Papst-Messe auf Gran Canaria: Beten für die, die auf See ihr Leben verloren haben
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Im Stadion von Gran Canaria und drumherum hatten sich rund 50.000 Gläubige versammelt, um mit Leo XIV. die Vorabendmesse zum Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu zu feiern, dem ganz Spanien geweiht ist. Das Heiligste Herz Jesu wird oft mit einer Dornenkrone und einer brennenden Flamme dargestellt. Ausgehend davon lancierte der Papst in seiner Predigt den Appell:
„Lasst uns, entflammt von der Liebe seines Herzens, zu Boten seiner Barmherzigkeit und seines Friedens werden, damit die Kriege in der Welt aufhören und um uns herum eine neue, in der Liebe versöhnte Menschheit heranwächst."
Las Palmas de Gran Canaria liegt nur 150 km von der marokkanischen Küste entfernt. Nach einer Schätzung der NGO Caminando Fronteras starben allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 mehr als 1.300 Bootsflüchtlinge bei dem Versuch, auf der sogenannten Atlantikroute Spanien zu erreichen.
Die Fürbitten im Stadion von Gran Canaria wurden nicht nur auf Spanisch, Englisch und Französisch, sondern auch auf Wolof vorgetragen – der am weitesten verbreiteten Sprache im Senegal.
Das Heiligste Herz Jesu bezeichnete der Papst in seiner Predigt als „Antlitz Gottes, der stets ,verliebt` ist". Es helfe, „eine neue Art zu leben und miteinander umzugehen, einen anderen Maßstab für die Beurteilung von Entscheidungen und eine neue und inspirierende Art, Gemeinschaft zu leben", zu lernen. Unter Anspielung darauf und auf das Evangelium rief Leo XIV. alle auf, „das unendliche Maß der Liebe Gottes zum täglichen, großzügigen Dienst an den Brüdern und Schwestern" zu machen, „denen er uns auf unserem Weg begegnen lässt, besonders den Bedürftigsten, den Schutzlosen, denen, die nichts zurückgeben können (vgl. Lk 6,32-36)." „Genau so, wie es auf dieser Insel geschieht durch Aufnahme, Teilen und selbstloses Geben", dankte er allen auf Gran Canaria.
Mehr, als nur Überleben
Die Freigebigkeit des Herzens Christi höre hier jedoch nicht auf, mahnte der Papst zugleich: „Sie geht noch weiter und hilft jedem Einzelnen, nicht nur zu überleben, sondern auch Vertrauen wiederzugewinnen und den Weg fortzusetzen, um in der jeweiligen Einzigartigkeit zum Wohl aller zu wachsen und voll zur Entfaltung zu gelangen." Unter Bezugnahme auf die Lesungen erinnerte Leo an die Unentgeltlichkeit der Liebe Gottes. Mit einem Zitat aus „Fratelli tutti", dem Schreiben über die Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft seines Vorgängers im Amt, Papst Franziskus, betonte Leo XIV.:
„Tatsächlich darf unsere Nächstenliebe nicht bloße Wohlfahrt sein, sondern muss die Menschen einbeziehen, damit sie sich geistig, intellektuell und körperlich voll entfalten und würdig und konstruktiv in die Gesellschaft einbringen können (vgl. Fratelli tutti, 129)." In eigener Rede führte Leo XIV. aus: „Nur so werden unsere Begegnungen auch angesichts schwieriger und schmerzhafter Ereignisse zu einer Gelegenheit, auf dem Weg der Menschheit in eine besseren Zukunft Samen der Hoffnung auszusäen."
Der Papst warb für Liebe im Sinne Gottes, „unveränderlich und treu auch angesichts von Unverständnis und Ablehnung, Angst, Traurigkeit und menschlichem Widerstand". Das Herz Jesu sei stets demütig:
„Das Herz Jesu ist demütig, und deshalb spüren die ,Gelehrten´ und ,Weisen` seinen Herzschlag nicht, also jene, die glauben, sich selbst zu genügen, alles zu wissen und weder Gott noch andere zu brauchen. Diesen Menschen, die vom Lärm eines pompösen, allgegenwärtigen und unruhigen Ichs betäubt sind, fehlt die nötige Stille, um in sich selbst und in den Brüdern und Schwestern den verborgenen Herzschlag der Liebe zu vernehmen."
Was Demut und Friede miteinander zu tun haben
Der Papst warnte so vor Selbtstbezogenheit, Abschottung und einem Fokus auf Reichtum: „Jesus lehrt uns das Gegenteil: Um die wahre Freude im Leben zu erfahren, die in der Liebe besteht, müssen wir von den Podesten der Arroganz, die uns voneinander trennt, herabsteigen, damit wir einander in der Demut begegnen, die uns zu Brüdern und Schwestern macht."
Und mit einem Zitat des Heiligen Augustinus schlug Leo, der selbst dem Augustinerorden angehört, von der Demut einen Bogen zu Liebe und zu Frieden:
„Der heilige Augustinus sagte: ,Wo Liebe ist, da ist Friede, und wo Demut ist, da ist Liebe` (Über den ersten Brief des Johannes an die Parther, Vorwort). So ist es. Wo echte Demut ist, da ist Liebe, und wo Liebe ist, da ist Frieden, denn nur in der Demut erkennen wir wirklich, wer wir sind, und nur so können wir einander in Wahrheit lieben, begegnen, beschenken und vergeben."
Der Bischof der Kanaren, José Mazuelos Pérez, dankte Papst Leo XIV. am Ende der Messe für seinen Besuch. „Dieses Ereignis wird für immer im geistlichen Gedächtnis unseres Volkes verankert bleiben, das weder die mit Ihnen gefeierte Eucharistie noch das Zeugnis der Demut und Nähe vergessen wird, das Sie uns hinterlassen haben." Er dankte dem Papst im Namen aller für die erleuchtenden Worte und die „ständige Einladung, als synodale, offene, missionarische und barmherzige Kirche zu wandeln. Danke für Ihre Worte der Ermutigung an die Familien, an die Jugendlichen, an die Älteren, an die Leidenden und an all jene, die sich täglich für eine gerechtere und menschlichere Gesellschaft einsetzen."
Der Bischof der Kanaren betonte, der Papst ermutige durch seine Gesten und Lehren alle, „weiterhin eine lebendige Gemeinschaft aufzubauen", die sich für die Bedürftigsten einsetze und dem Evangelium treu bleibe. „Das kanarische Volk, geprägt von seiner Geschichte, seinem einfachen Glauben und seiner tiefen Marienverehrung, vertraut sich heute in besonderer Weise Ihrem Gebet und Ihrer Führung an. Wir bitten Sie, uns als Nachfolger Petri weiterhin im Glauben zu stärken und uns stets mit Ihrem Wort und Ihrem Segen zu unterstützen."
(vatican news - sst)
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