Jean Ziegler ist tot Jean Ziegler ist tot  (AFP or licensors)

Zum Tod von Jean Ziegler: Eine Stimme gegen das globale Unrecht

Das katholische Hilfswerk missio München hat zum Tod des Schweizer Autors und Soziologen Jean Ziegler kondoliert. In einer Stellungnahme würdigte der Präsident des Werks, Wolfgang Huber, den Verstorbenen als eine Persönlichkeit, die globale Ungerechtigkeiten mit seltener Deutlichkeit benannt und sich konsequent für Benachteiligte eingesetzt hat.

Nach Darstellung des Hilfswerks bildete der katholische Glaube das Fundament für das Engagement des Autors, der im verstorbenen Papst Franziskus einen wesentlichen Hoffnungsträger sah. Das weltweite Elend sei für den Schweizer kein unabänderlicher Zustand gewesen; vielmehr habe er auf die Handlungsfähigkeit demokratischer Systeme und der Zivilgesellschaft vertraut, um gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. In seinen Analysen erinnerte er die europäischen Staaten an die historische Verantwortung aus der Kolonialzeit und kritisierte die ökonomischen Mechanismen internationaler Großkonzerne.

Langjährige Zusammenarbeit und thematische Schwerpunkte

Als langjähriger Gesprächspartner des „missio magazins“ nutzte der ehemalige UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung die Medienpräsenz des Hilfswerks, um den Anliegen von Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien Gehör zu verschaffen. Seine Beiträge widmeten sich regelmäßig internationalen Krisenherden und den Strukturen des Neokolonialismus.

In den vergangenen Jahren bezog der Autor wiederholt Position zu geopolitischen Konflikten und deren sozialen Folgen. Dazu gehörten die Untersuchung der Ursachen für die Popularität von Militärregierungen in Westafrika sowie die Analyse des russischen Krieges gegen die Ukraine im Hinblick auf die globale Nahrungsmittelsicherheit. Bereits frühzeitig forderte er zudem die Beendigung von Versorgungsblockaden in bewaffneten Konflikten, wie im Gaza-Krieg. Auch die europäische Migrationspolitik stand im Fokus seiner Kritik; nach einer Besichtigung von Unterkünften auf der griechischen Insel Lesbos forderte er eine grundlegende Neuausrichtung der humanitären Standards innerhalb der Europäischen Union. Mit seinem Tod verliere die internationale Zivilgesellschaft einen Analysten, der jenen gesellschaftlichen Gruppen Gehör verschaffte, die im globalen Diskurs ansonsten unterrepräsentiert blieben.

(pm - mg)

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11. Juni 2026, 12:42