Papst an Priester: „Ihr seid Kanal, nicht Filter“

Papst Leo bittet Priester darum, auf Menschen zuzugehen, die sich von der Kirche entfremdet haben. „Ihr gehört allen und seid für alle da!“

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Das sagte er an diesem Sonntagmorgen bei einer Messe im Petersdom, in deren Verlauf er zehn Männer zu Priestern weihte.

„Heute mehr denn je, besonders dort, wo die Zahlen eine Entfremdung zwischen den Menschen und der Kirche zu zeigen scheinen, haltet die Tür offen! Lasst sie eintreten und seid bereit, hinauszugehen. Das ist ein ... Geheimnis für euer Leben: Ihr seid ein Kanal, kein Filter.“

  (@Vatican Media)

„Die Schwelle der Kirche freihalten“

Viele Menschen erwarteten sich nichts mehr von der Kirche, so der Papst. „Sie bringen Erinnerungen mit, vielleicht aus einer fernen Vergangenheit; oft gibt es etwas Lebendiges, das nicht erloschen ist und das anzieht; manchmal jedoch gibt es auch etwas anderes, das noch nicht verheilt ist und zurückhält. Der Herr weiß es und wartet. Seid ein Spiegelbild seiner Geduld und seiner Zärtlichkeit.“

Der Papst rief die angehenden Priester dazu auf, „die Schwelle (der Kirche) frei zu halten und darauf hinzuweisen, ohne dass es vieler Worte bedarf“.

Eine besondere Art der Liebe

Noch einiges mehr gab Leo XIV. den Weihekandidaten mit auf den Weg. Der priesterliche Dienst sei „ein Dienst der Gemeinschaft“; je tiefer die Verbindung eines Priesters zu Christus sei, „desto grundlegender ist eure Zugehörigkeit zur gemeinsamen Menschheit“. Priester seien zu einer „besonderen“ Art der Liebe berufen: „Eine Art, die euch nicht nur zu guten Priestern, sondern auch zu ehrlichen, hilfsbereiten Bürgern, zu Friedensstiftern und zu Förderern der sozialen Freundschaft machen kann“.

  (@Vatican Media)

„Die Realität darf uns keine Angst machen“

„Die Realität darf uns keine Angst machen. Es ist der Herr des Lebens, der uns ruft. Der Dienst, der euch anvertraut ist, meine Lieben, möge den Frieden dessen vermitteln, der auch inmitten von Gefahren weiß, warum er sicher ist. Heute führt das Bedürfnis nach Sicherheit dazu, dass die Gemüter aggressiv werden, dass sich Gemeinschaften abschotten und dass man nach Feinden und Sündenböcken sucht. Oft herrscht Angst um uns herum und vielleicht auch in uns selbst. Eure Sicherheit soll nicht in der Rolle liegen, die ihr einnehmt, sondern im Leben, Tod und in der Auferstehung Jesu, in der Heilsgeschichte, an der ihr gemeinsam mit eurem Volk teilhabt.“

  (@Vatican Media)

Das Leben erschöpft sich nicht in der Pfarrei, im Verein, in der Bewegung, in der Gruppe...

Vor allem aber sollten Seelsorger ernstnehmen, dass Jesus sich selbst als „die Tür“ bezeichnet habe. „Verdeckt diese heilige Tür niemals, versperrt sie nicht, seid kein Hindernis für diejenigen, die eintreten wollen… Wir alle suchen Schutz, Ruhe und Zuwendung: Die Tür der Kirche steht offen.“

Das heiße nicht, dass man sich innerhalb der Kirche einigeln solle. „Das Leben erschöpft sich nicht in der Pfarrei, im Verein, in der Bewegung, in der Gruppe… Meine Lieben, geht hinaus und entdeckt die Kultur, die Menschen, das Leben! Staunt über das, was Gott wachsen lässt, ohne dass wir es gesät haben. Diejenigen, für die ihr Priester sein werdet – Laien und Familien, Jugendliche und ältere Menschen, Kinder und Kranke – leben auf Weiden, die ihr kennenlernen müsst.“

(vatican news)

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26. April 2026, 10:01