Leo XIV. unterwegs in seinem Bistum
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Zum Auftakt der diesjährigen Fastenzeit hat Papst Leo die Tradition der Pfarreibesuche im Bistum Rom wiederaufgenommen. Nach dem oft mit Drogen und Mafia in Verbindung gebrachten Problemviertel Ostia ging es am ersten Fastensonntag in einen Stadtteil, der ebenfalls mit vielfältigen sozialen Problemen zu kämpfen hat – das Viertel rund um Roms Hauptbahnhof Termini. Der Bau der dortigen Kirche „Sacro Cuore di Gesù“ war von dem Pontifex gefördert worden, der Papst Leo zu seiner Namenswahl inspiriert hat und als Wegbereiter der katholischen Soziallehre in die Geschichte eingegangen ist: Leo XIII.
Auch hier wollte Leo XIV. mit seinem Besuch ein Schlaglicht werfen auf die Widersprüche unserer Zeit, in der Wohlstand und soziale Not oft direkt nebeneinander existieren.
Die sich schenkende Liebe, die uns alle zu Brüdern und Schwestern macht
In seiner Predigt in der Basilica minor „Sacro Cuore di Gesù“ beschrieb das Kirchenoberhaupt die Fastenzeit als eine Gelegenheit, die Taufe als Geschenk der Freiheit zu erkennen. Sie befähige uns, in Liebe zu Gott und zum Nächsten zu leben und unser „Ja“ zu Gott zu sagen.
„Die Taufe ist eine Gnade, die das ganze Leben begleitet und unsere Nachfolge Christi trägt“, stellte der Papst fest. „Sie ruft dazu auf, die Freundschaft mit Jesus zu leben und so in seine Gemeinschaft mit dem Vater einzutreten. Diese gnadenreiche Beziehung befähigt uns, auch eine echte Nähe zu den anderen zu leben – eine Freiheit, die sich, anders als es der Teufel Jesus vorschlägt, nicht im Streben nach Macht ausdrückt, sondern in einer sich schenkenden Liebe, die uns alle zu Brüdern und Schwestern macht.“
„Sacro Cuore di Gesù“: Eine Pfarrgemeinde, der sich als Ort der Fürsorge versteht
Die Pfarrgemeinde „Sacro Cuore di Gesù“ war am am 2. Februar 1879 auf Anregung Don Boscos gegründet worden. In seiner Predigt erinnerte Papst Leo daran, dass der heilige Johannes Bosco die Kirche im Auftrag seines Vorgängers Leo XIII. neben dem Bahnhof Termini bauen ließ. Er hatte erkannt, dass die Kirche gerade dort als Ort der Fürsorge, Solidarität und Hoffnung für alle Menschen präsent sein musste, besonders für die Schwächsten.
„Hier gibt es nämlich viele Studenten und Pendler, die aus beruflichen Gründen kommen und gehen, Migranten auf der Suche nach Arbeit, junge Flüchtlinge, die im Haus gleich nebenan durch die Salesianer die Möglichkeit haben, italienische Gleichaltrige zu treffen und Integrationsprojekte umzusetzen,“ würdigte Papst Leo die Arbeit des von Don Bosco gegründeten Salesianerordens. „Und dann sind da auch noch unsere Brüder und Schwestern, die kein Zuhause haben und in den Häusern der Caritas in der Via Marsala Aufnahme finden. Auf wenigen Metern lassen sich dort die Widersprüche unserer Zeit mit Händen greifen: die Unbeschwertheit derer, die gehen und kommen und dabei jeden Komfort genießen – und jene, die kein Dach über dem Kopf haben; das große Potenzial für Gutes und die allgegenwärtige Gewalt; der Wunsch, ehrlich zu arbeiten, und der illegale Handel mit Drogen und Prostitution.“
Sauerteig des Evangeliums sein
Abschließend rief der Papst die Pfarrei dazu auf, „Sauerteig des Evangeliums auf diesem Territorium zu sein und ein Zeichen der Nähe und der Nächstenliebe zu setzen.“ Den Salesianern dankte er „für die unermüdliche Arbeit, die sie jeden Tag leisten“, und ermutige alle, „hier auch weiter eine kleine Flamme des Lichts und der Hoffnung zu sein.“
Hintergrund
Die Kirche „Sacro Cuore di Gesù“ wurde 1887 fertiggestellt und den Salesianern anvertraut. Am 11. Februar 1921 wurde sie von Papst Benedikt XV. zur Basilica minor erhoben. In der Pfarrei, die mit vielen sozialen Problemen zu kämpfen hat, sind bis heute nicht nur die Don-Bosco-Schwestern und die Klarissen von der Ewigen Anbetung tätig. Zu den vielen positiven Kräften, die hier wirken, zählen auch das Beratungszentrum, das Menschen psychologische Unterstützung in schwierigen Lebenslagen bietet, und eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die freitagabends Lebensmittel und Getränke an Obdachlose verteilt.
(vaticannews - skr)
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