Papst am Pfingstsonntag: Der Sieg der Allmacht der Liebe
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Das Hochfest Pfingsten markiert den Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. Wo Angst, Verrat und die lähmende Furcht vor dem Tod die Jünger im Abendmahlssaal gefangen hielten, tritt der auferstandene Christus durch die verschlossenen Türen ein. Und er zeigt nicht die Waffen des Triumphs, sondern die Wunden seiner Kreuzigung.
„Veni, Sancte Spiritus“: „Komm herab, Heiliger Geist“ sang die Schola bei der Messfeier im Petersdom. Die Pfingstsequenz, die an die Herabkunft des Heiligen Geistes im Abendmahlssaal von Jerusalem erinnert, hat am Pfingstsonntag ihren festen liturgischen Platz. Vor dem Evangelium besingt sie den Trost, die Kraft und die erneuernde Gegenwart des Geistes in der Kirche und im Leben der Gläubigen.
In seiner Predigt beschrieb der Papst den Geist, den der Auferstandene über die Menschheit ausgießt, als Geist des Friedens, der Mission und der Wahrheit.
Wörtlich sagte das Kirchenoberhaupt:
„Durch seinen Tod und seine Auferstehung stiftet Christus Frieden zwischen Gott und der Menschheit, und der Heilige Geist gießt diesen Frieden in die Herzen ein und verbreitet ihn in der Welt. Dieser Friede entspringt der Vergebung und führt uns zur Vergebung: Er beginnt mit der Vergebung, die Jesus selbst schenkt, der von uns verraten, verurteilt und gekreuzigt wurde.“
Der Kodex des Friedens
Mit Pfingsten werde also der Neue Bund besiegelt, der ein völlig neues Gesetz in die Herzen der Menschen schreibe: den Kodex des Friedens, „das doppelte Gebot der Liebe, an die uns der Heilige Geist mit jedem Herzschlag erinnert.“
Das Brausen des Geistes verbindet alle Völker der Erde und überwindet die Sprachlosigkeit der Feindschaft - und so lehre der Geist die Menschheit „das Wort des Heils,“ betonte Papst Leo weiter.
Die Verwandlung des weltlichen Chaos
„Wir sehen deutlich, dass es Veränderungen gibt, die die Welt nicht erneuern, sondern sie durch Irrtümer und Gewalt altern lassen,“ beklagte der Papst ein Phänomen unserer Zeit. „Der Heilige Geist hingegen erleuchtet den Verstand und weckt im Herzen neue Lebenskraft. Auf diese Weise verwandelt er die Geschichte und öffnet sie für das Heil, das heißt für das Geschenk, das der einzige Herr mit allen teilt. Die Sendung der Kirche bezeugt diese Teilhabe und verwandelt das Chaos der Welt in Gemeinschaft mit Gott und untereinander.“
Einheit in der Wahrheit
Unsere Sendung beginne mit der Verkündigung der Wahrheit über Gott und den Menschen, führte der Papst weiter aus. Der Geist erleuchte den Verstand und fördere die Einheit in der Wahrheit, weil er in uns Verständnis, Eintracht und eine kohärente Lebensweise wecke.
„Der Paraklet bewahrt uns also vor allem, was dieses Einvernehmen behindert: vor Parteilichkeit, Heuchelei und Moden, die das Licht des Evangeliums trüben. Die Wahrheit, die Gott uns schenkt, bleibt auf diese Weise ein befreiendes Wort für alle Völker, eine Botschaft, die jede Kultur von innen heraus verwandelt.“
Genau deshalb seien wir Kirche, ein einziger Leib, der aus Gott lebe und der Welt diene, betonte der Pontifex. Und so könnten wir „dank des Geistes allen den wahren Frieden bringen, die rettende Wahrheit, nämlich Christus, den Herrn selbst.“
Papst Leo schloss seine Predigt mit einem Denkanstoß, der in unserer von Kriegen zerrissenen Welt eine ganz besondere Aktualität hat:
„Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns heute mit brennendem Herzen darum beten, dass der Geist des Auferstandenen uns vom Übel des Krieges befreit, der nicht durch eine Supermacht gewonnen, sondern durch die Allmacht der Liebe besiegt wird. Beten wir darum, dass er die Menschheit vom Elend befreit, das nicht durch unermesslichen Reichtum, sondern durch eine unerschöpfliche Gabe überwunden wird. Bitten wir ihn, dass er uns durch die Erlösung, die allen Völkern im Namen Jesu verkündet wurde, von der Wunde der Sünde heile. Dies ist die Gnade, die den Aposteln Mut verleiht: Möge er ihn auch uns schenken, heute und allezeit, auf die Fürsprache Marias, der Mutter der Kirche.“
(vaticannews – skr)
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