Papst bei Andacht in Madrid: Mauern einreißen, die nicht schützen, sondern trennen
Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt
In kaum einem anderen Land der Welt wird die Jungfrau Maria so sehr verehrt wie in Spanien. Es gibt stolze 92 Marienfeiertage im Land, und jede Stadt hat ihre Jungfrau, die überall ihren eigenen Namen und ihr eigenes Aussehen hat.
Schutzpatron der Landeshauptstadt Madrid ist die „Jungfrau von Almudena“, deren Bildnis sich in einer Nische an der Rückwand der nach ihr benannten Kathedrale „Santa María de la Almudena“ befindet. Ihr zu Ehren hat Papst Leo eine feierliche Andacht mit dem Klerus des Landes gehalten, bei der auch Königin Sofia, die Mutter des amtierenden Königs Felipe VI., anwesend war.
Eine Goldene Rose für die Jungfrau
Dabei erbrachte Papst Leo, der bei der Heilig-Jahr-Feier der Marianischen Spiritualität bereits Unsere Liebe Frau von Fatima mit einer goldenen Rose geehrt hatte, auch der „Jungfrau von Almudena“ diesen Ehrerweis, „ein Symbol der kindlichen Liebe des Papstes zur Jungfrau Maria.“ Die goldene, diamantenbesetzte Rose, deren Knospe mit Balsam, Moschus und Weihwasser gefüllt ist, ging früher an Herrscher, wird heute aber auch an Menschen oder Institutionen verliehen, die sich um die katholische Kirche verdient gemacht haben. Danach sprach Papst Leo das Gebet, das der hl. Johannes Paul II. für den Weihetag der Kathedrale „Santa María de la Almudena“ am 15. Juni 1993 verfasst hatte.
„Der Überlieferung nach wurde die Statue der Jungfrau in für die christliche Gemeinde schwierigen Zeiten zum Schutz in einem Raum in der Stadtmauer der Altstadt versteckt, wo sie lange Zeit verborgen blieb, bis sie nach dem wundersamen Einsturz eines Teils der Mauern unversehrt wiedergefunden wurde,“ ließ der Papst die Geschichte der in Madrid hochverehrten Jungfrau von Almudena Revue passieren.
Eine zerstörte Mauer, die Begegnung ermöglicht
Dank einer „zerstörten Mauer“ sei es also zur Wiederbegegnung der Mutter mit ihrem Volk gekommen. Der Einsturz einer Mauer schaffe nämlich auch immer Möglichkeiten und rege zum Wiederaufbau an, so der Papst.
„In unseren heutigen Gesellschaften gibt es nach wie vor viele Mauern, die nicht schützen, sondern trennen, entfremden und isolieren,“ schlug der Pontifex den Bogen zu unserer Zeit. „Da wir denken, dass wir beim Einreißen der Mauern vielleicht mit Dingen konfrontiert werden könnten, die uns nicht gefallen, ziehen wir es manchmal vor, sie einfach nur abzustützen – oder, noch häufiger – sie zu ignorieren.“
An dieser Stelle erinnerte der Papst an die Botschaft Unserer Lieben Frau von Almudena:
„Um etwas Neues, Schönes und Beständiges zu errichten, muss man bereit sein, Mauern einzureißen, denn um den Weg wieder aufzunehmen, braucht es Räume, die uns den Blick auf den Horizont ermöglichen.“
Die Gläubigen Madrids forderte er auf, „nicht nachzulassen im Bezeugen eures Glaubens, damit ihr den Plan der Liebe des Vaters schauen könnt; nicht nachzulassen im Zeugnis der Nächstenliebe, damit ihr euch als eine einzige Familie von Brüdern und Schwestern vereint; und nicht nachzulassen in eurem Zeugnis für Hoffnung, damit sie euch in eurem Wirken in der Welt stärkt.“
Die „Almudena“: Zeugin und Garantin eines neuen christlichen Zeitalters
Mittelalterliche Chroniken berichten, dass die Christen von Madrid zur Zeit der islamischen Invasion ein Bildnis der Jungfrau Maria in den Stadtmauern Madrids versteckt hatten, um es vor der Profanierung zu schützen. Jahrhundertelang blieb es dort verborgen. Als König Alfons VI. von Kastilien im Jahr 1085 die Stadt erobern und die Mauren vertreiben konnte, befahl er eine Prozession und Bittgebete, um jenes verlorene Bild zu finden. Da brach ein Mauerstück ein und die unversehrte Statue erschien, mit zwei brennenden Kerzen, die nie erloschen waren.
So wurde die „Almudena“ von einem in einer Mauer gefundenen Bild zum Symbol der Wiederherstellung des Christentums – und Madrid zur Hauptstadt eines universalen katholischen Reiches. Die Jungfrau von Almudena wird jedes Jahr am 9. November mit einem Stadtfest in Madrid gefeiert.
(vaticannews – skr)
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