Papst auf Teneriffa: Migration ist Chance zur Bereicherung
Mario Galgano - Vatikanstadt
Die göttliche Liebe kenne unabhängig vom Herkunftsort keine Grenzen und mache keine Unterschiede. Das Oberhaupt der katholischen Kirche betonte, dass die Gesichter und Zeugnisse der Anwesenden von großem Leid gezeichnet seien, das jedoch durch die erfahrene Zuwendung und Großherzigkeit vor Ort Trost finde.
Migration als historische Konstante und Chance zur Bereicherung
In seiner Ansprache erinnerte der Papst an die historischen Persönlichkeiten Bruder Pedro und José de Anchieta. Beide seien einst von den Kanarischen Inseln aufgebrochen, um das Evangelium in Amerika zu verkünden. Diese Missionare seien selbst Migranten gewesen, die sich mit Glauben, Hoffnung und Liebe im Gepäck in das Unbekannte gewagt hätten. In der Fremde hätten sie verstanden, von den eigenen Gütern abzugeben und gleichzeitig das Neue anzunehmen.
Das Kirchenoberhaupt lud die im Zentrum lebenden Menschen dazu ein, ihren eigenen Schatz an Menschlichkeit, Träumen und Kultur auf den Inseln weiterzugeben, sich aber ebenso offen für das Gegenüber zu zeigen. Unter Verweis auf das päpstliche Lehrschreiben erklärte der Papst, dass dieser Austausch verantwortungsvoll gestaltet werden müsse, da die Migration „zu einer Gelegenheit der Begegnung und der gegenseitigen Bereicherung zwischen den Völkern werden“ könne. Das Ziel müsse das Erbe einer Zivilisation der Liebe für künftige Generationen sein.
Dank an Helfer und Appell zur Verwurzelung im Glauben
Das Oberhaupt der katholischen Kirche lenkte den Blick auch auf die spirituelle Dimension des Menschseins und erklärte, dass letztlich alle Menschen Pilger auf dem Weg zu einer himmlischen Heimat seien. Es gelte, diesen gemeinsamen Weg für alle Beteiligten menschlicher zu gestalten. In diesem Zusammenhang drückte der Papst der spanischen Regierung, den verschiedenen beteiligten Institutionen sowie den ehrenamtlichen Helfern seinen Dank aus. Ihre Kooperation ermögliche eine konkrete humanitäre Hilfe, die den Menschen neue Hoffnung und Würde zurückgebe.
Besonders würdigte das Kirchenoberhaupt den Namen des Zentrums, der übersetzt „Die Wurzeln“ bedeutet. Bereits sein Vorgänger Papst Franziskus habe dieses Bild stets genutzt, um die Bedeutung der eigenen Herkunft hervorzuheben. Leo XIV. ermutigte die Migranten, trotz aller biografischen Umbrüche fest im Glauben und im Vertrauen auf Gott verwurzelt zu bleiben, damit kein Lebenssturm sie von dieser stärkenden Gegenwart trennen könne. Zum Abschluss seiner Begegnung sicherte der Papst den Anwesenden sowie deren Familien sein Gebet und den mütterlichen Schutz der Jungfrau Maria zu.
Schicksal der Gefüchteten
Im Rahmen des Papstbesuchs auf Teneriffa haben Betroffene das Wort ergriffen und in bewegenden Appellen auf das Schicksal Tausender Geflüchteter aufmerksam gemacht. Die persönlichen Berichte zweier Migranten verdeutlichten die dramatischen Umstände der Flucht über den Atlantik und formulieren klare Erwartungen an die internationale Gemeinschaft und das Kirchenoberhaupt.
Fluchtursachen und die tödliche Realität des Seewegs
Niemand verlasse die eigene Heimat, die Familie und die eigenen Wurzeln freiwillig, wenn ein Leben in Frieden und Sicherheit möglich sei, so Taiwo Oluwatobi, einer der Migranten, der über seine Lebenserfahrung sprach. Als Hauptgründe für den Aufbruch wurden existenzielle Armut, Gewalt, Kriege und politische Verfolgung in den Herkunftsländern genannt. Der anschließende Weg nach Europa, insbesondere die Überquerung des Atlantischen Ozeans in Richtung der Kanarischen Inseln, wurde als eine Route extremer Traumata beschrieben. Die Überlebenden berichteten von Hunger, Kälte, tief empfundener Verzweiflung und ständiger Todesangst. Viele Menschen hätten ihr Leben auf dem Meer verloren. Zudem wurde die skrupellose Rolle krimineller Netzwerke angeprangert, da viele Geflüchtete im Stillen als Opfer von Schleppermafias litten, die von der menschlichen Not profitierten.
Forderung nach Menschlichkeit und Anerkennung
Zentrales Anliegen der Migranten, die sprachen, war der Wunsch nach einer grundlegenden gesellschaftlichen Perspektivänderung im Umgang mit Schutzsuchenden. Es erging der eindringliche Appell, Geflüchtete an den Grenzen nicht als bürokratische Last, Nummern oder bloße Aktenvorgänge zu behandeln. Die Grenzen dürften nicht zu Mauern der Gleichgültigkeit werden, da die menschliche Würde über jedem rechtlichen Status stehen müsse. Die Ankommenden brächten einfache, menschliche Träumen mit: die Möglichkeit zu arbeiten, für ihre Familien zu sorgen und eine sichere Existenz aufzubauen:
„Wir fordern keine Privilegien. Wir fordern kein Mitleid. Wir fordern Respekt, Menschlichkeit und die Chance, in Würde zu leben.“
Dank für die Hilfe vor Ort
Neben den politischen Forderungen drückten die Migranten eine tiefe Dankbarkeit gegenüber den Hilfsnetzwerken auf den Kanarischen Inseln aus. Die Unterstützung durch kirchliche Gemeinden, Nichtregierungsorganisationen und ehrenamtliche Helfer sei entscheidend gewesen, um nach der Erschöpfung und Ungewissheit der Überfahrt überhaupt eine Möglichkeit zum Neuanfang zu erhalten. Der Besuch des Papstes wurde in diesem Kontext als ein wichtiges Signal und als „Licht“ für all jene gewürdigt, die in den internationalen Debatten sonst überhört werden. Das Kirchenoberhaupt wurde gebeten, das Gedenken an die Verstorbenen im Meer aufrechtzuerhalten und weiterhin für die Menschen auf den Fluchtrouten einzutreten.
(vatican news)
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