Papst in Abtei Montserrat: „Legen wir die Rüstungen nieder"

Nach einem Gefängnisbesuch im Umland von Barcelona ist Papst Leo am Mittwoch in einer traditionsreichen spanischen Benediktinerabtei eingekehrt. An dem auf einem Berg gelegenen Marienwallfahrtsort „Unsere Lieben Frau von Monserrat“ betete er mit Benediktinern den Rosenkranz und rief zu Geschwisterlichkeit und Gewaltlosigkeit auf.

 

Anne Preckel - Vatikanstadt

Herzstück des Pilgerortes und seiner historischen Klosteranlage ist die Wallfahrtskirche der Jungfrau von Montserrat, in der die Holzstatue der Schutzpatronin Kataloniens aus dem 12. Jahrhundert verehrt wird. Schon im 9. Jahrhundert hatten Hirtenjungen dort eine Marienfigur gefunden.

Glorreicher Rosenkranz

Die glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzgebetes wurden bei der Gebetsfeier mit dem Papst von Pater Lluis Maria vorgetragen, der seit 42 Jahren ununterbrochen jeden Tag das Mariengebet mit den Pilgern spricht. Der Papst vertraute seinen Dienst und das Wirken der gesamten Kirche der „Schwarzen Madonna“ an – „in einer Welt, die nach Gerechtigkeit und Frieden schreit“, wie er formulierte.

Bei der Abtei Montserrat
Bei der Abtei Montserrat   (@Vatican Media)
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Die Verehrung der Madonna von Montserrat, auch „Mare de Déu“ und im Volksmund liebevoll „La Moreneta“ genannt, hat eine lange Tradition. Der bekannte Wallfahrtsort und seine Geschichte erzähle von „Frömmigkeit, Dankbarkeit und Hoffnung“, so der Papst, der auch die Leiden der christlichen Märtyrer erwähnte, die im Umfeld des Klosters während des Spanischen Bürgerkrieges (1936-39) ihr Leben ließen. Die Benediktinerabtei Montserrat gilt als Ort der Bewahrung des Erbes der katalanischen Sprache und Kultur durch die Jahrhunderte.

Als Ignatius von Loyola seine Waffen niederlegte

„Ich freue mich, hier zu Füßen der Moreneta zu sein, um ihr im Vertrauen auf ihre mütterliche Fürsprache meinen Petrusdienst und die Sendung der Kirche in einer Welt anzuvertrauen, die nach Gerechtigkeit und Frieden schreit“

Die Gottesmutter Maria sei für das Leben jedes Christen von grundlegender Bedeutung und wecke „die edelsten Gefühle eines Menschen“, unterstrich Leo XIV., der Worte von Papst Franziskus aufgriff, der 2023 die „Schwarze Madonna“ in der Marienwallfahrtsstätte ehrte. Tatsächlich bewirke die Gottesmutter in uns „tiefgehende Bekehrungen“. Das habe sich auch beim heiligen Ignatius von Loyola gezeigt, der im Wallfahrtsort von Monserrat im Gebet vor der Jungfrau seine Waffen als Ritter ablegte und „ein neues Leben im Dienst Christi“ begann.

 

Erinnerung an Zeit als Missionar in Peru

Leo XIV. war bevor er Papst wurde lange Zeit als Missionar in Peru tätig. Daran erinnerte er in freien Worten nun in Barcelona: „Mit großer Rührung habe ich an meine Jahre als Pfarrer der Pfarrei Santa Maria de Montserrat in Trujillo, Peru, zurückgedacht. Die Moreneta hat mich immer begleitet. Danke, Katalonien, für euren Glauben."

„Die Moreneta hat mich immer begleitet. Danke, Katalonien, für euren Glauben!“

Beim Rosenkranz in Montserrat
Beim Rosenkranz in Montserrat   (@Vatican Media)

Herz nach Maßstäben des Evangeliums bilden

Leo XIV. lud dazu ein, Mariens Beispiel zu folgen – sie lehre uns, „unser Herz nach den Maßstäben des Evangeliums zu bilden“, auf Christi Stimme zu hören und uns von ihm verwandeln zu lassen. Dieser Weg der Nächstenliebe sei entschieden gewaltlos, betonte der Papst, ja er halte verborgener Gewalt den Spiegel vor.

