Die „gewaltfreie Kraft“ von Ostern: Die Friedensappelle von Papst Leo
Edoardo Giribaldi und Mario Galgano - Vatikanstadt
Bereits am Palmsonntag wandte sich der Papst vor rund 40.000 Gläubigen auf dem Petersplatz gegen die religiöse Instrumentalisierung von Gewalt. Er erinnerte an die biblische Erzählung, in der Jesus seinen Jünger auffordert, das Schwert wegzustecken:
„Dies ist unser Gott: Jesus, König des Friedens. Ein Gott, der den Krieg ablehnt, den niemand benutzen kann, um Krieg zu rechtfertigen, der das Gebet derer, die Krieg führen, nicht hört und es zurückweist mit den Worten: ‚Selbst wenn ihr eure Gebete vervielfacht, würde ich nicht hören: Eure Hände triefen von Blut.‘“
Der Papst betonte, dass Christus sich nicht verteidigt habe, sondern sich kreuzigen ließ, um „alle Kreuze, die in jeder Zeit und an jedem Ort der Menschheitsgeschichte errichtet wurden, zu umarmen“.
Zeichen der Demut und des Dienstes
Am Gründonnerstag wusch Leo XIV. in der Lateranbasilika jungen Priestern die Füße. Er bezeichnete diesen Akt als Beispiel für Hingabe und Dienst, der im Gegensatz zum menschlichen Streben nach Macht durch Herrschaft stehe. In der Chrisammesse zuvor hatte er unterstrichen, dass „das Gute nicht aus Überhebung entstehen kann“, weder im pastoralen noch im sozialen oder politischen Bereich.
Gedenken an die Opfer des Mittelmeers
Während der Osternacht in der mit 6.000 Menschen gefüllten Petersbasilika mahnte der Papst, die Opfer von Kriegen nicht als bloße Zahlen zu betrachten. Er bezeichnete das Meer einerseits als Ort der Befreiung, wie im biblischen Auszug aus Ägypten, andererseits jedoch als „Ort des Todes“.
Hintergrund war ein aktueller Schiffbruch vor der libyschen Küste mit über 70 Vermissten. In diesem Zusammenhang wurde bestätigt, dass der Papst am 4. Juli 2026 die Insel Lampedusa besuchen wird, um der verstorbenen Migranten zu gedenken.
Ostersonntag: Appell an die Weltpolitik
In seiner Osterbotschaft vom zentralen Balkon des Petersdoms vor 60.000 Menschen verurteilte Leo XIV. die „Idolatrie des Gewinns“ und die „Gewalt des Krieges“. Er warnte vor einer zunehmenden Gewöhnung an das Leid:
„Wir gewöhnen uns an die Gewalt, wir finden uns mit ihr ab und werden gleichgültig. Gleichgültig gegenüber dem Tod tausender Menschen. Die Kraft, mit der Christus auferstanden ist, ist völlig gewaltfrei.“
Der Papst schloss seine Appelle mit einem direkten Aufruf an die politischen Führer der Welt, darunter US-Präsident Donald Trump. Er forderte die Staatschefs auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und Wege zur Reduzierung der Gewalt zu finden. Für den 11. April kündigte er eine zusätzliche Friedenswache auf dem Petersplatz an.
(vatican news)
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