Demonstration in Bologna: Ordensfrauen und Ordensbrüder begleiten Migranten Demonstration in Bologna: Ordensfrauen und Ordensbrüder begleiten Migranten  #SistersProject

Italien: Ein Zuhause in einem Netzwerk der Hoffnung

In Bologna unterstützen geweihte Männer und Frauen Migranten auf ihrem Weg zu einer Unterkunft und zu zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist eine gemeinsame Erfahrung der Hilfe zur Selbsthilfe.

Von Ilaria Ballò CMV

In vielen europäischen Städten sind existentielle Randgebiete nicht nur geografische Orte, sondern Lebensräume, in denen benachteiligte Menschen Zuhören und Präsenz brauchen. Dort kann die Aufnahme, mit Konstanz und Diskretion angeboten, ein Zuhause schaffen und Hoffnung wecken.

Eine diskrete Präsenz inmitten urbaner Verletzlichkeit

In Bologna, in den Winkeln einer Stadt, die von Mobilität, prekären Wohnverhältnissen und neuer Armut geprägt ist, nimmt diese Erfahrung Gestalt an durch das Leben von geweihten Männern und Frauen, die mit Migranten eine schwierige Lebensphase teilen. Es ist eine diskrete Gegenwart, die mehr vom Zuhören als von Worten, mehr von Nähe als von sofortigen Antworten geprägt ist. Eine Präsenz, die darin besteht, den Weg des anderen zu teilen.

Es geht nicht um große Zahlen und große Einrichtungen, sondern um konkretes Leben. Wohnungen, die zu Übergangsräumen werden, zu einer „Pufferzone" zwischen den institutionellen Auffangstrukturen und einer neuen Phase der Selbstständigkeit. Wohnungen, die nicht nur ein Dach über dem Kopf bieten, sondern ein Beziehungsnetzwerk; Räume, in denen man wieder Bindungen und Vertrauen aufbauen kann, die Erfahrung, dass ein geschwisterliches Zusammenleben möglich ist.

Bewohner des Aufnahmezentrums mit Mitgliedern der Missionsgemeinschaft von Villaregia
Bewohner des Aufnahmezentrums mit Mitgliedern der Missionsgemeinschaft von Villaregia

Begleitung auf dem Weg zur Selbstständigkeit

An diesem Weg ist die Missionsgemeinschaft von Villaregia beteiligt, bestehend aus Schwestern und Brüdern, die ihr Leben in den Dienst von Migranten stellen. Zu ihnen gehört Alessia Gattamelata, eine Missionarin, die sich in Wohnprojekten für junge Migranten engagiert, die zwar arbeiten, aber trotzdem Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu finden. Ein immer häufiger auftretendes Paradox: Arbeit, die nicht ausreicht, um Stabilität zu gewährleisten, und Wohnungsmangel, der eine schwer zu überwindende Hürde bleibt. Genau dort, an diesem wunden Punkt, setzt das Projekt der Aufnahme und Begleitung auf dem Weg zur Selbstständigkeit an.

„Hinter der unmittelbaren Not verbirgt sich oft eine Geschichte voller Wunden, von einem beschwerlichen Weg und einem tiefen Verlangen nach Leben und Zukunft“

„Hinter der unmittelbaren Not verbirgt sich oft eine Geschichte voller Wunden, von einem beschwerlichen Weg und einem tiefen Verlangen nach Leben und Zukunft", erklärt Alessia. Genau hier wird aus Hilfe Begleitung: Ressourcen wertschätzen, Vertrauen zurückgewinnen, unterstützen, ohne die Eigeninitiative zu blockieren. An der Seite stehen, ohne zu urteilen, damit jeder Mensch wieder die Kraft findet, seinen Weg weiterzugehen.

Das Projekt „SoStare", das 2023 in Bologna als Reaktion auf die Kältekrise ins Leben gerufen wurde und sich ab 2024 zu einer Hilfe zur Unterkunftsfindung entwickelte, arbeitet im Netzwerk mit sozialen und kirchlichen Einrichtungen sowie unter Einbeziehung von Freiwilligen. Die Arbeit erfolgt im Team, in einem gemeinsamen Gefüge, das in der Region zur Aufnahme anderer einlädt.

Neben dem Wohnen werden örtliche Integration und das Erlernen der italienischen Sprache gefördert, im Rahmen des Knüpfens fester Beziehungen. Das Haus wird so zu einem Ort der interkulturellen Begegnung, an dem jeder Mensch mit seiner Geschichte und Würde angenommen und anerkannt wird; an dem der Begriff „Migrant" kein Etikett mehr ist, sondern sich in Gesichtern, Geschichten und Lebenswegen spiegelt.

Aziz, Künstler und Zeichner, hatte den Tisch für die Gemeinschaft sorgfältig gedeckt
Aziz, Künstler und Zeichner, hatte den Tisch für die Gemeinschaft sorgfältig gedeckt

„Oft sind wir es, die sich aufgenommen fühlen“

Das geweihte Leben als Zeichen von Beziehung und Hoffnung

Auf diesem Weg ist die Aufnahme zweigleisig. „Oft", so vertraut Alessia uns an, „sind wir es, die sich aufgenommen fühlen." Sie erinnert sich an ein Abendessen, das Aziz Zamir, ein afghanischer Mann, der die beschwerliche Reise über die Balkanroute hinter sich gebracht hatte und im Projekt aufgenommen wurde, mit Sorgfalt zubereitet hatte. Als Künstler und Zeichner hatte Aziz den Tisch für die Gemeinschaft sorgfältig gedeckt: gefaltete Servietten, Papierrosen, Liebe zum Detail. Eine einfache Geste, die die üblichen Logiken auf den Kopf stellt und Würde zurückgibt, indem sie einen Gott offenbart, der überrascht.

Bewohner des Aufnahmezentrums und Mitglieder der Missionsgemeinschaft kommen zum Abendessen zusammen
Bewohner des Aufnahmezentrums und Mitglieder der Missionsgemeinschaft kommen zum Abendessen zusammen

Einmal pro Woche kommen Mitglieder des Aufnahmehauses und der Missionsgemeinschaft zum Gebet zusammen. Das gemeinsame Alltagsleben, das Gebet, das gemeinsam gehörte Wort Gottes, das nach der Feier in familiärer Atmosphäre genossene Abendessen, die miteinander verwobenen Geschichten fließen in die Liturgie ein, und die Liturgie wird im Leben wieder lebendig. Die Wunden der Welt werden nicht ausgesperrt: Sie sind in der Gemeinschaft präsent, stellen den Glauben auf die Probe und erweitern den Blick.

Auch inmitten bürokratischer Mühen und diskriminierender Äußerungen, an denen es leider nicht mangelt, kehrt die Motivation zurück, wenn Gesten der Solidarität, Freundschaften zwischen Freiwilligen und Gästen sowie Beziehungen entstehen, die Schönheit und Dankbarkeit entstehen lassen. So wird in der täglichen Stille eines gemeinsamen Hauses die Aufnahme wieder zu dem, was sie sein soll: keine gelegentliche Geste, sondern ein Raum, in dem die Hoffnung wirklich ein Zuhause finden kann.

Gott wirkt weiter, lässt Leben keimen, knüpft Bindungen, eröffnet Räume der Schönheit dort, wo es nur Unsicherheit zu geben schien. Ein diskretes, aber reales Zeichen eines Evangeliums, das in der Zerbrechlichkeit und im gegenseitigen Vertrauen Fleisch annimmt.

#sistersproject

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24. April 2026, 08:18