flieger nach Rom Papst Leo XIV. vor den Journalisten im Flieger nach Rom  (@Vatican Media)

D: Diskussionen über Papstaussage zu Segnungsfeiern

Während seines Rückfluges aus Afrika hat Papst Leo XIV. sich auf Anfrage einer Journalistin kritisch zu der Entscheidung mehrerer deutscher Bischöfe geäußert, förmliche Segnungen homosexueller Paare in ihren jeweiligen Diözesen zum Regelfall zu machen. Zuletzt hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine entsprechende Regelung verfügt. Das hat in der deutschen Kirche – und darüber hinaus - für Reaktionen gesorgt.

Eine deutsche Journalistin hatte auf der Rückreise aus Afrika die Gelegenheit genutzt, ein Thema anzusprechen, das die deutsche Kirche schon seit längerem beschäftigt, nämlich die Zulassung von eigenen Segnungsfeiern für Paare, die in einer irregulären Situation leben.

Unlängst hatte der Münchner Erzbischof Marx als erster Kardinal weltweit für seine Diözese offiziell verfügt, dass kirchliche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche und andere nicht kirchlich zu verheiratende Paare umgesetzt werden können.

Marx schafft als erster Kardinal Tatsachen

Grundlage dafür bildete die Handreichung mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft - Segnungen für Paare, die sich lieben", welche die Deutsche Bischofskonferenz und der Laiendachverband „ZdK“ im April 2025 im Rahmen des Synodalen Wegs vorgelegt hatten und in der Formularvorschläge für Segnungsfeiern gemacht werden. Bei Abfassung der nicht verbindlichen Handreichung bezogen sich die Autoren ausdrücklich auf das Schreiben „Fiducia supplicans“ des Glaubensdikasteriums im Vatikan. Man stehe mit Rom in enger Abstimmung zu dem Papier und den daraus resultierenden Bestrebungen, Segnungen für Paare in irregulären Beziehungen eine Grundlage zu geben, hieß es seitens der Bischofskonferenz regelmäßig zu dem Thema. Dass die deutschen Bischöfe mit ihrem Weg allerdings doch in Konflikt mit der vorgegebenen Linie aus dem Vatikan stehen könnten, hat Papst Leo auf dem Flug nun bestätigt.

Denn der Heilige Stuhl habe den deutschen Bischöfen bereits klargemacht, „dass wir die förmlichen Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht billigen“, sagte das Kirchenoberhaupt. Zugleich betonte Papst Leo unter Bezug auf die Haltung seines Vorgängers, alle Menschen seien in der Kirche willkommen, dass die Kirche alle Menschen segne. Wenn man allerdings über den Rahmen der von Papst Franziskus in Fiducia supplicans autorisierten allgemeinen Segnung auch für Menschen in irregulären Situationen hinausgehe, sorge das für mehr Uneinigkeit als für Einigkeit in der Kirche.

Limburg hält an Regelung fest


Mit Interesse wurde die Antwort des Papstes in Deutschland und andernorts registriert. Der Limburger Bischof Georg Bätzing, der als einer der ersten deutschen Bischöfe Segnungsfeiern auch für Paare in irregulären Situationen in seinem Bistum zugelassen hatte, sagte am Freitag: „Seelsorgerinnen und Seelsorger werden ermutigt, diesen Wunsch verantwortungsvoll aufzugreifen und mit den Paaren Segensfeiern zu gestalten.“ Bätzing ergänzte: „Auch wenn es hierzu unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Weltkirche gibt, sehe ich diese Praxis im Bistum Limburg in einem verantwortbaren Rahmen. Sie dient den Menschen und gefährdet aus meiner Sicht nicht die Einheit der Kirche.“ Bätzing war bis vor wenigen Wochen Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zugleich leitete er den katholischen Reformprozess, Synodaler Weg, bei dem das Papier mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft“ entstand.

Die Diözese stellte klar, die betreffende Handreichung der Bischofskonferenz bleibe dort weiterhin Grundlage der pastoralen Praxis und werde nicht zurückgenommen. Sie greife den Wunsch von Menschen auf, die ihre Partnerschaft unter den Segen Gottes stellen möchten. Den Paaren, die sich eine Segensfeier wünschen, signalisiere die Diözese weiterhin Begleitung und Offenheit.

ZdK: Keine Gefahr der Verwechslung mit Ehesakrament

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) äußerte sich ähnlich. Es gebe keinen Grund, die Handreichung zurückzunehmen, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp gegenüber der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Papier empfehle lediglich, „Paaren, die keine kirchlich-sakramentale Ehe eingehen wollen oder denen eine solche nicht offensteht, Segensfeiern zu ermöglichen“, betonte Stetter-Karp. „Nicht mehr und nicht weniger. Eine Verwechslung mit dem Ehesakrament ist ausgeschlossen.“ Es brauche weitere Kommunikation mit dem Vatikan. Der Reformprozess in Deutschland werde weitergehen.

