Papst an Erzbischöfin Mullally: Gemeinsam auf Frieden hinwirken

Papst Leo wünscht sich einen starken, gemeinsamen Friedenseinsatz von Christen in der Welt. Dafür müssten sie ihre Spaltungen überwinden, sagte er am Montag vor der neuen Erzbischöfin von Canterbury, die er im Vatikan empfing.

Es war die erste Begegnung zwischen Sarah Mullally, Primas der anglikanischen Staatskirche von England, und Papst Leo im Vatikan. „Friede sei mit Ihnen!“, hieß Leo die Delegation im Vatikan willkommen.

In seiner auf Englisch gehaltenen Rede verwies der Papst auf Fortschritte wie Herausforderungen in der Ökumene und ermutigte zum Einsatz für Einheit. Die Erzbischöfe von Canterbury und die Bischöfe von Rom träfen sich regelmäßig zum gemeinsamen Gebet, erinnerte er  - „und ich bin froh, dass wir diese Tradition heute fortsetzen“, betonte der Papst.

Nach einem Vier-Augen-Gespräch der Erzbischöfin von Canterbury mit dem Papst war nämlich für diesen Montag ein gemeinsames Gebet der beiden Kirchenoberhäupter in der Kapelle von Papst Urban VIII. im Apostolischen Palast vorgesehen.

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Friedensauftrag der Christen

Vor Mullally erinnerte Leo XIV. an den Friedensauftrag der Christen in der Welt, der heute umso dringlicher sei. „Prophetisch und demütig“ müssten sie gemeinsam darauf hinwirken und Differenzen überwinden, betonte er.

„Während unsere leidende Welt den Frieden Christi dringend benötigt, schwächen die Spaltungen unter den Christen unsere Fähigkeit, diesen Frieden wirksam zu verkünden. Damit die Welt unsere Predigt verinnerlicht, müssen wir daher beständig beten und uns unermüdlich dafür einsetzen, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die die Verkündigung des Evangeliums behindern.“

Mullally war am 25. März 2026 offiziell als Primas der anglikanischen Staatskirche von England eingeführt worden; sie ist die erste Frau in diesem Amt. Papst Leo ließ zur Amtseinführung über seinen Gesandten Kurt Koch Grüße ausrichten, der mit der neuen Erzbischöfin in der Kathedrale von Canterbury betete – genau 60 Jahre nach dem historischen Treffen von Papst Paul VI. und dem damaligen Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey, in Rom.

Komplexer ökumenische Weg

Neben Frieden benannte der Papst vor Erzbischöfin Mullally Einheit als eine seiner Prioritäten - das sei ihm bereits als Bischof wichtig gewesen.

„Diese Betonung der Notwendigkeit der Einheit für eine fruchtbarere Evangelisierung war ein Leitmotiv meines gesamten Wirkens; sie spiegelt sich auch in dem Motto wider, das ich bei meiner Bischofsweihe wählte: In Illo uno unum, ,In dem Einen – Christus – sind wir eins‘ (Augustinus, Enarr. in Ps. 127,3).“

Papst Leo begrüßte Ergebnisse im theologischen Dialog zwischen der katholischen und anglikanischen Kirche der letzten Jahrzehnte. Er verwies auf die Gemeinsame Erklärung von Papst Paul VI. und Erzbischof Michael Ramsey vom März 1966, mit der dieser Dialog eingeleitet worden war. Seitdem sei ein „komplexer“ ökumenischer Weg zurückgelegt worden, so Leo XIV. und bei „einigen historisch spaltenden Fragen“ seien „große Fortschritte“ erzielt worden.

Neue Probleme, die Einheit erschweren

Es seien aber auch „neue Probleme“ aufgetreten, fuhr der Papst fort, „die den Weg zur vollen Kirchengemeinschaft erschweren. Ich weiß, dass auch die Anglikanische Gemeinschaft derzeit mit vielen dieser Fragen konfrontiert ist“, fügte er an. Diese Entwicklungen dürften das gemeinsame Zeugnis nicht schwächen, betonte Leo XIV., Christen sollten „jede Gelegenheit nutzen, Christus gemeinsam in der Welt zu verkünden“.

