Jesus vor seiner Festnahme am Ölberg Jesus vor seiner Festnahme am Ölberg 

Radio-Akademie: Kar- und Ostergedanken von Papst Leo

Es sind seine bisher persönlichsten, geistlichsten Texte: Schon kurz nach seiner Wahl im Mai letzten Jahres hat Leo XIV. damit begonnen, sich eingehend mit dem Leiden und der Auferweckung Jesu zu beschäftigen.

Diese Betrachtungen stellen wir im Monat März in unserer Radio-Akademie vor. Sie sind bislang noch nicht im deutschsprachigen Raum gesammelt publiziert worden; dabei bieten sie einen bewegenden Einblick in das Denken und Beten des neuen Papstes.

In unserer zweiten Folge, die am kommenden Sonntag ausgestrahlt wird, geht es um das Leiden Jesu. Wobei Leo XIV. zunächst die Festnahme des Herrn Revue passieren lässt: Hier steht uns, vor allem in der Version des Johannesevangeliums, kein erschrockener Jesus vor Augen, der zu fliehen versucht. Sondern ein Mann, der sich seiner Stunde stellt und genau weiß, was mit ihm passieren wird.

  (@Vatican Media)

„Jesus wird nicht ergriffen: Er lässt sich ergreifen“

„Jesus weiß es“, sinniert der Papst. „Dennoch beschließt er, nicht zurückzuweichen. Er liefert sich aus. Nicht aus Schwäche, sondern aus Liebe. Einer Liebe, die so vollkommen und so reif ist, dass sie die Zurückweisung nicht fürchtet. Jesus wird nicht ergriffen: Er lässt sich ergreifen. Er ist nicht Opfer einer Verhaftung, sondern Geber eines Geschenks. In dieser Geste ist eine Hoffnung des Heils für unsere Menschheit verkörpert: zu wissen, dass man auch in der dunkelsten Stunde die Freiheit besitzen kann, bis zur Vollendung zu lieben.“

Eine hintergründig komponierte Szene

Als Jesus seinen Häschern antwortet: „Ich bin es!“, stürzen sie zu Boden. Eine von Johannes hintergründig komponierte Szene, wie Leo XIV. erläutert. Dieses „Ich bin“ Jesu erinnert an den Gottesnamen im Alten Testament: „Ich bin, der ich bin“. Jesus offenbart damit, dass sich die Gegenwart Gottes gerade dort zeigt, wo Unrecht, Angst, Einsamkeit sind. Gerade dort will das wahre Licht scheinen.

„Mitten in der Nacht, als alles zusammenzubrechen scheint, zeigt Jesus, dass die christliche Hoffnung nicht Flucht, sondern Entscheidung ist. Diese Haltung ist Frucht eines tiefen Gebets, in dem man Gott nicht darum bittet, dass einem das Leiden erspart bleiben möge, sondern um die Kraft, in der Liebe auszuharren, im Bewusstsein, dass niemand uns das Leben nehmen kann, das aus Liebe freiwillig hingegeben wurde.“

Leo XIV. zu Besuch in einem Seniorenheim
Leo XIV. zu Besuch in einem Seniorenheim   (ANSA)
Papst Leo: Betrachtungen zu Tod und Auferstehung Jesu - Radio-Akademie von Radio Vatikan (Auszug)

„Die wahre Hoffnung besteht nicht darin, den Schmerz zu vermeiden“

Er lässt sich gefangen nehmen – und sorgt dafür, dass seine Jünger unbehelligt von dannen gehen können. „Jesus hat“, wie Papst Leo betont, „jeden Tag seines Lebens als Vorbereitung auf diese dramatische und erhabene Stunde gelebt“. Darum hat er jetzt, wo ihm die Stunde schlägt, die Kraft, nicht nach einem Fluchtweg zu suchen. Was nicht heißt, dass der Herr das ihm Drohende ganz emotionslos in Kauf genommen hätte.

„Auch Jesus empfindet Beunruhigung angesichts eines Weges, der nur zum Tod und zum Ende führen kann. Aber er ist ebenso überzeugt, dass man nur ein aus Liebe verlorenes Leben am Ende wiederfindet. Darin besteht die wahre Hoffnung: nicht darin, den Schmerz zu vermeiden, sondern daran zu glauben, dass sich auch inmitten der ungerechtesten Leiden der Keim eines neuen Lebens verbirgt.“

Und wir?, so fragt der Papst weiter – eine Wendung ins Konkrete, die geistlich an seinen Vorgänger Franziskus erinnert. „Wie oft verteidigen wir unser Leben, unsere Pläne, unsere Sicherheiten, ohne zu merken, dass wir dadurch allein bleiben. Die Logik des Evangeliums ist eine andere: Nur was man hinschenkt, gedeiht. Nur die Liebe, die unentgeltlich wird, kann auch dort, wo alles verloren scheint, wieder Vertrauen zurückbringen.“

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(vatican news)

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06. März 2026, 10:19