Archivbild: Der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner (2. von links) und der damalige Caritaspräsident Michael Landau mit einer Brennholzlieferung für bedürftige Familien Archivbild: Der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner (2. von links) und der damalige Caritaspräsident Michael Landau mit einer Brennholzlieferung für bedürftige Familien 

Caritas Wien: Arbeitslosigkeit ist größtes Armutsrisiko

Angesichts steigender Arbeitslosigkeit und wachsender Armutsgefährdung fordert die Caritas mehr staatliche Mittel für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. „Arbeitslosigkeit und Armut gehen viel zu oft Hand in Hand", so Caritasdirektor Klaus Schwertner. Investitionen in Arbeitsmarktpolitik seien daher „Investitionen gegen Armut".

Die wirtschaftliche Lage habe sich zuletzt spürbar eingetrübt, so Schwertner mit Verweis auf internationale Krisen: „ Die geopolitischen Herausforderungen, Krieg in Nahost, a uch der Angriffskrieg auf die Ukraine, der nach wie vor anhält, haben natürlich auch Auswirkungen hier in Österreich, auch auf den Arbeitsmarkt.  Das spürt man sehr deutlich.  Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist lange auf die lange Bank geschoben worden. W ir sehen, dass mehr Menschen unter Druck geraten, auch ihren Job verlieren.  Auf eine offene Stelle gibt es momentan fünf Bewerberinnen und Bewerber, sogar etwas mehr.  Und das ist eine große Herausforderung."

Das sagte  Schwertner kurz vor dem Tag der Arbeit bei der Eröffnung der 15. Jobmeile in Wien am 30. April. Bei der Jobmeile treffen rund 2.000 Arbeitssuchende auf konkrete Jobangebote und Beratungsleistungen. Die Caritas betreibt in Wien 19 entsprechende Projekte; im Vorjahr wurden dabei rund 1.800 Menschen beschäftigt und mehr als 4.200 beraten. 

Eine Trendwende am Arbeitsmarkt sei „vorerst abgesagt", so das Fazit des Wiener Caritasdirektors. Derzeit sind rund 400.000 Menschen in Österreich arbeitslos oder in Schulungsmaßnahmen. 

Hier zum Nachhören

Politik gefordert

„Ich glaube, dass es wichtig ist, immer wieder in den Blick zu rücken, dass Arbeitslosigkeit und Armut leider viel zu oft Hand in Hand gehen. Das haben auch die gestern veröffentlichten Zahlen der Statistik Austria der EU Statistik sehr deutlich gezeigt, wo es ja leider wieder einen Anstieg der Ausgrenzung und armutsgefährdet den Menschen gab und gibt. Und hier braucht es entsprechende Aufmerksamkeit der Bundesregierung", fordert der Wiener  Caritas-Direktor.

„Wieder selbst für sich und die eigene Familie sorgen zu können, muss unser gemeinsames Ziel als Gesellschaft sein“

Besonders schwer sei die Arbeitssuche aktuell für Langzeitarbeitslose, ältere und junge Menschen am Beginn ihres Berufswegs. Ziel müsse sein, Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen:

„Wer in aktive Arbeitsmarktpolitik investiert, investiert auch in Menschen und die Zukunft dieser Menschen.  Wir wünschen uns daher, dass es mehr Mittel und nicht weniger gerade für aktive Arbeitsmarktpolitik gibt, die zur Verfügung gestellt werden. W ir sehen gemeinsam mit vielen anderen Organisationen in unserer täglichen Arbeit, dass diese Projekte auch sehr wirksam sind.  Wir haben Vermittlungsquoten allein in Wien in Projekten bis zu knapp über 50 Prozent.  Das ist sehr erfreulich, weil das für jede einzelne betroffene Person bedeutet, wieder selbst für sich sorgen zu können, für die Familie sorgen zu können.  Und das muss unser gemeinsames Ziel sein als Gesellschaft."

Doppelbudget nutzen

 
Kritisch sieht die Caritas den budgetären Sparkurs bei gleichbleibend hohem Bedarf. Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik seien zuletzt teilweise gekürzt und nicht valorisiert worden. Mit Blick auf das geplante Doppelbudget fordert die Hilfsorganisation daher eine Aufstockung der Mittel, den Ausbau eines dauerhaften zweiten Arbeitsmarktes für Langzeitarbeitslose, flexiblere Zuverdienstmöglichkeiten sowie eine Reform des Arbeitslosengeldes. Dieses liege im internationalen Vergleich niedrig und schütze viele Betroffene nicht ausreichend vor Armut. Schwertner erinnerte jedoch auch an positive Maßnahmen der Bundesregierung:

„Ich glaube, dass die Bundesregierung etliche Maßnahmen auf den Weg gebracht haben, die den Sozialstaat weiterentwickeln und entsprechend wirksam machen.  Ich denke auch, gerade das ist wichtig.  Ich habe den Sozialtarif angesprochen im Energiebereich, der sehr wichtig ist, gerade auch für arbeitslose Menschen.  Die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel oder auch der Wohnschirm, der jetzt verlängert wurde, der Menschen vor Ort bewahren muss.  Ich glaube, es braucht gerade an den Rändern der Gesellschaft in herausfordernden Zeiten Aufmerksamkeit und entsprechende Maßnahmen.   Ich denke, dass die Maßnahmen der Bundesregierung hier, die entsprechend wirksam sind, auch manchmal gerne überhört werden.  Und deshalb habe ich sie heute auch angesprochen" , so der Wiener Caritas-Direktor. 

Arbeits- und Sozialministerin Schumann: Staat darf sich nicht zurückziehen

Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann verwies bei der Eröffnung der Caritas-Jobmeile auf bestehende Maßnahmen wie den Energie-Sozialtarif oder den verlängerten Wohnschirm. „Wenn der Druck steigt, darf sich der Staat nicht zurückziehen", so die Politikerin. Arbeit bedeute zudem nicht nur Einkommen, sondern auch „Würde, Teilhabe und Anerkennung". Ziel müsse daher sein, insbesondere benachteiligten Gruppen neue Chancen und Perspektiven zu eröffnen. Dafür benötigten die Betroffenen jedoch auch faire Chancen und reale Perspektiven. Auch Schumann verwies auf die schwierige Situation von älteren Arbeitssuchenden sowie langzeitarbeitslosen Menschen und jenen, die nicht am Transformationsprozess des Arbeitsmarktes mithalten können. „Niemand soll durch den Wandel zurückgelassen werden", so die Ministerin.

(kap - sst) 

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

01. Mai 2026, 10:21