Trauer bei einer Beerdigung in Libanon Trauer bei einer Beerdigung in Libanon  (AFP or licensors)

D: Misereor berichtet von zunehmender Not im Libanon

Nach Einschätzung von Helfern nimmt die Belastung der libanesischen Zivilbevölkerung im Kontext der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel, den USA und dem Iran stetig zu. Frank Wiegandt, Nahostbeauftragter des Hilfswerks Misereor, erläuterte am Donnerstag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) die aktuelle Lage vor Ort.

Laut Wiegandt herrscht unter den Einwohnern die Wahrnehmung vor, dass die israelische Regierung bei ihren Einsätzen zivile Opfer in Kauf nehme. Es bestehe die Sorge, dass sich die Angriffe der israelischen Armee künftig auch verstärkt auf christlich geprägte Dörfer und Stadtteile in Beirut ausweiten könnten. Wiegandt wies zudem darauf hin, dass der libanesische Staat nicht über die Kapazitäten verfüge, die vom Iran gesteuerte Hisbollah-Miliz zu entwaffnen.

Auswirkungen der militärischen Eskalation

Die Intensität der jüngsten Ereignisse habe viele Menschen unvorbereitet getroffen. Dass der Libanon von einer zweiwöchigen Waffenruhe ausgenommen blieb, sei weiten Teilen der Bevölkerung nicht bekannt gewesen. Massive Angriffe am vergangenen Mittwoch auf Beirut und den Südlibanon forderten laut Berichten mehr als 200 Todesopfer. Besonders schlimm seien die Zerstörungen in Beirut, auch der Stadtteil Manara, in dem sich das Misereor-Büro und die deutschsprachige evangelische Gemeinde befinden, seien getroffen worden. Die Sachschäden werden als erheblich eingestuft. Was die Versorgungslage betrifft, so seien Dörfer im Südlibanon zunehmend isoliert. Es drohen Engpässe bei Lebensmitteln, Medikamenten, Hygieneartikeln und Treibstoff für Stromgeneratoren. Die Angriffe hätten laut Wiegandt zu weiteren Fluchtbewegungen innerhalb des Landes geführt.

Die Rolle der christlichen Gemeinschaft und der Kirche

Während viele Bewohner den Südlibanon verlassen haben, verbleiben einige Christen in ihren Heimatorten. Laut Wiegandt geschieht dies auch mit der Absicht, die Dörfer vor einer Übernahme durch die Hisbollah zu bewahren, wodurch die Bewohner jedoch gleichzeitig in den Fokus israelischer Angriffe geraten könnten.

Da staatliche Strukturen derzeit als unzureichend wahrgenommen werden, fungiert die Kirche als zentraler Rückzugsort für Hilfesuchende unterschiedlicher Konfessionen. Misereor kooperiert hierbei unter anderem mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten, um die Versorgung der Binnenflüchtlinge sicherzustellen.

Forderungen an die internationale Gemeinschaft

Wiegandt betonte die Erwartung der Libanesen an das Ausland: „Der Libanon wurde in der Vergangenheit vielfach von der internationalen Gemeinschaft alleingelassen. Jetzt wünschen sich die Menschen, dass die internationale Gemeinschaft entschieden für eine Waffenruhe eintritt und dem Land bei der Not- und Wiederaufbauhilfe zur Seite steht.“

Zudem hebt Wiegandt die moralische Unterstützung durch den Vatikan hervor. Der Libanon-Besuch von Papst Leo XIV. im vergangenen November sowie dessen Appelle gegen die Kriegshandlungen fänden in der Bevölkerung Resonanz.

(kna)

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10. April 2026, 10:23