Papst in Bergbaustadt in Angola: Aufruf gegen Ausbeutung

„Wenn Ungerechtigkeit die Herzen verdirbt, wird das Brot aller zum Besitz einiger weniger“: Papst Leo hat in der afrikanischen Bergbaustadt Saurimo die Stimme gegen Unterdrückung, Gewalt und Ausbeutung erhoben. „Wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu sterben“ oder „Sklaven zu werden“, betonte er bei einer Messe.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Saurimo ist die Hauptstadt der Bergbauprovinz Lunda Sul im Nordosten Angolas, einem Zentrum der Diamantenindustrie. Bereits bei der Anfahrt des Papstes im halboffenen Papamobil schäumte die Stimmung über, Menschenmengen am Straßenrand schrien laut vor Begeisterung, als Leo vorbeifuhr, Kinder rannten lange hinter dem Auto her, Ordner und Militärs mit Maschinengewehren hielten die staubige Straße frei.

Anfahrt des Papstes
Anfahrt des Papstes   (ANSA)
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Appell gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung

In Saurimo hieß ein Chor den Papst mit Gesängen aus voller Kehle willkommen. Rund 60.000 Gläubige feierten laut den lokalen Behörden bei der Freiluftmesse auf der Esplanade und den anliegenden Feldern mit. In seiner Predigt wandte sich der Papst mit stellenweise deutlichen Worten an die Lokalbevölkerung, von der ein großer Teil in der Bergbauindustrie arbeitet.

„Wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu sterben. Wir sind nicht geboren, um Sklaven zu werden, weder der Verderbnis des Fleisches noch der der Seele“, schärfte er den Menschen ein. Wie schon in seiner Rede an Angolas Politik vom Samstag kritisierte Leo XIV. deutlich Gewalt und Ausbeutung.

„Wenn Ungerechtigkeit die Herzen verdirbt, wird das Brot aller zum Besitz einiger weniger.“

„Wir sehen heute (…), dass viele Sehnsüchte der Menschen von Gewalttätern zunichtegemacht, von denjenigen, die die ihre Macht missbrauchen, ausgenutzt und vom Reichtum getäuscht werden. Wenn Ungerechtigkeit die Herzen verdirbt, wird das Brot aller zum Besitz einiger weniger“, kritisierte Leo XIV. Und er verdeutlichte, dass ein solches Verhalten dem Evangelium widerspricht. „Jede Form von Unterdrückung, Gewalt, Ausbeutung und Lüge leugnet die Auferstehung Christi, jenes höchste Geschenk unserer Freiheit.“

Bei der Messe
Bei der Messe   (@Vatican Media)
Blick auf den Altar
Blick auf den Altar   (@Vatican Media)

Evangelium als Lebensregel und Maßstab

Der Glaube an Gott richte auf, tröste „in jedem Leid“ und ermutige, betonte der Papst weiter, Gott verwandele auch die Sünde in Vergebung. Leo XIV. rief die Menschen dazu auf, Jesus im Alltag nachzuahmen und seinem Beispiel zu folgen, als „Lebensregel und Maßstab der Wahrheit“.

„Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt. (Joh 6,27).“

Der Papst warnte zugleich vor „falschen“ Glaubensmotiven. Gott dürfe nicht zum „Götzen“ gemacht werden, er sei kein „Guru“, oder „Glücksbringer“, stellte Leo XIV. klar. Es gelte zu unterscheiden, ob Gott „aus Dankbarkeit oder Eigennutz, Berechnung oder Liebe“ gesucht werde. Der Papst griff in seiner Predigt die Rede Jesu nach der Brotvermehrung am See von Galiläa auf (vgl. Joh 6,26-27), um dies zu verdeutlichen. Jesus hatte die Menschen zum Nachdenken darüber aufgefordert, warum sie ihm folgten – für das irdische Brot, eine „Speise, die verdirbt“, oder „die Speise, die für das ewige Leben bleibt“. Es sei „ein abergläubiges Geschäft“, wenn Gott nur gesucht werde, wenn man ihn gerade brauche, hielt der Papst dazu fest.

„Die Erzählung im Evangelium macht uns also deutlich, dass es falsche Motive gibt, Christus zu suchen, vor allem wenn er als Guru oder Glücksbringer betrachtet wird. Auch das Ziel, das sich diese Menschenmenge setzt, ist unangemessen: Sie suchen nämlich keinen Meister, den sie lieben wollen, sondern einen Anführer, den sie aus Eigennutz verehren.“

Suche nach dem „Brot des Lebens“

Jesu Botschaft sichte sich nicht gegen die Suche nach Lebensunterhalt, dem täglichen Brot. In der Perspektive des Glaubens gehe es allerdings darum, „das Brot des Lebens“ zu suchen, eine „Nahrung, die uns für immer am Leben erhält“, formulierte Leo XIV. Jesus lade uns zur Umkehr ein, „er ruft uns zur Freiheit“, denn er wolle „keine Diener oder Kunden“, sondern „Brüder und Schwestern, denen er sich mit ganzem Herzen widmen kann“.

Jubel bei Ankunft des Papstes
Jubel bei Ankunft des Papstes   (@Vatican Media)

Positiv hob der Papst in seiner Predigt „die Lebendigkeit der Berufungen“ in Angola hervor, die zum Wachstum der Kirche in dem Land beitrage. Für den Weg der Ortskirche rief er zu Synodalität auf und er verwies auf das Apostolische Schreiben „Ecclesia in Africa“ von Papst Johannes Paul II.

„Lasst uns in dieser weisen Richtung weitergehen! Mit dem Evangelium im Herzen werdet ihr Mut haben angesichts von Schwierigkeiten und Enttäuschungen: Der Weg, den Gott uns eröffnet hat, verliert sich nicht im Nichts. Der Herr geht nämlich immer in unserem Tempo mit, damit wir auf seinem Weg weitergehen können: Christus selbst gibt dem Weg Orientierung und Kraft, diesem Weg, den wir immer mehr so leben lernen wollen, wie er sein soll, nämlich synodal.“

Der Gottesdienst wurde in Portugiesisch, der Amtssprache Angolas, und teils Lokalsprachen wie Chokwe gefeiert. Chokwe wird im Osten Angolas und teils auch im Kongo und in Sambia gesprochen. Der Papst predigte und betete in Saurimo auf Portugiesisch.

Bedeutende Bergbauregion in Angola

Angola ist einer der drei größten Diamantenlieferanten unter den Ländern Afrikas. Im Bürgerkrieg von 1975 bis 2002 war der Zugang zu Diamanten und Öl entscheidend für die Finanzierung der jeweiligen Bürgerkriegsarmeen. Bei mehreren früheren Stationen seiner Afrikareise hat der Papst die Ausbeutung der Rohstoffe des afrikanischen Kontinents durch fremde Mächte und die Verwendung der Profite für Kriege scharf kritisiert.

In Saurimo entsteht aktuell ein neues Entwicklungszentrum, das unterschiedliche Bereiche der Diamantenindustrie zusammenbringen soll. Angola will durch die industrielle Verarbeitung der Diamanten im eigenen Land größere Teil der Wertschöpfungskette an den kostbaren Edelsteinen für sich abzweigen.

Nach dem Besuch in Saurimo trifft der Papst am Abend die katholischen Bischöfe des Landes in der angolanischen Hauptstadt Luanda. Am Dienstag fliegt er weiter nach Äquatorialguinea, der vierten und letzten Station seiner elftägigen Afrikareise.

(vatican news – pr)

 

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20. April 2026, 13:44