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Schweiz: Das Ende eines spirituellen Zentrums

Am Pfingstsonntag ist in Bad Schönbrunn eine jahrzehntelange Tradition zu Ende gegangen. Gemeinsam mit rund 250 Wegbegleitern nahmen die Jesuiten Abschied von ihrem langjährigen Einsatzort, dem sogenannten Lassalle-Haus. Provinzial Thomas Hollweck, Verantwortlicher für die Jesuiten in Zentraleuropa, reiste aus München an, um die Bedeutung des Hauses als Ort der Ökumene, des Dialogs und der gesellschaftlichen Verantwortung zu würdigen.

Gleichzeitig räumte Pater Hollweck ein, dass dem Orden die personellen und finanziellen Ressourcen fehlten, um ein Haus dieser Größenordnung weiterzuführen. Hollweck äußerte Bedauern über die Art und Weise der Kommunikation im Vorfeld: „Wir haben nicht alles gut gemacht, und das tut mir leid. Wir haben Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen.“ Dennoch bezeichnete er die Entscheidung zur Schließung als notwendig.

Bruno Brantschen, Vorsteher der Jesuitengemeinschaft vor Ort, beschrieb den Moment als „Dankfeier mit Trauerflor“. Er dankte den Mitprägenden des Hauses, darunter Heidi Eilinger, die seit 2007 auf dem Gelände lebte und den gemeinsamen Weg „dank Jesuiten, mit Jesuiten und trotz Jesuiten“ hervorhob. Auch Vertreter aus Kirche und Politik drückten ihr Bedauern aus. Urs Corradini überbrachte den Dank des Bistums Basel, während der Menzinger Gemeindepräsident Andreas Etter von einem Verlust für die Gemeinde sprach und die Hoffnung auf ein Wiedersehen äußerte.

Chronik eines angekündigten Endes

Der Abschied zeichnete sich seit März 2025 ab, als die Schließung des Hotel- und Gastrobetriebs öffentlich kommuniziert wurde. In der darauffolgenden Übergangsphase blieben die drei Jesuiten Toni Kurmann, Niklaus Brantschen und Bruno Brantschen im Haus, was vielen Verbundenen den Abschied ermöglichte.

Toni Kurmann, der im April 2023 die Direktion übernommen hatte, versuchte im April 2025 mit einem Konzept für ein verkleinertes „Lassalle-Zentrum“ Gegensteuer zu geben. Seine Idee sah vor, sich ohne den bisherigen Auslastungsdruck auf Relevanz, Inhalte und Beziehungsnetze zu konzentrieren: „Unsere Aufgabe besteht auch darin, die Kraft des Ortes lebendig zu halten und damit Menschen neue Zugänge zu ermöglichen.“ Die Ordensleitung in München hielt jedoch an der Schließung fest.

Die Gründe für das Ende des Hauses seien vielschichtig, heißt es in einem Beitrag des Schweizer Forum-Magazins. Neben der betriebswirtschaftlichen Situation, die Kurmann als Schock empfand, spielten strukturelle Faktoren eine Rolle. Dazu gehörten schwindende Teilnehmendenzahlen, das fortschreitende Altern der Ordensgemeinschaft und der Mangel an Nachwuchs. Zudem blieb die Zusammenarbeit mit umliegenden Diözesen und Landeskirchen weitgehend ohne Resonanz. Auch personelle Veränderungen in der Leitung, wie das Ausscheiden der reformierten Pfarrerin Noa Zenger im Jahr 2023, sowie die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und ein schwerwiegender Datenverlust im Jahr 2022 schwächten die Institution. Hinzu kamen interne Diskussionen über die Ausrichtung des Hauses, das neben christlicher Spiritualität auch fernöstlichen Zen anbot.

Aufbruch in der Krise

Für die verbliebenen Jesuiten bedeutete die Entwicklung eine existenzielle Herausforderung. Toni Kurmann betonte die Notwendigkeit, das Haus in der Phase des Übergangs nicht im Stich zu lassen, und verwies auf ein Zitat seines Mitbruders Niklaus Brantschen: „Wir müssen loslassen lernen, ohne aber fallenzulassen.“ Im Februar 2026 wurde schließlich die offizielle Auflösung von Bad Schönbrunn als kanonischer Standort der Jesuitenkommunität beschlossen. Die drei Patres werden an neue Wirkungsorte versetzt.

Niklaus Brantschen blickt trotz des Abschieds nach vorne, lehnt jedoch Angebote ab, im Alter noch an andere Standorte zu wechseln. Er betont, wie wichtig es sei, den Blick in die Zukunft zu richten und zu fragen, was die Menschen im Hier und Jetzt brauchen. Ein Filmprojekt von Studierenden aus Berlin, das den Verbleib des Geistes von Bad Schönbrunn dokumentiert, stehe für ihn exemplarisch für diesen zukunftsorientierten Ansatz. Das physische Haus schließt, doch die im Mai 2025 gegründete „Lassalle-Gemeinschaft“ aus Freiwilligen und Unterstützern versucht, das spirituelle Erbe und die Idee der Verbindung verschiedener Welten weiterzutragen.

(forum-magazin - mg)

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25. Mai 2026, 09:24