Bei der Auftakt-Pressekonferenz in Würzburg Bei der Auftakt-Pressekonferenz in Würzburg 

D: Katholikentag soll „Labor für gelingendes Miteinander“ werden

Der Katholikentag in Würzburg unter dem Motto „Hab Mut, steh auf“ soll ein sichtbares Zeichen der Hoffnung setzen und einen Ort für relevante gesellschaftliche Debatten bieten. Kirche müsse sich in Politik und Gesellschaft einmischen, betonten Vertreter von Bistum, Stadt und Zentralkomitee der deutschen Katholiken bei der Pressekonferenz zur Eröffnung. Sie betonten, das Treffen wolle weit über kirchliche Räume hinauswirken – in die Stadt hinein und auch zu Menschen, die nicht katholisch sind.

 

Christine Seuss und Birgit Pottler – Würzburg

Der Katholikentag sei eine Einladung, sich „nicht hinter Kirchentüren zu verstecken“: Das unterstrich die Präsidentin des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken vor Journalisten am Mittwochnachmittag in Würzburg. Katholikentage seien Orte des Lebens, sagte Irme Stetter-Karp. Katholiken sollten andere – auch der Kirche Fernstehende - ermutigen, auf Gott zu vertrauen und sich gesellschaftlich und politisch einzumischen. So könne die Gesellschaft gemeinsam verändert werden.    

Zeichen der Hoffnung      

Kirche solle und wolle ein sichtbares Zeichen der Hoffnung sein, unterstrich der Würzburger Bischof Franz Jung. „Besucherinnen und Besucher sollen hier ganz konkret sehen, wo Kirche genau das ist.“ Die Gastgeber-Diözese Würzburg unterhält Partnerschaften mit Diözesen in Tansania, Brasilien und Irland, aus denen Vertreter kommen – der Katholikentag mache daher auch das Netzwerk Weltkirche konkret erlebbar. Besonders wichtig sei ihm allerdings, dass das Christentreffen auch ein geistliches Großereignis sei, das mit vielen Gottesdiensten und anderen spirituellen Angeboten wie der Lectio Divina und zahlreichen anderen Initiativen auch Suchenden entgegenkommen wolle.

Jung würdigte ausdrücklich die mehreren hundert ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus dem ganzen Bistum und die breite Unterstützung in den Dekanaten des Bistums. Bei einem „Abend der Begegnung“ in der Würzburger Innenstadt stellen sie zum Auftakt das Bistum vor. Dass auch die Stadt – trotz eines parteiübergreifenden Bürgermeisterwechsels während der Vorbereitungsphase – das Treffen nicht nur ideell, sondern auch mit finanziellen Zuschüssen unterstützt habe, sei „keineswegs selbstverständlich“.

„Ich freue mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten!“

Der Katholikentag solle die Stadt Würzburg durchdringen und nachhaltig verändern, wünschte sich seinerseits Oberbürgermeister Martin Heilig. Er bekannte ohne Scheu: „Ich freue mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten!" Der Katholikentag sei ein Zeichen der Vitalität in Zeiten, in denen sich viele Menschen ins Private oder in digitale Blasen zurückzögen. Würzburg könne so für einige Tage zu einem „Labor für gelingendes Miteinander“ werden. Das Treffen biete Spielraum für politsche und gesellschaftliche Debatten und habe einen Mehrwert auch für Nichtkatholiken und Religionslose.

ZdK-Generalsekretär Marc Frings hob hervor, wie gerade der Katholikentag deutlich mache, dass der ehrenamtliche Einsatz ein Beispiel für gelebte Demokratie sei und betonte den Anspruch, Menschen einzuladen, miteinander zu diskutieren. Es gehe darum, Demokratie und Zusammenhalt zu verteidigen, so dass das Leitwort nicht als „Wellness-Satz“, sondern als „Zumutung“ verstanden werden müsse.

Motto des Katholikentags (Foto ZdK)
Motto des Katholikentags (Foto ZdK)   (© ZdK)

Hab Mut - kein „Wellness-Satz“

Die AfD sei trotz des Anspruchs auf Auseinandersetzung mit Andersdenkenden auf den offiziellen Veranstaltungen des Katholikentags nicht vertreten, erklärte ZdK-Präsidentin Stetter-Karp auf Nachfrage. Die Veranstalter hätten diese Entscheidung im Vorfeld selbst diskutiert und genau geprüft: „Wir sehen keine neuen Argumente, die uns überzeugen würden, AfD-Mandatsträger auf unseren Podien öffentlich eine Bühne und Raum zu geben." Entscheidend sei die Frage, ob die Lösungen der AfD „die Gesellschaft weiterbringen“ und „evangeliumsgemäß“ seien. „Da haben wir eine klare Entscheidung getroffen“, so Stetter-Karp, die sich in diesem Zusammenhang auch die klare Haltung der Bischofskonferenz würdigte.

