Die Garde: Dienst für die Gemeinschaft

In einer bewegenden Zeremonie im Vatikan hat der Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde, Christoph Graf, die neuen Gardisten zu einem bewussten und verbindlichen Leben im Dienst der Kirche aufgerufen. An diesem Mittwochnachmittag legten 28 Rekruten den Fahneneid in der Audienzhalle ab. Papst Leo XIV. war wie im vergangenen Jahr anwesend und bedankte sich am Schluss der Feier für den Dienst der Schweizergarde.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Besonders würdigte Kommandant Christoph Graf in seiner Ansprache dabei die Anwesenheit von Papst Leo XIV., dessen Teilnahme er als ein wertvolles Zeichen der Verbundenheit gegenüber den jungen Männern und ihrem Korps bezeichnete. Graf hieß neben kirchlichen und politischen Würdenträgern auch die Vertreter des diesjährigen Gastkantons Thurgau sowie die Angehörigen der Rekruten willkommen, ohne deren Unterstützung dieser Weg für die jungen Männer nicht möglich gewesen wäre.

Dankesworte des Papstes

Zum Abschluss der feierlichen Zeremonie in der vatikanischen Audienzhalle richtete Papst Leo XIV. persönliche Worte an die Anwesenden, in denen er zunächst den Schweizer Bundespräsidenten sowie die weiteren Vertreter aus Politik und Militär herzlich begrüßte. Mit besonderer Zuneigung dankte er den Familien der Gardisten für ihr Dabeisein und sprach den frisch vereidigten Männern seine Achtung und Dankbarkeit aus. Ihr abgelegter Eid zeuge von einer Treueverpflichtung, die aus jugendlicher Begeisterung sowie dem Glauben an Gott und der Liebe zur Kirche entspringe. Der Pontifex stellte diesen wertvollen Dienst unter den Schutz der Jungfrau Maria und verabschiedete die Festgemeinde - auch auf Deutsch - mit den besten Wünschen für einen gesegneten Abend und ein schönes Fest.

Die Feier im Vatikan
Die Feier im Vatikan   (@Vatican Media)

Die Bedeutung des Dienens

Zu Beginn der Feier sprach Kommandant Christoph Graf. Im Zentrum seiner Ansprache setzte er sich kritisch mit dem modernen Verständnis des Begriffs Dienen auseinander. Er stellte fest, dass diese Bezeichnung in der heutigen Gesellschaft oft als bloße Worthülse wahrgenommen oder gar als Hindernis für die persönliche Selbstverwirklichung missverstanden werde. Manche setzten das Dienen heute fälschlicherweise mit etwas Niedrigem oder Erniedrigendem gleich. Dem hielt Graf entgegen, dass es zum Kern des Menschseins gehöre, für andere da zu sein. „Erst indem wir unsere Talente für andere einsetzen, entfalten wir uns wirklich“, betonte der Kommandant und fügte hinzu, dass der Dienst kein Hindernis, sondern eine Chance zur Erfüllung darstelle.

Als maßgebliches Fundament für dieses Verständnis nannte er das Beispiel Jesu Christi, der nicht gekommen sei, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Dieses christliche Vorbild schütze nach Ansicht von Graf vor Überheblichkeit und dem egoistischen Missbrauch der eigenen Stellung. Wer diene, wisse stets, dass er nicht über jenen stehe, denen sein Einsatz gelte. Für die Gardisten bedeute dies konkret, den Heiligen Vater mit ganzer Kraft zu unterstützen und seinen Schutz zu gewährleisten, damit dieser sein Amt als Nachfolger des Apostels Petrus ungehindert ausüben könne.

Die Feier im Vatikan
Die Feier im Vatikan   (@Vatican Media)

Für Einsatzbereitschaft bedankt

Abschließend dankte der Kommandant den jungen Männern für ihre Einsatzbereitschaft. Er sprach den Wunsch aus, dass die Zeit in der Garde jedem Einzelnen dabei helfen möge, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln und die persönliche Berufung immer tiefer zu entdecken. Der feierliche Eid, den die Rekruten ablegten, sei somit nicht nur eine förmliche Pflicht, sondern das Versprechen, sich in Wort und Tat für die Gemeinschaft einzusetzen.

Der gewählte Termin der Feierlichkeiten ist dabei von hoher symbolischer Bedeutung: Der 6. Mai markiert den Jahrestag des Sacco di Roma im Jahr 1527, als 147 Schweizergardisten ihr Leben ließen, um Papst Clemens VII. zu schützen. Nur aufgrund der Sedisvakanz an diesem Termin fand die Vereidigung im vergangenen Jahr am 4. Oktober statt.

(vatican news)

Die Feier im Vatikan
Die Feier im Vatikan   (@Vatican Media)

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06. Mai 2026, 18:28