„Diese verborgene Gewalt tarnt sich oft als eine Art Rüstung, mit der wir versuchen, unsere Wunden, unsere Ängste oder das Leid zu verdecken, das uns durch Ungerechtigkeiten zugefügt wurde.“

„Jesus weist uns den Weg der Barmherzigkeit, der Versöhnung, der Wahrheit und der Güte. Gleichzeitig entlarvt er die Gewalt, die sich in unseren Worten und Haltungen verbergen kann: erniedrigende Kritik, zerstörerische Verurteilung und spaltende Aggressivität. Diese verborgene Gewalt tarnt sich oft als eine Art Rüstung, mit der wir versuchen, unsere Wunden, unsere Ängste oder das Leid zu verdecken, das uns durch Ungerechtigkeiten zugefügt wurde.“

„Das göttliche Kind in Marias Armen trägt keine Rüstung, und er selbst wird sich später, nackt am Kreuz, ganz dem Vater hingeben, um uns mit der unbewaffneten und entwaffnenden Kraft der Liebe zu retten.“

„Legen wir Rüstungen nieder“

Die Maria von Montserrat mit dem wehrlosen Jesuskind auf ihrem Schoß „lädt uns ein, einander zu lieben“, so Papst Leo. „Legen wir heute zu ihren Füßen die Rüstungen nieder, die unser Herz nach und nach verhärtet haben“, rief er zu Friedfertigkeit und Geschwisterlichkeit auf.

Maria möge „uns ausschließlich mit den Waffen Gottes rüsten“, fuhr der Papst fort, der die Worte des heilige Paulus einflocht: „Steht also da, eure Hüften umgürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit, die Füße beschuht mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! […] Und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes!“ (Eph 6,14-17).

Papst Leo in Montserrat
Papst Leo in Montserrat   (@Vatican Media)

Geschwisterlichkeit und Friedfertigkeit überall 

Der Papst rief zu Geschwisterlichkeit auf und dazu, niemanden auszuschließen, Spaltungen zu überwinden und Gemeinschaft zu kultivieren. Von Montserrat aus ermutigte er dazu, Friedfertigkeit in allen Beziehungen und Lebensbereichen zu pflegen:

„Bitten wir Maria, die Königin des Friedens, dass sie uns lehrt, von verletzenden Worten, voreiligen Urteilen, Lästereien und Verleumdungen abzusehen. Und dass wir lernen, die Liebe in der Familie, unter Freunden, am Arbeitsplatz, in den sozialen Netzwerken, in politischen Debatten und in christlichen Gemeinschaften zu bewahren und zu pflegen, damit der Hass der Hoffnung und dem Frieden weicht.“

„Möge Maria, die Mutter der Kirche, uns stets zu Jesus führen“, rief der Papst abschließend zum Gebet zur Muttergottes auf.

„Für die Katalanen wirst du immer die Fürstin sein, für die Spanier und die ganze Welt die Liebe; Sag uns: „Ihr seid mein Schatz, ich bin eure Mutter, fürchtet euch nicht“. Amen.“

Grußworte von Abt und Bischof

Vor dem Rosenkranzgebet fuhr der Papst unter Glockengeläut auf den Vorplatz der Basilika, wo er vom Abt des Kloster, dem Ortsbischof und rund 1.000 Kindern begrüßt wurde. Das Benediktinerkloster ist Wirkungsstätte eines der ältesten Knabenchöre Europas, der die Gebetsfeier musikalisch untermalte. 

Der  Abt von Montserrat, Manel Gasch i Hurios, sagte in seinem Grußwort: „Ihr Besuch bestärkt uns im Glauben und bestätigt uns in der Bedeutung dieses jahrtausendealten Heiligtums und Klosters“. Er formulierte die Hoffnung, dass das Pilgern zum Wallfahrtsort für alle Pilger „ein Weg zu Jesus Christus“ sein könne.

Der Bischof von Sant Feliu de Llobregat, Br. Xabier Gómez García, sprach in seinem Grußwort vor dem Papst von „unermessliche Freude, Sie auf dem heiligen Berg von Montserrat zu empfangen, wohin das katalanische Volk und viele Pilger hinaufsteigen, um dem Herrn Jesus unter dem Blick der Moreneta zu begegnen.“

In der Abtei Montserrat
In der Abtei Montserrat   (@Vatican Media)

Segen für Gläubige und Pilger

Nach dem Rosenkranzgebet wandte sich der Papst vom Balkon aus mit spontanen Worten an die versammelte Gemeinde auf dem Vorplatz der Basilika und spendete seinen Segen.

Die Abtei Unserer Lieben Frau von Montserrat liegt etwa 40 km von Barcelona entfernt auf einer Höhe von 720 Metern an einem Berghang. Teil der historischen Klosterstruktur sind das antike Portal einer romanischen Kirche aus dem 12. und ein gotischer Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert.

(vatican news – pr)

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10. Juni 2026, 13:28