Schweiz: Bischof De Raemy fordert christlichen Mut am Bundesfeiertag
Mario Galgano - Vatikanstadt
Zu Beginn der Feier würdigte der Bischof das Fundament des Landes: die demokratischen Institutionen, das familiäre Miteinander und das gelebte Brauchtum. Doch De Raemy beließ es nicht bei Festtagsrhetorik. Das eidgenössische Gebiet sei bereits vor der Entstehung des Staatenbundes von christlichen Impulsen geprägt gewesen. Auch in der Gegenwart brauche die Schweiz Gläubige, die Verantwortung übernehmen und unbequem als Propheten wirken, um das Land positiv mitzugestalten – selbst wenn sie dabei auf Unverständnis stoßen.
Einige Gläubige unterstrichen ihren Einsatz symbolisch: Sie legten den steilen Aufstieg von Motto Bartola bis zur Passhöhe bereits am frühen Morgen zu Fuß zurück. Die Messe, die im Ambrosianischen Ritus gefeiert und im Fernsehen übertragen wurde, stand im Zeichen des Gebets für die Heimat und den Frieden.
Neben dem Apostolischen Administrator der Diözese Lugano, Bischof Alain de Raemy, nahmen auch die Bischöfe Jean-Marie Lovey (Sitten) und Joseph Maria Bonnemain (Chur) sowie die emeritierten Bischöfe Pierre Farine und Pier Giacomo Grampa an der Konzelebration teil. Viele Teilnehmende reisten mit Sonderzügen aus dem Tessin an, eine Pilgergruppe legte den Aufstieg zur Passhöhe am frühen Morgen zu Fuß zurück.
Von den Anfängen des Christentums bis in die Gegenwart
In seiner Predigt schlug Bischof De Raemy den Bogen von den historischen Anfängen des Christentums auf eidgenössischem Boden bis in die Gegenwart. Bereits Jahrhunderte vor der Gründung der Schweiz seien Orte wie Sitten, Chur oder Saint-Maurice Zentren des Glaubens gewesen. Auch in der heutigen Gesellschaft müssten Christinnen und Christen wie die Heiligen Verena, Mauritius oder Bruder Klaus Verantwortung übernehmen und den Glauben konsequent vorleben.
Der Bischof rief dazu auf, das Leben in allen Phasen zu schützen – von den Ungeborenen über Kranke und Alte bis hin zu Armen, Fremden und Andersdenkenden. Dies erfordere oft den Mut, gegen den Strom zu schwimmen und Unverständnis in Kauf zu nehmen. Das Evangelium dürfe die Gläubigen nicht in Bequemlichkeit wiegen, sondern müsse eine heilsame Unruhe stiften, um der Menschenwürde und der Nächstenliebe in der Schweiz Geltung zu verschaffen.
Der Glaube als Trainer
Ausgehend von den Erfolgen der Schweizer Nationalmannschaft beschrieb De Raemy die Heimat als Team, das sich im internationalen Austausch behaupten müsse. Die Schweiz erfülle als Depositarstaat der Genfer Konventionen und Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz beste Voraussetzungen, um auf weltweiter Ebene Verantwortung zu übernehmen. Ein faires Spiel sei jedoch nur durch die Einhaltung gemeinsamer Regeln möglich, die Respekt vor dem Gegenüber und gegenseitiges Lernen fördern.
Kritisch äußerte sich der Geistliche zu Ausgrenzungen innerhalb der Gesellschaft. Anders als im Stadion dürfe es in einem demokratischen Staat keinen abgetrennten Gästesektor für Fremde geben. Ein gesunder Patriotismus zeichne sich durch Offenheit und ehrliche Selbstkritik aus, nicht durch die Diskriminierung anderer. Mit Blick auf die politischen Strukturen des Landes sieht De Raemy das Volk als wirklichen Souverän und bezeichnet den christlichen Glauben als verlässlichen Orientierungspunkt für die Herausforderungen der Gegenwart.
(rsi/catt.ch)
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