Brennender Müll bei Acerra unweit von Neapel.  Die Gegend wird aufgrund vieler Umweltsünden auch Feuerland (Terra dei fuochi) genannt. Papst Leo XIV. besucht den Ort diesen Samstag (23.5.2026) Brennender Müll bei Acerra unweit von Neapel. Die Gegend wird aufgrund vieler Umweltsünden auch Feuerland (Terra dei fuochi) genannt. Papst Leo XIV. besucht den Ort diesen Samstag (23.5.2026) 

Papst Leo in Acerra: Besuch im Feuerland

Diesen Samstag macht Papst Leo XIV. einen Kurzbesuch im italienischen Acerra unweit von Neapel. Der Ort liegt in einem Gebiet, das aufgrund vieler Umweltsünden auch Feuerland (Terra dei fuochi) genannt wird. Wir haben mit dem Bischof von Acerra, Antonio Di Donna, gesprochen.

Antonella Palermo und Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

Nach seinem Besuch in Pompeji und Neapel am 1. Jahrestag seiner Papstwahl (8.Mai) besucht Papst Leo XIV. diesen Samstag erneut einen Ort in der italienischen Region Kampanien: Acerra, das im berühmt-berüchtigten „Feuerland" liegt. Antonio Di Donna, Vorsitzender der Bischofskonferenz von Kampanien und Bischof von Acerra betont, dass sein Bistum nicht allein betroffen ist: „Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht nur wir „Feuerland“ sind – es gibt in Italien viele solcher Gebiete: verschmutzte Standorte im Norden, in der Mitte und im Süden. Ich sage das, weil wir dieses Stigma auch abschütteln müssen. Außerdem ist wichtig zu verstehen, dass wir aus dieser Umweltkatastrophe nur gemeinsam herauskommen können, mit allen Beteiligten, vor allem der Region, den Gemeinden und natürlich der nationalen Regierung“,  meint Bischof Di Donna im Interview mit den vatikanischen Medien.

Zum Hören: Der Bischof von Acerra, Antonio Di Donna, zum Besuch von Papst Leo XIV. in Acerra, das aufgrund vieler Umweltsünden auch Feuerland (Terra dei fuochi) genannt wird (Audio-Beitrag von Radio Vatikan)

„Es gibt in Italien viele solcher Gebiete: verschmutzte Standorte im Norden, in der Mitte und im Süden“

Kirche als Pionierin im Umweltschutz

Der Papst besucht diesen Samstag mit Acerra erstmals einen Ort, der seit mehreren Jahrzehnten von Umweltverbrechen krimineller Organisationen (Camorra) gezeichnet ist, die die Gesundheit seiner Bewohner stark beeinträchtigt haben und wo die Kirche Pionierarbeit im Umweltschutz leistete:

„Schon damals wandten sich die Menschen an die Kirche, da die Reaktion der Institutionen zumindest anfangs sehr schwach ausgefallen war und die Menschen mit ansehen mussten, wie ihre Kinder erkrankten und manche sogar starben", berichtet Bischof Di Donna. 

Inzwischen auch Institutionen aktiv

Leo XIV. trifft am Samstagvormittag in der Kathedrale von Acerra neben der Gemeinde auch Familien, deren Angehörige an den Folgen der starken Umweltverschmutzung gestorben sind. Später steht eine Begegnung des Papstes smit Bürgermeistern und Gläubigen der verschiedenen Gemeinden der „Terra dei Fuochi“ (Feuerland) auf dem Programm. Inzwischen sind neben der Kirche auch die Institutionen aktiv geworden.

Antonio Di Donna, Bischof von Acerra und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Kampanien (Foto © Luigi Bonincontro)
Antonio Di Donna, Bischof von Acerra und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Kampanien (Foto © Luigi Bonincontro)   (Luigi Buonincontro)

„Heute stehen wir im Dialog mit den Institutionen, natürlich muss man sie immer wieder anspornen und dazu ermutigen, das zu tun, was sie tun müssen, nämlich Sanierungen, Untersuchungen der Luftqualität und so weiter“

„Gott sei Dank haben wir nach und nach diesen Dialog in Gang gebracht. Heute stehen wir im Dialog mit den Institutionen, natürlich muss man sie immer wieder anspornen und dazu ermutigen, das zu tun, was sie tun müssen, nämlich Sanierungen, Untersuchungen der Luftqualität und so weiter... Die Präfekturen zum Beispiel verfügen über beträchtliche Befugnisse, und Gott sei Dank sind die Präfekturen von Neapel und Caserta hier sehr aktiv als Steuerungszentrale – das ist die Synergie, die wir uns wünschen", freut sich der Bischof von Acerra. 

