Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerks, in Würzburg Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerks, in Würzburg 

Austen: Bonifatiuswerk reagiert auf gesellschaftliche Umbrüche

Das Bonifatiuswerk der Deutschen Bischofskonferenz richtet seine Arbeit verstärkt auf die Begleitung von Menschen in gesellschaftlichen und individuellen Umbruchsituationen aus. Wie der Generalsekretär des Werkes, Georg Austen, gegenüber Radio Vatikan sagte, erfordert die Entwicklung der Mitgliederzahlen in Deutschland einen sensiblen Umgang mit den Ursachen von Kirchenaustritten und den Folgen für das soziale Umfeld der Betroffenen.

Austen wies bei dem Interview anlässlich des Katholischentags in Würzburg darauf hin, dass hinter den statistischen Daten konkrete Schicksale stehen. „Uns ist im Bonifatiuswerk wichtig, dass wir sagen, wir nehmen nicht nur die Zahl, sondern wir sehen, dass dahinter Lebensgeschichten stehen, das mit Respekt und in aller Sensibilität auch aufzunehmen“, erklärte der Generalsekretär. Viele Menschen, die der Institution den Rücken kehren, seien nicht grundsätzlich ungläubig geworden. Es gelte daher, den Kontakt aufrechtzuerhalten und Gesprächsangebote an wichtigen Lebensknotenpunkten wie Taufen, Beerdigungen oder in Zeiten der Trauer zu machen.

Zum Nachhören - was Monsignore Georg Austen vom Bonifatiuswerk sagt

Christen in der Minderheit

In Deutschland sei inzwischen flächendeckend eine Situation entstanden, in der Christen in der Minderheit seien. In den ostdeutschen Bundesländern gehörten im Durchschnitt fast 80 Prozent der Bevölkerung keiner christlichen Kirche mehr an. Gleichzeitig gebe es jedoch auch ein geändertes Interesse von Ungetauften am Glauben.

Neben der Situation in Mitteleuropa blickt das Hilfswerk auf die nordeuropäischen Nachbarländer. „Wir haben in Nordeuropa eine wachsende junge katholische Kirche mit sehr großer Internationalität, materiell oft arm - und in Deutschland sehen wir andere Umbrüche“, führte Austen aus. In diesem Kontext gehe es darum, Hilfen zur Vermittlung von Glaubensinhalten bereitzustellen, Lernprozesse zwischen den Ländern anzustoßen und Räume für Gemeinschaftserfahrungen zu schaffen.

Potenzial in Gesellschaft und Seelsorge 

Trotz der strukturellen Veränderungen in den Diözesen und der Aufarbeitung von Problemen innerhalb der Kirche sieht das Hilfswerk Potenzial im zivilgesellschaftlichen und seelsorgerischen Engagement. Austen betonte die Ausrichtung auf gesellschaftliche Grundwerte und den interreligiösen sowie zwischenmenschlichen Austausch. „Und das Dritte, was ich wichtig finde: wie können wir auch in all den Umbrüchen, die wir haben, im Sinn unserer Päpste für Menschenwürde, für Bewahrung der Schöpfung, für das, was christliches Menschenbild auch ausmacht einstehen - und das eben mit den Menschen guten Willens“, sagte der Generalsekretär. Rückmeldungen aus der Praxis zeigten, dass bei vielen Engagierten der Wunsch bestehe, die Zukunft der Kirche und das gesellschaftliche Miteinander aktiv mitzugestalten.

(vatican news - mg)

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11. August 2026, 11:48