Köln: Römischer Rahmen ermöglicht pastorale Nähe zu allen

Die Erzdiözese Köln erklärte, dass Kardinal Rainer Maria Woelki die Äußerungen des Papstes mit Dankbarkeit zur Kenntnis nehme. „Sie bekräftigen die Bedeutung eines gemeinsamen Vorgehens in der Weltkirche und sensibilisieren für die Gefahr der Trennung und Spaltung“, hieß es. Für Woelki sei es wichtig festzuhalten, „dass es für uns im Erzbistum Köln selbstverständlich ist, alle Menschen zu segnen und ihnen die Nähe Gottes zuzusprechen“. Der gesetzte Rahmen aus Rom ermögliche es, allen Menschen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen und „pastoral sensibel“ zu handeln.

In Essen erklärte Generalvikar Klaus Pfeffer auf Facebook: „Für mich ist das eine sehr wichtige Botschaft: Die Welt um uns herum brennt geradezu angesichts der zahlreichen Kriege, der Zunahme autoritärer Regime, des Zerfalls vieler Demokratien, der Zunahme von Hass und Gewalt in so vielen Bereichen. Da gibt es für Christinnen und Christen unendlich viele Aufgaben, um Position zu beziehen und um für Verständigung, Gerechtigkeit und Frieden einzutreten.“ Man müsse es aushalten, dass in manchen innerkirchlichen Lehrfragen derzeit keine Übereinstimmung zu finden sei. „Und vielleicht ist gerade das auch eine Aufgabe: Unterschiedliche Auffassungen auszuhalten, ohne sich gegenseitig mit persönlichen Attacken anzufeinden und in verbale Kriegszustände zu geraten - und innerkirchlich vorzuleben, was unsere Welt so dringend braucht.“

US-Jesuit: Papst-Antwort „weise, sorgfältig und durchdacht"


Auch in Übersee wurde die Papstaussage kommentiert. Der US-amerikanische Jesuit James Martin, ein Pionier der Homosexuellen-Seelsorge, betonte, dass seiner Auffassung nach Papst Leo das unter seinem Vorgänger entstandene Dokument „Fiducia supplicans“ nicht aufhebe.

Zugleich erinnerte Martin daran, die vatikanische Öffnung sei stets an die Bedingung geknüpft gewesen, dass es sich nicht um förmliche Segensfeiern handeln solle – wie dies hingegen in den Bestrebungen der Mehrheit der deutschen Bischöfe liegen könnte. Martins Einschätzung dazu ist klar: „Aus der übergeordneten Sicht des Heiligen Vaters würde es die Einheit der Kirche gefährden, wenn man über ,Fiducia supplicans‘ hinausgeht. Und da hat er Recht.“ Die Antwort des Papstes bewertet Martin als „weise, sorgfältig und durchdacht“. Schließlich erinnert er daran, dass Leo die Vision seines Vorgängers Franziskus weitertrage, wonach die Kirche offen sein müsse für „alle, alle, alle“ Menschen - auch für jene, die zu sexuellen Minderheiten gehören.

Papst Franziskus legte Erklärung vor

In seiner Antwort war Papst Leo eng in dem Interpretationsrahmen von Fiducia Supplicans geblieben, den Papst Franziskus bei der Vollversammlung des Glaubensdikasteriums am 26. Januar 2024 geliefert hatte. Dort sagte er vor den versammelten Mitgliedern der Glaubensbehörde, die für die Abfassung des Dokumentes verantwortlich zeichnete:

„In diesem Kontext der Evangelisierung möchte ich auch die kürzlich veröffentlichte Erklärung Fiducia supplicans  ansprechen. Die Absicht der »pastoralen und spontanen« Segnungen ist es, konkret die Nähe des Herrn und der Kirche gegenüber all jenen zum Ausdruck zu bringen, die sich in verschiedenen Situationen befinden und um Hilfe bitten, um einen Weg des Glaubens weiterzugehen oder manchmal auch zu beginnen. Ich möchte kurz zweierlei unterstreichen. Erstens, dass diese Segnungen außerhalb jeglichen Kontexts und jeglicher Form liturgischen Charakters keine moralische Vollkommenheit voraussetzen, um empfangen werden zu können. Zweitens, dass, wenn ein Paar spontan kommt und um einen Segen bittet, nicht die Beziehung gesegnet wird, sondern die einzelnen Personen, die gemeinsam darum gebeten haben. Nicht die Verbindung, sondern die Personen, selbstverständlich unter Berücksichtigung des Kontexts, der Sensibilitäten, der Orte, an denen man lebt, und der angemessensten Art und Weise, dies zu tun."

(Vatican news/kap/kna - cs)

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26. April 2026, 10:03