Die Trauerfeier für Kardinal Ruini im Petersdom Die Trauerfeier für Kardinal Ruini im Petersdom

Abschied von Kardinal Ruini: Ein Leben im Dienst der Kirche

Diesen Donnerstagnachmittag hat Papst Leo XIV. im Petersdom in Rom die Trauerfeier für Kardinal Camillo Ruini geleitet. In seiner Predigt erinnerte das Kirchenoberhaupt daran, dass der verdiente Kirchenmann als Hirte, Theologe und Gestalter der kirchlichen Gegenwart ein Erbe zurücklässt, das weit über die von ihm bekleideten Ämter hinausreicht.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Kardinal Camillo Ruini ist am Abend des 16. Juni im Alter von 95 Jahren in Rom verstorben. Der aus dem norditalischen Modena stammende Geistliche war als Stellvertreter des Papstes für die Diözese Rom von 1991 bis 2008 einer der engsten Mitarbeiter von Papst Johannes Paul II., und danach von Papst Benedikt XVI. Fast zwei Jahrzehnte lang stand er der italienischen Bischofskonferenz vor. Bei den feierlichen Exequien in Rom waren Spitzenvertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft zugegen, etwa der ehemalige italienische Ministerpräsident und Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, und der ehemalige Senatspräsident Marcello Pera.

Blick in den Petersdom an diesem Donnerstag
Blick in den Petersdom an diesem Donnerstag   (ANSA)

Der prägende Einfluss auf das kirchliche Leben in Italien

In seiner Predigt erinnerte Papst Leo daran, dass der Tod von Kardinal Camillo Ruini das Ende eines langen Lebens im Dienst der Kirche markiert, das in besonderer Weise die kirchliche Entwicklung in Italien und darüber hinaus geprägt hat.

„Ihm sind Einsichten und Initiativen zu verdanken, die den Weg der kirchlichen und auch der zivilen Gemeinschaft zutiefst geprägt haben,“ würdigte der Papst den einflussreichen italienischen Kardinal, „dem die Kirche in Italien sehr viel verdankt“. Er erinnerte auch an Ruinis „unermüdliches Engagement für die Förderung des Beitrags der katholischen Welt in den unterschiedlichsten Bereichen des religiösen, zivilen und politischen Lebens in Italien; an die großartige Arbeit der Diözesansynode und deren Umsetzung hier in Rom; an seine aktive und dialogorientierte Präsenz auf den verschiedenen Ebenen des kirchlichen Lebens wie auch in der säkularen Welt und in der Gesellschaft.“

Die Trauerfeier für Kardinal Ruini im Petersdom
Die Trauerfeier für Kardinal Ruini im Petersdom   (ANSA)

Klarheit im Glauben

Ruini gehörte zu jener Generation von Hirten, die in einer Zeit gesellschaftlicher und kultureller Umbrüche auf Klarheit im Glauben und auf die Dialogfähigkeit der Kirche in der Öffentlichkeit gesetzt hätten, so der Papst weiter. Dabei habe er die Kirche als eine lebendige Gemeinschaft verstanden, die in die Gesellschaft hineinwirkt und dort Verantwortung übernimmt.

Seine theologische Grundhaltung war geprägt von der Überzeugung, dass der Mensch seine Erfüllung in der Wahrheit findet, die aus dem Glauben erwächst. Und die Wahrheit, die den Dienst Ruinis beseelt habe, sei die Überzeugung gewesen, dass „nichts die Liebe Gottes besiegen oder uns von ihr trennen kann, denn sie ist das Geschenk des Herrn, sie kommt von ihm und wird uns geschenkt über alle unsere Verdienste und Schwächen hinaus,“ präzisierte der Papst.

Papst Leo bei der Trauerfeier
Papst Leo bei der Trauerfeier

Die Kraft des Gebets

Der Glaube war für Kardinal Ruini nicht Theorie, sondern gelebte Beziehung zu Gott, die sich im Gebet, in der Liturgie und in der persönlichen Verantwortung konkretisierte. So habe er auch selbst bezeugt, dass „eine der Kräfte, die ihn – seit seiner Kindheit – in seinem langen Leben begleitet haben, das Gebet war: einfach und von Herzen kommend, in den frühesten Jahren noch ungeschliffen und im Laufe der Zeit gereift, bis hin zu den Jahren der Gebrechlichkeit und der Krankheit,“ so Papst Leo.

Februar 2004: Kardinal Camillo Ruini mit Papst Johannes Paul II. am Welttag der Kranken
Februar 2004: Kardinal Camillo Ruini mit Papst Johannes Paul II. am Welttag der Kranken   (ANSA)

Die Nähe zu heiligen Päpsten: Paul VI. und Johannes Paul II.

Seine Nähe zu den großen Gestalten der Kirche seiner Zeit - Paul VI. und vor allem Johannes Paul II. - fiel in eine Zeit, in der die Kirche weltweit neue Antworten auf Fragen zu Freiheit, Moderne und Glauben suchte. Über den heiligen Papst aus Polen schrieb der Kardinal in seinem geistlichen Testament: „In Johannes Paul II. habe ich deine Gegenwart erfahren, Herr; ich konnte die Einheit im Gebet mit Händen greifen, die Untrennbarkeit von Gebet, Leben und Apostolat, den Glaubensmut, der die Geschichte lenkt, sowie die Fähigkeit zu lieben und zu vergeben.“

„In Johannes Paul II. habe ich deine Gegenwart erfahren, Herr“

Papst Leo bei der Trauerfeier
Papst Leo bei der Trauerfeier   (@Vatican Media)

Die Wahrheit wird uns befreien 

Mit Verweis auf das Bischofsmotto Ruinis – die Wahrheit wird uns befreien (Joh 8,32) – erinnerte der Papst daran, dass „wir für die Wahrheit und das Gute geschaffen sind, und nur darin Einheit, Frieden und Erfüllung finden, im irdischen Leben und in der Ewigkeit.“ Und diese Botschaft sei besonders in unserer Zeit relevant, „in der man durch relativistische Tendenzen und fließende Vorstellungen von der Wirklichkeit und vom Menschen leicht aus der Bahn geworfen“ werden könne.

„Wenn wir auf das Leben von Kardinal Ruini blicken – darauf, wie er gelebt hat und wie er diese Welt verlassen hat –, dann können wir ein Zeichen für die Kraft und die Festigkeit erkennen, mit der der Mensch wächst und reift, wenn er in der Wahrheit, die von Gott kommt, den Mittelpunkt und das tragende Fundament seines Daseins findet.“

Die Predigt von Papst Leo endete mit einem Dankeswort an all jene, die dem Kardinal „bis zuletzt mit hingebungsvoller Treue zur Seite standen“ und der Bitte an den Herrn, dem Verstorbenen „den Lohn des Friedens zu gewähren, der kein Ende hat.“

Blick in den Petersdom
Blick in den Petersdom   (@Vatican Media)


(vaticannews -skr)
 

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18. Juni 2026, 17:16