Wortlaut: Papst Leo trifft Migranten im Zentrum „Las Raíces“

Die Rede von Papst Leo XIV. bei der Begegnung mit Migranten im Zentrum „Las Raíces“ in Teneriffa am Freitag hier auf Deutsch in der offiziellen Übersetzung. Alle offiziellen Übersetzungen der Papstansprachen finden Sie auf www.vatican.va, der Internetseite des Heiligen Stuhls.

Grußwort des Heiligen Vaters

BEGEGNUNG MIT MIGRANTEN IM ZENTRUM „LAS RAÍCES“

San Cristóbal de La Laguna, Teneriffa

Freitag, 12. Juni 2026

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Ich grüße die anwesenden Behördenvertreter und Sie alle.  Sie haben auf Spanisch gesprochen, und ich habe meine Rede auf Französisch vorbereitet … Ich spreche Französisch, und vielleicht auch ein bisschen Englisch, da einige von Ihnen Englisch sprechen.

  (@Vatican Media)

Ich bedanke mich für die freundlichen Worte, die die Frau Ministerin sowie der Direktor dieses Zentrums an mich gerichtet haben.

       Heute feiern wir in der Kirche das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, das für die Christen die barmherzige und unendliche Liebe Gottes zu jedem Menschen darstellt. Deshalb ist es eine schöne Fügung, dass wir uns treffen, einander begegnen und vor allem erkennen können, dass die Liebe Gottes – unabhängig von unserem Herkunftsort – keine Grenzen kennt, keine Unterschiede macht, sich allen schenkt und uns in Einheit versammelt.

       Wenn ich eure Gesichter sehe und eure Zeugnisse höre, denke ich auch an eure Herzen, die von so viel Leid gezeichnet sind, aber auch Trost finden durch die Liebe, die ihr dank anderer offener, großzügiger und barmherziger Herzen erfahren habt. Das Herz Christi litt und wurde aus Liebe durchbohrt, aber es wurde auch von mitfühlenden Menschen getröstet, die kamen, um seinen Schmerz zu lindern.

       Als Beispiel für die Universalität der Liebe erzählte Jesus vom Dienst eines Mannes aus einem anderen Volk und einer anderen Religion, der Mitleid mit einem Verletzten und Misshandelten hatte (vgl. Lk 10,25-37). Bewegt von der Liebe Gottes, die uns hilft, Wunden zu heilen und den Leidenden liebevoll beizustehen, brachen der heilige Bruder Pedro und der heilige José de Anchieta von diesen kanarischen Inseln auf, um das Evangelium in Amerika zu verkünden – womit sie auch neue Horizonte der Mission eröffneten. Auch sie waren Migranten, die sich ins Unbekannte aufmachten und als wichtigstes Gepäck den Glauben, die Hoffnung und die Liebe mitführten.

  (@Vatican Media)

       In jenen unbekannten Ländern verstanden es die heiligen Migranten und Missionare, von dem zu geben, was sie hatten, und zugleich das Neue anzunehmen, das sich ihnen bot. Ich lade auch euch ein, den Schatz an Menschlichkeit, Träumen und Kultur, den ihr auf diese Inseln gebracht habt, weiterzugeben und offen dafür zu sein, das anzunehmen, was euch gegeben wird. Wir müssen diesen Austausch auch verantwortlich gestalten und dabei an die Zukunft künftiger Generationen denken, denen wir das Erbe einer Zivilisation der Liebe hinterlassen wollen und in der die Migration eine wichtige Rolle spielt, denn sie »kann zu einer Gelegenheit der Begegnung und der gegenseitigen Bereicherung zwischen den Völkern werden« (Magnifica humanitas, 81).

       Liebe Brüder und Schwestern, wir alle sind – in gewisser Weise – Migranten, wir alle sind Pilger auf dem Weg zur Heimat im Himmel. Helfen wir einander, diesen Weg für alle menschlicher zu gestalten, indem jeder das beiträgt, was in seiner Macht steht. In diesem Sinne danke ich der Regierung, den verschiedenen Institutionen und den vielen Männern und Frauen guten Willens für ihre Zusammenarbeit, die diese konkrete humanitäre Hilfe ermöglichen, die vielen Menschen wieder neue Hoffnung gibt und ihnen Würde verleiht.

  (@Vatican Media)

       Der Name dieses Aufnahmezentrums, das „Las Raíces“ (Die Wurzeln) heißt, ist mir besonders aufgefallen. Mein verehrter Vorgänger Papst Franziskus, der sich sehr gewünscht hatte, bei euch zu sein, verwendete gern das Bild der Wurzeln, um deutlich zu machen, wie wichtig es ist, die eigene Herkunft nicht zu vergessen, vereint zu bleiben und auf den Herrn zu vertrauen. »Denn wer auf den Herrn vertraut, ist „wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün“ (Jer 17,8)« (Christus vivit, 133). Möge dieses Bild der Wurzeln auch euch helfen, fest im Herrn verwurzelt zu sein (vgl. Kol 2,7), damit kein Sturm euch von seiner stärkenden und lebenspendenden Gegenwart trennen kann.

       Liebe Freunde, ich trage euch in meinem Herzen und gedenke euer in meinen Gebeten. Gott segne euch, er segne eure Familien und alle, die euch Gutes tun. Und möge die selige Jungfrau Maria, Trost der Migranten, euch immer mit ihrem mütterlichen Schutz begleiten und beistehen.

(vatican news)

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12. Juni 2026, 11:50