Papst Leo in Barcelona: „Ich mag Fußball“
Stefan Kempis - Vatikanstadt
Das sagte er am Nachmittag bei einer Begegnung mit Wohltätigkeits- und Caritas-Einrichtungen in Barcelona, wo er eine Ansprache hielt und einige Fragen beantwortete. „Ich muss gestehen, dass ich Tennis spiele und das sehr gerne, aber Fußball mag ich auch.“ Das gab der Papst auf die Frage eines sechsjährigen Kindes aus einem ärmeren Vierteil der Stadt zur Antwort. Mit seinem „FC Barcelona“, kurz „Barça”, beherbergt die katalanische Hauptstadt einen der bekanntesten Fußballclubs der Welt.
„Morgen beginnt die Weltmeisterschaft und viele werden die Spiele verfolgen“, so Leo weiter. „Fußball erinnert uns an etwas, das wir nicht vergessen dürfen: Das Leben ist kein Wettlauf, um sich allein zu profilieren, sondern ein Weg, den wir gemeinsam gehen lernen. Wer den Ball nicht passen kann, hat das Spiel noch nicht verstanden, auch wenn er Talent hat. Und wer nicht mit anderen und für andere leben kann, hat das Leben noch nicht verstanden.“
Der kleine Bob Prevost hatte nicht vor, Papst zu werden
Noch auf ein paar weitere Fragen des sechsjährigen Renzo ging Leo XIV. ein – etwa die, ob er als Kind habe Papst werden wollen. Nein, der Gedanke sei ihm nie gekommen, versetzte Leo. „Aber eines kann ich dir sagen: Schon als Kind spürte ich den Wunsch, mein Leben Gott zu schenken.“ Es sei „wichtiger, sich zu fragen, ob man ein Freund Jesu sein möchte“, als sich zu fragen, welchen Beruf man einmal ausüben wolle. Und weiter: „Jedes Kind ist ein Traum Gottes.“
Auf eine Frage zum Umgang mit älteren Menschen sagte der Papst: „Ja, Großeltern spielen im Leben der Familien eine sehr wichtige Rolle. Niemals sollen sie alleine gelassen werden …Wir dürfen nicht zulassen, dass Einsamkeit und Verlassenheit im Leben älterer Menschen zur Normalität werden. Das ist sehr traurig.“
In dieselbe Kerbe schlug er dann auch in seiner Ansprache in der Augustinus-Kirche. „Wir sind dazu berufen, Gott zu lieben und aus Liebe zu ihm auch unsere Brüder und Schwestern zu lieben; dazu sind wir auch gesandt, auf alle zuzugehen.“ Das gelte „gerade in der heutigen Zeit, wo der Sinn für die heilige Würde des Menschen verloren gegangen zu sein scheint“.
„Ich möchte unterstreichen, dass wir als Christen dazu berufen sind, die Liebe Gottes zu jedem Mann und jeder Frau im konkreten Geflecht der Geschichte gegenwärtig zu machen. Das Buch Genesis berichtet uns: Gott ‚schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie‘ (Gen 1,27). Darin liegt die unveräußerliche Würde jedes Menschen begründet.“ Auch bei seinem historischen Auftritt im spanischen Parlament in Madrid hatte Leo XIV. am Montagmorgen die Menschenwürde zum Ausgangspunkt seiner Rede gemacht.
Er war schon mal hier
Das frühere Arbeiterviertel Raval, in dem die Augustinuskirche liegt, gehört zu den sozial komplexeren von Barcelona, die meisten Einwohner hier sind Einwanderer. In kurzen Ansprachen an den Papst war von Drogen und von Menschenhandel die Rede. Dabei ist Raval kein Randviertel, sondern liegt mitten im historischen Zentrum der Stadt; hier verläuft unter anderem die berühmte Rambla-Promenade in Richtung Hafen. Direkt neben der Augustinus-Kirche liegt ein Zentrum der Mutter-Teresa-Schwestern, die zusammen mit vielen Freiwilligen Bedürftigen helfen; in der Kirche treffen sich außerdem regelmäßig die philippinischen Katholiken, die in Barcelona leben; viele von ihnen arbeiten in der Seniorenbetreuung.
Der Papst wich von seinem vorbeiteteten Redetext ab, um spontan zu erzählen, dass er vor mehreren Jahrzehnten in seiner Zeit als Generalprior des Augustinerordens schon einmal auf der Durchreise diese Kirche besucht habe. Und schon damals sei ihm aufgefallen, dass das Viertel drumherum voller Leben sei.
(vatican news)
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