Die ZdK-Präsidentin verwies darüber hinaus auf die Vielfalt des Programms, der Teilnehmenden und der Veranstaltungsformen. In Europa würden Religionen zunehmend politisch instrumentalisiert. Deshalb müssten Katholikinnen und Katholiken achtsam sein und dazu beitragen, Stereotype nicht zu bedienen.

Dialog im Fokus

Als besonderes Zeichen würdigte ZdK-Generalsekretär Frings die Beteiligung des Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, am Schlussgottesdienst. Schuster stammt selbst aus Würzburg und mit ihm wird erstmals der Zentralrat in dieser Form in den Abschluss eines Katholikentags eingebunden – ein Zeichen für das besondere Gewicht auf interreligiösen und konfessionsübergreifenden Dialog bei diesem Katholikentag. Zufrieden zeigte sich Frings mit der positiven Resonanz aus der Politik: zahlreiche hochrangige Politiker hätten sich bereit erklärt, bei Veranstaltungen mit direktem Publikumskontakt mitzuwirken.

Einen neuen Zugang bietet der Katholikentag zum Thema Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche. Das ZdK hat in diesem Jahr einen Wettbewerb beauftragt, um sich dem Thema künstlerisch zu nähern und es im Stadtraum sichtbar zu machen.

Größeres Angebot als in Erfurt

Nach Angaben der Ausrichter wird der Katholikentag in Würzburg größer ausfallen als der zurückliegende Katholikentag in Erfurt. In der fränkischen, christlich geprägten Region würden mehr Teilnehmende und mit über 900 Veranstaltungen ein breiteres Angebot erwartet. Für junge Menschen unter 25 Jahren gibt es erstmals auch ein Jugendticket für 25 Euro. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit rund 900.000 Euro Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Allerdings entschieden sich viele Menschen mittlerweile kurzfristig für einen Besuch.

Wilmer und Fehrs: „Mutig ist heute, wer das Gespräch sucht"

Im Vorfeld der Eröffnung haben sich am Mittwoch auch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, zu einem Gespräch getroffen. Es war die erste offizielle Begegnung der beiden seit dem Amtsantritt des DBK-Vorsitzenden.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen die Bedeutung der Ökumene sowie die gemeinsame Verantwortung der Kirchen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer Zeit wachsender Spannungen und Polarisierungen. Viele Menschen erlebten derzeit, „wie hart gesellschaftliche Debatten geworden“ seien, so Bischöfin Fehrs und Bischof Wilmer: „Misstrauen wächst, Positionen verhärten sich, und immer häufiger wird übereinander statt miteinander gesprochen. Als Kirchen wollen wir dem etwas entgegensetzen: Orte, an denen Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten und gemeinsam nach Lösungen suchen.“ Ökumene sei dafür ein konkretes Beispiel, weil sie zeige, dass Verständigung möglich sei und Vertrauen wachsen könne: „Diese Erfahrung braucht auch unsere Gesellschaft.“

„Frieden entsteht dort, wo Menschen und Nationen einander nicht abschreiben, sondern Verständigung suchen“

Kirchen trügen Verantwortung dafür, Begegnung zu ermöglichen – in Gemeinden, Schulen, sozialen Einrichtungen und im öffentlichen Gespräch: „Dort, wo Menschen einander wahrnehmen und Gehör schenken, verliert Spaltung an Kraft.“ Frieden entstehe gerade dort, „wo Menschen und Nationen einander nicht abschreiben, sondern Verständigung suchen“, so Fehrs und Wilmer. Dafür setzten sich die Kirchen ein.

Mit Blick auf das Leitwort des Katholikentags „Hab Mut, steh auf!“ betonten beide: „Mutig ist heute, wer das Gespräch sucht, auch dort, wo Positionen als unvereinbar erscheinen. Frieden entsteht, wenn Menschen einander nicht aufgeben.“

Am Mittwochabend beginnt in Würzburg der 104. Deutsche Katholikentag. An der feierlichen Eröffnung auf dem Residenzplatz wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilnehmen. Bis Sonntag werden 30.000 Gäste erwartet.

(vatican news/pm - cs)

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13. Mai 2026, 16:03