Johannes Paul II. über den Karfreitag
Wie andere Päpste – man denke nur an Benedikt XVI. und seine Jesusbücher – dachte auch Johannes Paul immer wieder intensiv über das Leiden und Sterben Jesu nach. „War das nötig?“, fragte er rundheraus: „“Gab es keinen schmerzloseren Weg zu unserer Erlösung?“ Die Heilige Schrift stelle den Tod Jesu als Ergebnis menschlicher „Verblendung“ und „Lüge“ dar. „Unter diesem Gesichtspunkt hat Jesus den blutigen Ausgang seines irdischen Lebens nicht gewollt und nicht gesucht.“
„Wir müssen zugeben, dass dieser Wille Gottes für uns ein Geheimnis bleibt…“
Allerdings spreche Jesus andererseits in den Evangelien immer wieder davon, dass es zum Kreuz kommen „musste“. Dieses „musste“ zielte nach dem Eindruck des polnischen Papstes auf „den ewigen Erlösungsplan Gottes“, das den „Weg über das Leiden“ genommen habe. „Wir müssen zugeben, dass dieser Wille Gottes für uns ein Geheimnis bleibt, das auch die besten Theologen bisher nicht völlig erhellen konnten.“
Er versuchte es nochmal andersherum: „Worin besteht eigentlich der hohe Wert des Leidens und Sterbens Christi? Warum hat er uns gerade dadurch erlöst?“ Die Antwort auf diese Frage verweise „zuallererst auf den Leidenden selbst“ – es sei „nicht irgendein Mensch, sondern ein Gott, der leidet“, das gebe diesem Kreuzestod „unendlichen Wert“.
„Gott hat kein Gefallen am menschlichen Leid“
„Nun kann aber Gott am menschlichen Leid als solchem kein Wohlgefallen haben“, überlegte Johannes Paul weiter. „In der Tat. Das Leiden und Sterben Christi wird in seinen Augen nur dadurch wertvoll, dass Christus durch die bereitwillige Annahme des Kreuzes seinen vorbehaltlosen Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater bezeugt und so seine Liebe zu ihm und zu den Menschen auf vollkommenste Weise verwirklicht.“
Wer ist schuld an Jesu Tod? „Letztlich wir alle“
Auch einer anderen heiklen Frage wich der hl. Johannes Paul nicht aus: Wer genau ist eigentlich schuld am Tod Jesu? Seine Antwort: „Unmittelbar schuldig sind die im Evangelium genannten Personen, die ihn ausgeliefert und verurteilt haben. Es gibt, wie das Zweite Vatikanische Konzil erneut betont hat, keine Kollektivschuld des ganzen jüdischen Volkes am Tod Jesu.“
Hochinteressant ist, wie insistent Johannes Paul nach dem Selbstbewusstsein Jesu fragte. Das Leiden und Sterben des Herrn „diente unserer Erlösung“, so der Papst, aber „wir dürfen fragen: War sich Jesus dieser Sinngebung seines Lebens bewusst?“ Er stellte fest, dass die Evangelien „nicht viel über eine Entwicklung oder verschiedene Stufen eines solchen Bewusstseins“ sagen. „Aber über die Tatsache selbst, dass Christus seinen Kreuzweg ganz bewusst ‚für uns‘ gegangen ist, kann kein Zweifel bestehen.“
Johannes Paul II. führte dazu eine ganze Reihe von Belegen aus der Heiligen Schrift an, etwa dass Jesus, obwohl von Sünde frei, von Johannes dem Täufer die „Busstaufe“ empfangen habe. „Dass die messianische Sendung Christi nur durch sein Lebensopfer zu ihrem gottgewollten Erfolg führen werde, kann man auch daraus erkennen, dass er von sich aus keine Hoffnung auf einen bereits innerweltlichen Erfolgseines Wirkens aufkommen lässt.“
(vatican news – sk)
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