Erzbischof Hubertus van Megen, Apostolischer Nuntius in Berlin. Das Bild entstand im Juni 2025 in Rom. Erzbischof Hubertus van Megen, Apostolischer Nuntius in Berlin. Das Bild entstand im Juni 2025 in Rom. 

Nuntius van Megen: „Ich freue mich auf die deutsche Kirche“

Der neue diplomatische Vertreter des Heiligen Stuhles in Berlin, Erzbischof Hubertus van Megen, freut sich auf seine neue Aufgabe in Deutschland. Er sehe sich als kirchlicher Brückenbauer, der am Anfang vor allem zuhören werde, um die Anliegen der Gläubigen zu verstehen, sagte der Niederländer gegenüber Radio Vatikan.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Papst Leo XIV. ernannte van Megen an diesem Donnerstag zum neuen Papstbotschafter in Berlin. Dort löst er Erzbischof Nikola Eterovic ab, der das Amt 13 Jahre lang innehatte. Er wisse, dass die Kirche in Deutschland „mit Problemen konfrontiert“ sei, das gelte aber letztlich für alle Kirchen, sagte van Megen. „Und ja, als Nuntius bin ich dazu berufen, so etwas wie ein Mediator zu sein, ein Brückenbauer zwischen Lokalkirche und Universalkirche“, so der neue Nuntius in Deutschland.

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„Ich möchte verstehen“

„Das ist eine große Herausforderung. Es gibt da auch bestimmte Spannungen, das ist kein Geheimnis. Aber was ich vor allem sagen möchte: Ich will mir das am Anfang erst einmal anhören und anschauen. Ich möchte verstehen, was genau die Motive sind, warum Menschen von einer bestimmten Form von Kirche überzeugt sind, warum sie meinen, es müsse so und nicht anders sein.“

Van Megen, der viele Jahre in Afrika als Vatikandiplomat zubrachte, erinnerte an die umfassende Dimension des Glaubens. Das Wissen allein sei nicht entscheidend.

„Es geht darum: Was ist das innere Gefühl, das in der Religion und in der Kirche mitschwingt? Man muss die Menschen von innen heraus verstehen. Es geht nicht so sehr um große theologische Diskussionen. Es geht vielmehr um die Emotionen, die dahinterstehen. Es geht darum, wie Menschen Kirche und vor allem auch Gott erleben – in ihrem geistlichen und in ihrem täglichen Leben. Und ich denke, das muss ich begleiten, und das muss ich vor allem erst einmal verstehen. Nicht so sehr rational, sondern mit dem Herzen. Ich denke, wenn ich das hinbekomme, wenn ich da mit den Menschen mitgehen kann – auch in der Kirche in Deutschland –, dann habe ich schon viel von meiner Aufgabe erfüllt.“

Gute Zusammenarbeit mit den Bischöfen

Er freue sich auch darauf, den deutschen Bischöfen zu begegnen, sagte Erzbischof van Megen weiter. Einige von ihnen kenne er noch aus gemeinsamen Studienzeiten in Rom.

„Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit. Ich hoffe, dass wir uns gut verstehen können. Und eigentlich habe ich da auch großes Vertrauen. Denn auch in Afrika, wo die Kulturen natürlich ganz anders sind als die europäische Kultur, habe ich immer gut mit den lokalen Bischöfen zusammengearbeitet. Obwohl auch dort die Sichtweisen und Werte manchmal sehr verschieden waren von dem, was wir uns als Europäer unter Kirche vorstellen.“

„Das war schon ein bisschen über dem Expiry Date“

Aus Afrika wegzugehen, falle ihm nicht ganz leicht, räumte van Megen ein. „Ich war seit 2010 in Afrika. Am Anfang in Malawi, Sambia, Khartum (Sudan), Eritrea und dann am Ende im Südsudan und in Kenia.“ An der letzten Station allein habe er sieben Jahre gedient. „Das war schon ein bisschen über dem Expiry Date“, also dem Ablaufdatum, so der polyglotte Nuntius.

„Ich bin immer gerne in Afrika gewesen, vielleicht auch, weil der Kontinent so voller Farben ist, so voller Leben, so voller Kinder, so voller Energie – in einer Weise, wie wir uns das in Europa beinahe nicht mehr vorstellen können.“

Auch die lebhafte Kirche dort habe ihn sehr angesprochen: „mit viel Gesang und Tanz, mit vielen Farben, auch sehr lange Messen, die fünf, sechs Stunden dauern, vor allem, wenn es ein bisschen pontifikal ist, etwas festlicher. Aber auch da wird das immer mit viel Freude und Energie gemacht. Es hat mir immer sehr gut gefallen, und darum ist mein Herz auch ein bisschen traurig, ein bisschen hin- und hergerissen zwischen, ich würde mal sagen, Europa und Afrika.“

„Meine Familie kommt über die Großeltern zum Teil aus Aachen“

Er gehe aber auch gerne nach Deutschland, so van Megen weiter. In gewisser Weise sei es ein Nachhausekommen.

„Ich bin Niederländer, ich bin in Kerkrade, an der Grenze zu Aachen, geboren. Meine Familie kommt über die Großeltern zum Teil aus Aachen, zum Teil aus Düsseldorf, zum Teil aus Eupen in Belgien, im deutschsprachigen Teil von Belgien. Also Deutschland ist mir nicht fremd. Ich bin beinahe jeden Tag über die Grenze gekommen, schon als Kind. Ich war auch oft in Aachen, in der Eifel und in vielen anderen Städten und Orten in Deutschland. Aber andererseits: Ich habe nie in Deutschland gelebt. Ich habe auch nie in dem Sinne die Kirche von innen heraus erlebt. Das wird eine neue Herausforderung.“

Einmal in Berlin: Als die Mauer noch stand

Ein einziges Mal sei er bisher in Berlin gewesen, als Gymnasiast, als ein Berlin-Wochenende auf dem Programm stand. „Das war noch in der Zeit der Mauer, es muss 1985 oder 86 gewesen sein. Es war ziemlich grau und dunkel – das ist das Einzige, woran ich mich erinnere. Aber ich freue mich wirklich darauf. Ich freue mich auch wieder auf die deutsche Kultur, die deutsche Musik, die deutsche Literatur, das deutsche Essen und natürlich auch die deutsche Sprache.“ Richtig Deutsch studiert habe er nur wenig, er kenne die Sprache „vor allem vom Radio, vom Fernsehen und von der Straße – also von dem, was man so in Deutschland spricht.“

„Ich freue mich auf die deutsche Kirche“

Er habe in seiner Laufbahn gelernt, so van Megen resümierend, dass Kirche in „verschiedenen Kulturen ganz unterschiedlich sein kann – und doch zutiefst in der Wahrheit verwurzelt ist“. Deshalb freue er sich auf die neue Herausforderung in Berlin, sagte der 64-jährige Kirchendiplomat. „Ich freue mich auf Deutschland. Ich freue mich auf die deutsche Kirche. Ich freue mich, dass ich dort auch zu Diensten sein kann. Im tiefsten Sinne ist das das Herz des christlichen Lebens: zu dienen. Das bedeutet, sich selbst in die Herausforderung hineinzustellen, um Christus zu dienen und den Menschen zu dienen.“

Van Megen bat darum, für ihn zu beten „und mir zur Seite zu stehen – geistlich, spirituell –, damit ich diese Aufgabe meistern kann.“ Er tritt seinen Dienst in Berlin im Frühsommer an. 

(vatican news – gs)

 

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10. April 2026, 09:55