Papst an Bischöfe: Mut zu Reformen und strikte Missbrauchsaufarbeitung

Im Rahmen seiner pastoralen Reise durch Spanien ist Papst Leo XIV. am Montag in der Hauptstadt Madrid mit den Bischöfen des Landes zusammengetroffen. Nach einer Ansprache vor politischen Vertretern im Parlament am Vormittag stand die Begegnung am Sitz der spanischen Bischofskonferenz im Zeichen der innerkirchlichen Neuausrichtung und der gesellschaftlichen Herausforderungen des iberischen Landes.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Javier Argüello García, begrüßte den Gast im Namen der versammelten Bischöfe. Die Begegnung fand in einer Phase statt, in der die spanische Bischofskonferenz einen spürbaren Wandel durchläuft. Angesichts einer fortgeschrittenen Säkularisierung der Gesellschaft und ausgeprägter politischer Polarisierungen konzentriere sich die Bischofskonferenz verstärkt darauf, Brücken zu bauen und den Dialog mit staatlichen sowie zivilen Institutionen zu suchen, so der Konferenz-Vorsitzende. Die Bischöfe verstünden sich zunehmend als gesellschaftliche Akteure, die durch karitative Arbeit, die Verwaltung des immensen Kulturerbes und Bildungsangebote einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten würden.

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Aufruf zu Reformen und dem Abbau alter Strukturen

In seiner Grundsatzrede griff Papst Leo XIV. diese veränderten Realitäten auf und wählte das Bild einer Reise, um die notwendige Flexibilität der Kirche zu beschreiben. Er mahnte an, sich nicht auf Gewohnheiten der Vergangenheit zu fixieren und forderte, „Freiheit und Mut umsichtig miteinander zu verbinden, um Strukturen hinter uns zu lassen, die uns nicht helfen, nicht unseren Zielen entsprechen oder uns sogar davon entfernen“.

Dies betonte das Kirchenoberhaupt insbesondere mit Blick auf die demografische Entwicklung in ländlichen Regionen, wie den kastilischen Ebenen, und die rückläufigen Zahlen bei den Priesterberufungen. Die Erhaltung historisch gewachsener Strukturen dürfe nicht über dem Wohl der Gemeinschaft stehen. So forderte er unter anderem eine Zusammenlegung und qualitative Stärkung von Priesterseminaren, um eine angemessene Ausbildung und Begleitung zu gewährleisten. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, Laien verstärkt in die kirchliche Verantwortung einzubinden und deren Engagement als eigenständigen Ruf wahrzunehmen.

Papst Leo an diesem Montag bei dem Treffen mit den spanischen Bischöfen (Vatican Media)
Papst Leo an diesem Montag bei dem Treffen mit den spanischen Bischöfen (Vatican Media)   (@Vatican Media)

Konsequente Aufarbeitung von Missbrauch gefordert

Einen zentralen und unmissverständlichen Schwerpunkt der Ansprache bildete die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche. Der Papst bezeichnete die Begegnung mit jenen, die von Mitgliedern des Klerus verletzt wurden, als besonders schmerzhaft. Er formulierte einen klaren Handlungsauftrag an die spanischen Bischöfe: „Angesichts dieses Übels ist die kirchliche Gemeinschaft aufgerufen, darauf mit Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und einem immer entschlosseneren Handeln in Sachen Prävention und einer Kultur der Fürsorge zu reagieren.“ Allen Betroffenen müsse ehrlich Gehör geschenkt und Schutz gewährt werden.

„Angesichts dieses Übels ist die kirchliche Gemeinschaft aufgerufen, darauf mit Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und einem immer entschlosseneren Handeln in Sachen Prävention und einer Kultur der Fürsorge zu reagieren.“

Bei der Begegnung mit den Bischöfen (Vatican Media)
Bei der Begegnung mit den Bischöfen (Vatican Media)   (@Vatican Media)

Einheit und Dialog in einer polarisierten Gesellschaft

Mit Blick auf die Gegenwart betonte der Papst, dass das christliche Erbe Spaniens eine Brücke zur heutigen Pluralität schlagen müsse. Es solle ein Instrument für den Dialog mit einer säkularisierten Umwelt und den vielen im Land lebenden Migranten sein. „Diese tiefe Verbundenheit verlangt von der Kirche in dieser Zeit immer stärkerer Polarisierungen und Kontraste ein Zeugnis der Einheit in der Vielfalt“, so Leo XIV.

Zum Abschluss seiner Rede würdigte er die Arbeit der Gemeindepriester und erinnerte an den 500. Jahrestag der Priesterweihe des heiligen Johannes von Ávila, des Patrons des spanischen Klerus. 

Ins Gästebuch im Sitz der Bischofskonferenz schrieb Papst Leo XIV.:

„Möge die kirchliche Gemeinschaft das pastorale Wirken stets beseelen, zur Ehre Gottes und zum Wohl der ganzen Kirche. In Illo uno unum.“

Die Reise des Papstes in Spanien geht noch bis zum 12. Juni.

(vatican news)

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08. Juni 2026, 12:45