Abendmahlsmesse im Lateran: Aufruf zu Demut und Nächstenliebe
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Im Vatikan war es lange Brauch, dass der jeweilige Papst nur Priestern die Füße wäscht. Leos Vorgänger Papst Franziskus hatte mit dieser Tradition gebrochen und auch Laien die Füße gewaschen, oft Häftlingen, Kranken und Behinderten. Seit 2016 sind auch Frauen und Mädchen zu der symbolischen Handlung am Gründonnerstag zugelassen. Mit dem nun wieder an 12 Priestern vorgenommenen Ritus ist Papst Leo zu der vor 2013 von den Päpsten gepflegten Tradition zurückgekehrt.
Das Gedächtnis von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu
Die Abendmesse des Gründonnerstags wird zum Gedächtnis an das Letzte Abendmahl Jesu gefeiert. Die Lesungen aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther und aus dem Johannesevangelium berichten von diesem Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern vor seinem Leiden und Sterben gehalten hat.
Mit dem Gründonnerstag beginnt das sogenannte österliche Triduum, also das Gedächtnis von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu.
Die Predigt des Papstes
In seiner Predigt erinnerte das Kirchenoberhaupt an die tiefe Bedeutung des Abendmahls und Jesu Beispiel der Liebe und Demut.
„Die feierliche Liturgie dieses Abends lässt uns eintreten in die Heiligen Drei Tage des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn. … als Geladene zum Abendmahl, bei dem Brot und Wein für uns zum Sakrament des Heils werden,“ begann der Papst seine Predigt. „Christi Liebe wird zur Geste und zur Speise für alle und offenbart die Gerechtigkeit Gottes. In der Welt, gerade dort, wo das Böse wütet, liebt Jesus endgültig, für immer, mit seiner ganzen Person.“
Die außergewöhnliche Geste der Fußwaschung
In der feierlichen Liturgie des Gründonnerstags gedenken Christen weltweit aber nicht nur des Letzten Abendmahls Jesu, sondern auch seiner außergewöhnlichen Geste der Fußwaschung. Eine Handlung, die die Gläubigen auffordert, in die Fußstapfen Jesu zu treten und sich wie er „zum Diener zu machen“.
Wir seien nämlich oft versucht, einen Gott zu suchen, der „uns dient, uns zum Sieg verhilft, der nützlich ist wie Geld und Macht“.
Mit seiner Geste reinige „Jesus auch unser Bild vom Menschen, der sich mächtig wähnt, wenn er herrscht, der siegen will, indem er Seinesgleichen tötet, der sich für groß hält, wenn er gefürchtet wird.“
Jesu Beispiel der Hingabe, des Dienens und der Liebe
Als wahrer Gott und wahrer Mensch gebe uns Christus stattdessen ein Beispiel der Hingabe, des Dienens und der Liebe: „Wir brauchen sein Vorbild, um zu lernen wie man liebt, nicht, weil wir dazu unfähig wären, sondern gerade um uns selbst, gegenseitig, zur wahren Liebe zu erziehen. Lernen, so zu handeln wie Jesus – der das Zeichen ist, das Gott in die Weltgeschichte einprägt – das ist eine Lebensaufgabe.“
Der Pontifex erinnerte daran, dass Jesus uns nicht nur als Diener begegne, sondern uns auch dazu einlade, uns gegenseitig zu dienen. In einem solchen Handeln liege die wahre Macht Gottes – nicht in der Überlegenheit oder im Triumph, sondern in der Hingabe und Liebe zu anderen. „So lasst uns also angesichts einer Menschheit, die aufgrund vieler Arten von Brutalität in die Knie gezwungen ist, auch selbst niederknien als Brüder und Schwestern der Bedrückten,“ so die konkrete Aufforderung des Papstes. Der Herr liebe uns nicht, weil wir gut und rein seien – er liebe und reinige uns, damit wir seiner Liebe entsprechen könnten, betonte das Kirchenoberhaupt weiter. Und das zeige sich nicht nur in der Eucharistie, sondern auch im Dienst am Nächsten.
Gründonnerstag: Tag der Brüderlichkeit und der Dankbarkeit
Zum Abschluss der Predigt verwies der Pontifex auf die Bedeutung des Gründonnerstags – der auch als Tag der Einsetzung des Priesteramtes gilt – als Tag der Brüderlichkeit und der Dankbarkeit. „Betrachten wir in der eucharistischen Anbetung am heutigen Abend, in jeder Pfarrei und Gemeinschaft, diese Geste Jesu, indem wir niederknien, wie er es getan hat, und um die Kraft bitten, ihm im Dienen mit derselben Liebe nachfolgen zu können,“ schloß Papst Leo seine Predigt bei der Abendmahlsmesse in der Lateranbasilika in Rom.
(vaticannews – skr)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
