Papst beim Angelus: Der Blick Jesu verändert die Welt
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Das Tagesevangelium zum 11. Sonntag im Jahreskreis (Mt 9,36 – 10,8) beschreibt den Blick, mit dem Jesus auf die Welt schaut und den auch wir uns zueigen machen sollen. „Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren müde und erschöpft“, zitierte der Pontifex aus dem Matthäusevangelium.
Und dieser Blick Jesu sei von außergewöhnlicher Tiefe, erkenne die Last, die auf den Schultern der Menschheit liegt: „Er sieht die Unterdrückung, die sie zermürbt, und die Gewalt, die sie ihrer Kraft beraubt,“ so der Papst weiter. „Er sieht die Wunden der Kriege. Er sieht Gesichter, die zu Masken verkommen sind, Familien, die durch das Böse zerbrochen sind, und junge Menschen, die von falschen Idealen getäuscht werden. Jesus sieht und liebt. Er liebt und leidet für uns, mit uns.“
Ein Blick, der nicht nur sieht, sondern Anteil nimmt
Doch der Blick Jesu bleibe nicht beim Sehen und Erkennen stehen. Es ist ein Blick der Liebe, der Anteil nimmt und retten will; der Blick des guten Hirten, der sich um jeden Menschen sorgt. Angesichts der großen Not ruft er seine Jünger in den Dienst und sendet sie als „Arbeiter auf das Feld der Welt“. Ihr Auftrag ist klar, betonte Papst Leo: „Den Leidenden Gottes Trost spenden: Nächstenliebe bringen, wo Elend herrscht, Hoffnung, wo Bedrängnis ist, Glauben, wo Misstrauen herrscht.“
Die Barmherzigkeit Gottes weiterschenken
Das Evangelium nenne die Namen der ersten zwölf Arbeiter, der „Jünger, die zu Aposteln geworden sind“: von Petrus bis Judas Iskariot. Und gerade diese Aufzählung mache deutlich, dass der Ruf Gottes allen Menschen gilt – mit ihren Stärken und Schwächen, gab Leo XIV. zu bedenken. Selbst der Verrat des Judas kann die Kraft der Frohen Botschaft nicht aufhalten. Die Frohe Botschaft bleibt lebendig und wirksam durch alle Zeiten hindurch, „denn in Jesus Christus kommt Gott jedem Mann und jeder Frau, jedem Volk und jeder Nation nahe. Wenn dieses Evangelium verkündet und gelebt wird, bricht das Böse zusammen wie eine Krankheit, die zu Ende geht, wie eine Nacht, die der Morgendämmerung weicht, wie der Tod, der vom Auferstandenen besiegt wurde.“
Jesu Wort aus dem Matthäusevangelium: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (V. 8) zeige uns, dass Gottes Liebe und Barmherzigkeit ein Geschenk sei. Sie könnten weder verdient noch gekauft werden. Wer sie erfahren habe, sei eingeladen, sie weiterzuschenken.
Abschließend gab der Papst seinen Zuhörern noch folgenden Denkanstoß mit auf den Weg:
„Liebe Brüder und Schwestern, die Aufgabe der Evangelisierung entspringt der Gabe Gottes, die in Christus zur Vergebung für die Welt, zum Dienst an den Geringsten und Ärmsten und zum Einsatz für die Gerechtigkeit wird. Erbitten wir die Hilfe der Jungfrau Maria, voll der Gnade, damit wir mit Freude und Mut auf die Sendung antworten, zu der Jesus uns ruft.“
(vaticannews – skr)
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