Ganz im Sinn von Papst Franziskus

Die Umwelt-und Sozial-Enzyklika „Laudato si’“, die Papst Franziskus im Jahr 2015 veröffentlichte, fordert eindringlich zum Schutz der Schöpfung auf. In Acerra engagiert sich die katholische Kirche aufgrund der schlimmen Umweltschäden vor Ort schon seit gut 30 Jahren in diesem Sinn, berichtet uns der Ortsbischof.

„Damals begann dieses Engagement, das ,Laudato si’` bestätigt hat und unserem Einsatz weiteren Schwung und Bedeutung verliehen hat. Mit dabei sind gut 12 Diözesen zwischen Neapel und Caserta. Wir glauben an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, wir glauben an das Evangelium - unsere Motivation ist biblisch. Schon vor sechs Jahren, zum fünften Jahrestag von ,Laudato si’`, sollte Papst Franziskus hierher nach Acerra kommen, doch dann machte die Pandemie uns einen Strich durch die Rechnung. ,Laudato si’`, Papst Franziskus` großartige Enzyklika, hat uns sehr für unser Wirken in dieser Region inspiriert", berichtet uns der Bischof von Acerra.

„,Laudato si’`, Papst Franziskus` großartige Enzyklika, hat uns sehr für unser Wirken in dieser Region inspiriert“

Elf Jahre nach der Umwelt-und Sozial-Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus wird sein Nachfolger Leo XIV. mit seinem Besuch in Acerra übrigens die „Laudato si’-Woche“ besiegeln, eine Reihe von Veranstaltungen zur Sensibilisierung für Themen des Schutzes der Schöpfung. Leos Visite hier diene vor allem dazu die Umwelt- und Sozial-Enzyklika seines Vorgänger wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken, meint der Bischof von Acerra. 

„Laudato si’ hat uns bewusst gemacht, dass die Erziehung zur Bewahrung der Schöpfung, wenn sie nicht in das alltägliche Leben unserer Gemeinschaften und Pfarreien einfließt – also in den Glaubensweg, in die Verkündigung und in die gewöhnliche Katechese –, nur einigen Eliten vorbehalten sein wird, aber nicht Teil des Weges der Kirche, der Vielzahl der Gläubigen, der Vereinigungen und Gruppen ist. Die Erziehung zur Bewahrung der Schöpfung muss konkret Einzug halten, denn die Soziallehre der Kirche ist ein wesentlicher Bestandteil der Evangelisierung. Und man muss sagen, dass wir noch ein ganzes Stück davon entfernt sind, dies zu verwirklichen."

Erziehung zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung

Die Erziehung zur Bewahrung der Umwelt geht für Bischof Di Donna übrigens immer Hand in Hand mit der Erziehung zu Recht und Frieden. Die schweren Umweltschäden in seiner Region sind Folge krimineller Machenschaften, etwa der Mafia. Bischof Di Donna sagt, er sei selbst noch nie bedroht worden.

„Einschüchterung nein, das auf keinen Fall. Sicher ist, dass es stört, ja, es stört bestimmte Kreise, dass die Kirche sich zu Wort meldet und sich einmischt. Aber das passiert, so scheint es, in jeder Angelegenheit, in jedem Bereich, auch in anderen, das überrascht mich nicht."

Der emeritierte Bischof von Caserta, Bischof Raffaele Nogaro , der jüngst verstarb, engagierte sich vehement gegen die Camorra. Ihn würdigt der Bischof von Acerra als „großen Hirten, der klar und deutlich sprach, das Gewissen schärfte und vor allem die Kirche, seine Kirche und unsere Kirchen, die eine stärkere Widerstandskraft besitzen, in die Pflicht nahm. (... ) Ich ergreife hier die Gelegenheit, noch einen Zusammenhang anzusprechen: Die Erziehung zur Bewahrung der Schöpfung und der Umwelt geht immer Hand in Hand mit der Erziehung zu Recht und Frieden."

Acerra ist übrigens auch eine Region, in der viele Migranten leben, die gut integriert sind.

„Unsere Gegend war Fremden gegenüber noch nie feindselig. Es gibt immer noch einen großen Anteil an Schwarzarbeit und illegaler Vermittlung, auch wenn das Phänomen der illegalen Vermittlung bei uns nicht sehr verbreitet ist. Sicherlich gibt es im Bereich der Integration noch viel zu tun. ,Laudato si’` hat Recht, wenn es sagt, dass der Schrei der Erde auch der Schrei der Armen ist: Es gibt keine Umweltkrise, die nicht auch eine soziale Krise und in diesem Fall auch eine Gesundheitskrise ist. Kurz gesagt: Erde, Arme und Kranke gehören zusammen", schlägt der Bischof von Acerra, Antonio Di Donna, auch hier wieder einen Bogen zur Umwelt- und Sozialenzyklika von Papst Franziskus. 

(vatican news) 

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22. Mai 2026, 10:03