Ordensschwestern evangelisieren inmitten der digitalen Kultur
von Schwester Alejandra Treviño, FMA
Die Anfänge des Fiat-Projekts gehen auf das Jahr 2017 zurück, als die US-amerikanische Bischofskonferenz katholische Führungskräfte zu einer Tagung einlud. Bei diesem Treffen lernten Schwester Bernadette Mota, FMA, und Schwester Phuong Nguyen FMA aus der Provinz der westlichen Vereinigten Staaten die Samuel-Gruppe kennen. Dabei handelte es sich um eine Initiative zur Berufungsfindung für junge Erwachsene, die in Italien durch die „Apostel des inneren Lebens“ ins Leben gerufen wurde. Im selben Jahr führten die Schwestern die Samuel-Gruppe in der Diözese Colorado Springs ein. Schwester Linda Gonzalez, FMA, schloss sich bald dem Team an, das das Programm leitete. Bereits im März 2019 blühte die Initiative auf; doch die Pandemie hatte alle Präsenztreffen abrupt unterbrochen.
Ein kreativer digitaler Ansatz für die Seelsorge
Die neue Situation ermutigte die Schwestern, sich online zu treffen und nach neuen Wegen zu suchen, junge Menschen bei ihrer Berufungsfindung zu begleiten. Schwester Sydney Moss FMA, Berufungspastoral-Verantwortliche der westlichen US-Provinz der Don-Bosco-Schwestern, erinnert sich: „Während der Pandemie mussten wir unsere Pastoral grundlegend neu ausrichten und andere Formen des Dienstes finden. Dass dabei die Idee zum Fiat Projekt entstand, war ganz eindeutig das Wirken des Heiligen Geistes.“ Aus der bisherigen Samuel Group entwickelte sich schließlich das heutige Fiat Project. Es wurde um eine abschließende dreimonatige salesianische Phase erweitert, die sich gezielt der Unterscheidung einer Ordensberufung widmet und dabei das Buch Discerning Religious Life von Schwester Clare Matthiass als Grundlage nutzt. Der Name Fiat Projekt soll die Teilnehmerinnen dazu ermutigen, wie Maria ihr eigenes „Ja“ zum Gottes Ruf zu sagen. „Dank dieses neuen Projekts konnten wir deutlich mehr junge Frauen erreichen als möglich gewesen wäre, wenn wir an unseren bisherigen Angeboten festgehalten hätten.“
Neue Gemeinschaften schaffen
Das Fiat Projekt ist ein Raum, in dem Gemeinschaft wachsen kann. Marylynn Alvarado, Teilnehmerin in den Jahren 2025/2026, beschreibt ihre Erfahrung so: „Es tut unglaublich gut zu wissen, dass es andere junge Frauen gibt, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Wir gehen diesen Weg gemeinsam. Ich durchlaufe den Prozess der Berufungsunterscheidung nicht allein, sondern als Teil einer Gemeinschaft. Es gibt eine göttliche Führung – ich gehe mit Christus, und ich bin nicht allein.“
Eine neue spirituelle Begleitung
Im Rahmen des Programms werden die Teilnehmerinnen gebeten, sich einmal im Monat mit einem spirituellen Leiter zu treffen, um die Informationen zu verarbeiten, die während der einzelnen Sitzungen vermittelt werden. Lucia Martinez, eine Teilnehmerin am Fiat-Projekt 2024–2025, bestätigt: „Das größte Highlight für mich war die Begleitung durch einen geistlichen Leiter, eine Ordensschwester. Von den Erfahrungen und der Weisheit der Ordensschwester zu hören und daraus zu lernen, hat mir sehr dabei geholfen zu verstehen, wie Gott in meinem Leben wirkt und wozu er mich beruft.“
Ablenkungen hinter sich lassen
Cecilia Garcia war hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Ehe und dem Leben in einer Ordensgemeinschaft. Sie nahm 2021/2022 am Fiat Projekt im sogenannten "Onlife-Format" teil: Sie war vor Ort in Kalifornien, während sie gleichzeitig online mit den anderen Teilnehmerinnen aus den gesamten USA und weiteren Ländern verbunden war. Sie berichtet: „Das Fiat Projekt hat mir einen Raum geschenkt, in dem ich trotz meines dichten Studienalltags zur Ruhe kommen konnte. Ich konnte die vielen Ablenkungen hinter mir lassen und versuchen, auf das zu hören, was Gott von mir möchte. Das Programm hat mir geholfen, regelmäßig Zeit für die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Berufungen, den Austausch darüber und die Betrachtung der Heiligen Schrift einzuplanen. Wir haben viel über Maria gesprochen – über das, wofür sie steht, und über die Gaben des Heiligen Geistes, die jede Berufung begleiten.“
Innere Wunden erkennen und heilen
Im Verlauf des Fiat Projekts gestalten die Schwestern über Zoom Impulse und Gespräche zu Themen wie Berufungsunterscheidung, Selbsterkenntnis, der Heilung innerer Wunden sowie zu verschiedenen Aspekten des Ordenslebens. Der Online-Teil des Fiat Projekts endet mit einem freiwilligen Exerzitienwochenende in Präsenz. Dieser vierte Erfahrungsraum, der die digitale Begleitung mit einer persönlichen Begegnung verbindet, bietet den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich für einige Tage aus dem Alltag zurückzuziehen und nach acht Monaten gemeinsamen Unterwegsseins im digitalen Raum auch persönlich als Gemeinschaft zusammenzukommen.
Wegweisende Einsichten
Courtney fand ihre Berufung, als sie am Fiat Projekt 2024/2025 teilnahm, das den Online-Kurs mit einem abschließenden Exerzitienwochenende in Präsenz verband. Sie erzählt, wie sehr die Vorträge und Impulse der Schwestern sie auf ihrem Weg der Berufungsfindung unterstützt haben. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Frage: „Wie ist dein Herz dazu geschaffen zu lieben? Hast du das Gefühl, dass dein Herz darauf ausgerichtet ist, ausschließlich einen einzigen Menschen zu lieben? Wenn ja, dann ist das der Weg, auf dem Gott dich zur Heiligkeit führen möchte.“ Nach der Teilnahme am Exerzitienwochenende beschloss Courtney, den nächsten Schritt zu gehen. Heute befindet sie sich in der ersten Ausbildungsphase bei den "Töchtern Mariä, Hilfe der Christen".
Eine Treue, die Zukunft schafft
Papst Leo XIV. schreibt in seinem Apostolischen Schreiben Eine Treue, die Zukunft schafft: „Jede Berufung in der Kirche entsteht aus der persönlichen Begegnung mit Christus, ‚die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt‘. Vor jeder Verpflichtung, vor jedem guten persönlichen Bestreben, vor jedem Dienst ist da die Stimme des Meisters, die ruft: ‚Kommt her, mir nach!‘ (Mk 1,17).
Seit nunmehr sechs Jahren sind die Schwestern mit dem Fiat Project als evangelisierende Präsenz in der digitalen Kultur tätig. Sie schaffen einen Onlife-Raum, in dem junge Frauen ihre Berufung in einem begleiteten Unterscheidungsprozess entdecken können. Die Begegnung zwischen den Schwestern und den Teilnehmerinnen am Fiat Project wird durch das Gebet all jener ermöglicht, die um heilige Berufungen zur Ehe und zum Ordensleben bitten, sowie durch die großzügige finanzielle Unterstützung vieler Förderer – vor allem des Our Sunday Visitor Institute (OSV) und der Scanlan Foundation.
#sistersproject
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