Papst in Gefängnis in Bata: Ungerechtigkeit verhüten und heilen
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
„Es gibt keine Gerechtigkeit ohne Versöhnung. Es ist eine gewaltige Aufgabe, die zum Teil im Gefängnis und zum noch größeren Teil unter Einbeziehung der gesamten nationalen Gemeinschaft erfolgen muss, um die durch Ungerechtigkeit verursachten Wunden zu verhüten und zu heilen“, betonte das katholische Kirchenoberhaupt in strömendem Regen. Papst Leo sprach im Innenhof der Haftanstalt, wo der Gefängnisdirektor, Gefängnis-Seelsorger, weiteres Gefängnispersonal und natürlich auch Häftlinge - gekleidet in braune und orangene Sträflingskleidung, versammelt waren.
Auf Spanisch, der Amtssprache des Landes als frühere Kolonie, nahm Papst Leo alle in die Pflicht, sich für einen Wandel in Äquatorialguinea einzusetzen. Das Gefängnis von Bata ist als strenge Haftanstalt bekannt, die häufig im Zusammenhang mit umstrittenen Gerichtsverfahren und kritischen Haftbedingungen erwähnt wird.
An diesem Ort hielt Papst Leo XIV. bei seinem Besuch ein Plädoyer für Vergebung, Barmherzigkeit und Menschenwürde: „Die Rechtspflege hat zum Ziel, die Gesellschaft zu schützen, doch um wirksam zu sein, muss sie stets auf die Würde und das Potenzial jedes Einzelnen setzen. Wahre Gerechtigkeit zielt nicht so sehr darauf ab, zu bestrafen, sondern vor allem darauf, dabei zu helfen, sowohl das Leben der Opfer als auch das der Täter und der vom Übel geschädigten Gemeinschaften wiederaufzubauen."
In Äquatorialguinea sind Grundfreiheiten stark eingeschränkt; wiederholt wurden schwere Menschenrechtsverletzungen angeprangert. Im Jahr 2022 hat das Land die Todesstrafe abgeschafft - Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen, Folter und gewaltsamem Verschwindenlassen gibt es jedoch nach wie vor.
Dank an alle, die Sicherheit, Respekt und Menschlichkeit vereinen
Der Gefängnis-Direktion, den Beamten und den Seelsorgern dankte Papst Leo mit den Worten: „Ihr Dienst ist von grundlegender Bedeutung, wenn er Sicherheit, Respekt und Menschlichkeit vereint und die notwendige Ordnung gewährleistet, um die Häftlinge auf einem Weg der Wiedereingliederung und der Erneuerung ihres Lebens zu begleiten." Es war der erste Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts in einem Gefängnis. Anders als sein Vorgänger im Amt, Papst Franziskus, hat Leo bisher Strafgefangene nur bei einer Audienz im Vatikan empfangen. Die traditionelle Fußwaschung am Gründonnerstag hat er nicht in einem Gefängnis, sondern so wie frühere Päpste wieder in der Lateranbasilika vollzogen.
Jeder Tag kann ein Neuanfang sein
Bei der letzten Etappe seiner Afrikareise in Äquatorialguinea suchte Leo XIV. an diesem Mittwoch also erstmals persönlich eine Haftanstalt auf. Papst Leo betonte, dass ein Gefängnis kein Ort der Trostlosigkeit und Einsamkeit sein müsse, sondern auch Besinnung, Versöhnung und persönliches Wachsen ermöglichen könne - etwa durch Studienmöglichkeiten in Haft und Arbeitsgelegenheiten. Dazu passte der Kontrast des trüben Regenhimmels und der Jubelrufe, Tanz- und Gesangsbeiträge der Häftlinge mitten im Regen. Papst Leo, für den ein Regenschirm parat war, bezeichnete den Regen in freier Rede als Segen.
Der Gefängnisdirektor dankte Papst Leo für seinen Besuch; ebenso wie ein Gefängnisseelsorger, der sagte, dass diese Visite allen Hoffnung bringe und versicherte, die Seelsorger begleiteten alle im Gebet und förderten ein „Klima des Respekts und der Menschlichkeit."
Drei Insassen der Haftanstalt sprachen im Namen aller und dankten dem Papst für seinen Besuch, sie versicherten, an ihrer Resozialisierung zu arbeiten. Ein Häftling bat um Gebete für alle, ein weiterer sprach selbst ein Gebet für Frieden und Versöhnung und bat um den päpstlichen Segen für alle.
Papst Leo XIV. versicherte alle Häftlinge der Nähe und Liebe nicht nur ihrer Familien, sondern auch der Nähe Gottes und der Kirche und ermutigte zu Hoffnung und Veränderung:
„Liebe Brüder, Gott wird nie müde, zu vergeben. Er öffnet immer eine neue Tür für diejenigen, die ihre Fehler erkennen und sich ändern wollen. Lasst nicht zu, dass die Vergangenheit euch die Hoffnung auf die Zukunft raubt. Jeder Tag kann ein Neuanfang sein", betonte das katholische Kirchenoberhaupt.
Papst Leo bekam von einem Häftling ein Holzkreuz überbracht, das von den Insassen der Einrichtung angefertigt wurde; der Papst hatte eine Statue des Heiligen Franz von Assisi mitgebracht.
Gebet und Segen
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