Buchtipp „Feindliche Nähe“ von Michael Wolffsohn Buchtipp „Feindliche Nähe“ von Michael Wolffsohn 

Unser Buchtipp: „Feindliche Nähe“

Drei Religionen, drei Gemeinschaften, drei religiöse Ursubstanzen. In seinem Buch beschreibt Michael Wolffsohn die Nähe und Unterschiede im jüdischen, christlichen und islamischen Monotheismus. Er verbindet historische und religiöse Analyse mit Denkanstößen zu aktuellen politischen Konflikten.

Antisemitismus und der Nahostkonflikt sind nur zwei Beispiele dafür, wie das Thema Religion in aktuelle Konflikte unserer Zeit verwickelt wird. In seinem Buch geht Michael Wolffsohn genau darauf ein und erläutert die geschichtlichen und theologischen Hintergründe von Christentum, Judentum und Islam. Ein provokantes Buch, das verdeutlicht, warum die drei abrahamitischen Religionen immer wieder aneinandergeraten.

Kritik der Generalisierung

Ziemlich am Anfang seines Buches weist Wolffsohn auf das Problem der Generalisierung von Religion hin. In Wirklichkeit gebe es nicht ‚das‘ Christentum oder ‚das‘ Judentum. Religionen haben viele unterschiedliche Richtungen, und der Glaube ist bei jedem Menschen individuell ausgeprägt. Es sei gewagt, eine Religion jeweils als Einheit zu betrachten. Zudem „gibt es bei allen notwendigen Differenzierungen innerhalb des Juden- und Christentums durchaus grundsätzliche Gemeinsamkeiten im Inneren“, so der Autor. Er warnt dennoch vor Pauschalvorurteilen. Wer entscheide denn, ob etwas „typisch jüdisch“ oder „typisch christlich“ sei? Wolffsohn hinterfragt kritisch bestehende Klischees und regt zum Nachdenken an.

Die Verbindung

In dem Buch wird ein besonderer Fokus auf die Beziehung der drei Religionen gelegt – speziell auf die theologische Verbundenheit des Judentums und Christentums. Aus Wolffsohns Sicht sollte „das Christentum ursprünglich ein Reformjudentum werden“. Ausführlich geht der Autor auf die politischen Konflikte in Nahost ein. Die Geschichte des Gaza-Gebietes wird erläutert und die immerwährenden Konflikte besonders zwischen Israel und Palästina hervorgehoben. „Ein immerwährender Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt“ – kaum unterscheidbar in Aktion und Reaktion, urteilt Wolffsohn. Ein gesellschaftskritisches Buch von großer Aktualität, welches das tiefere Verständnis eines komplizierten Konflikts erzeugt.

Zum Mitschreiben

Michael Wollfsohn: Feindliche Nähe – von Juden, Christen und Muslimen. Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2025. 271 Seiten; ISBN 978-3-451-07291-8

Eine Rezension von Nele Maesmanns.

(vatican news)

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15. Juni 2026, 12:38