„Wie mein geliebter Vorgänger, Papst Franziskus, 2024 zu den Primassen der Anglikanischen Gemeinschaft sagte: ,Es wäre ein Skandal, wenn wir aufgrund unserer Spaltungen unserer gemeinsamen Berufung, Christus bekannt zu machen, nicht nachkämen‘ (Ansprache an die Primasse der Anglikanischen Gemeinschaft, 2. Mai 2024). Ich möchte hinzufügen, dass es ebenfalls ein Skandal wäre, wenn wir nicht weiterhin daran arbeiteten, unsere Differenzen zu überwinden, so unüberbrückbar sie auch erscheinen mögen.“

Positiv hob der Papst die Arbeit des Anglikanischen Zentrums in Rom hervor, das vor 60 Jahren gegründet wurde. Er begrüßte den Direktor des Zentrums, Bischof Anthony Ball, der von Mullally als Vertreter beim Heiligen Stuhl eingesetzt wird. Der Dialog zwischen Anglikanern und Katholiken wird unter anderem durch die Arbeit der Internationalen Anglikanisch-Katholischen Kommission (ARCIC) und der Internationalen anglikanisch-römisch-katholischen Kommission für Einheit und Mission (IARCCUM) gepflegt. 

Grußwort der Erzbischöfin

Die Erzbischöfin von Canterbury bezeichnete es in ihrem Grußwort als eine „Freude und Ehre“, vom Papst empfangen zu werden. Sarah Mullally verwies auf Früchte im ökumenischen Dialog und bekräftigte den gemeinsamen Friedensauftrag der Christen heute - es gelte „immer Brücken“ zu bauen, „niemals Mauern“.

„In unserer heutigen Welt sind wir aufgerufen, das Evangelium mit neuer Klarheit zu leben und zu verkünden. Angesichts unmenschlicher Gewalt, tiefer Spaltung und rasanter gesellschaftlicher Veränderungen müssen wir weiterhin eine hoffnungsvolle Botschaft erzählen: dass jedes menschliche Leben unendlich wertvoll ist, weil wir kostbare Kinder Gottes sind.“

Als „voller Leben und Freude“ bezeichnete Mullally die jüngste Papstreise durch Afrika. Auch sie werde bald nach Ghana und Kamerun reisen, kündigte sie an. Sie wolle „eine Hirtin sein, die die Kirche liebt und für sie sorgt“, so die Erzbischöfin weiter. Geprägt sei ihr Dienst bis heute von ihrer vorherigen Arbeitserfahrung als Krankenschwester. „Gott ruft mich immer wieder dazu, anderen in ihrem Leid und ihrer Trauer, aber auch in ihrer Heilung und Freude beizustehen.“

In Punkto Ökumene regte Mullally zu „einer tieferen Praxis der Gastfreundschaft“ an, „nicht nur als Willkommensgruß, sondern als eine Form des Dienstes“, wie sie formulierte: „Schon jetzt empfangen wir voneinander Gaben, die wir allein nicht hervorbringen können: Tiefe im Gebet, Mut im Zeugnis, Ausdauer im Leiden und Treue im Dienst. Dadurch wird unser gemeinsames Zeugnis gestärkt“, zeigte sich die Erzbischöfin überzeugt.

Dankbar zeigte sich Mullally für die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Papst beten zu können, und sie kündigte an, dass sie auch in Zukunft mit dem Papst im Gebet verbunden bleiben wird - für Frieden, Gerechtigkeit und ein Leben in Fülle für jeden Menschen. Mullally hält sich seit Samstag in Rom auf. Zur Delegation der Erzbischöfin gehört auch der römisch-katholische Erzbischof von Westminster, Charles Phillip Richard Moth.

Herausforderungen

Die anglikanische Kirche steht derzeit vor mehreren Herausforderungen. Neben sinkenden Mitgliederzahlen und Finanzierungsproblemen sorgt unter anderem die Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Ordination homosexueller Geistlicher für Spannungen in der anglikanischen Weltgemeinschaft.

(vatican news – pr)

 

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27. April 2026, 13:53