Papst beim Angelus: Die Katechese im Wortlaut
Liebe Brüder und Schwestern,
heute feiern wir das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel. Dies ist ein Fest von großer Bedeutung, sowohl für die katholische Theologie als auch für die Volksfrömmigkeit; es handelt sich nämlich um einen in vielen Gemeinden sehr beliebten Feiertag, insbesondere dort, wo die Kathedrale oder die Pfarrkirche der Himmelfahrt Mariens geweiht ist.
Um über dieses Geheimnis des Glaubens nachzudenken, können wir uns auf die beiden ikonografischen Modelle beziehen, anhand derer Künstler es im Laufe der Jahrhunderte dargestellt haben.
Das erste, das ältere, das fast ein Jahrtausend lang das einzige war, ist das der „Entschlafung“ der Muttergottes: Sie wird auf einem Katafalk liegend dargestellt, im Tod entschlafen; um sie herum stehen die Apostel, die sie tief bewegt im Gebet verehren; in der Mitte steht der auferstandene Jesus, der die Seele Mariens wie ein neugeborenes Kind in seinen Armen hält. Er ist gekommen, um sie zu holen und sie mit sich in die Herrlichkeit Gottes zu nehmen, „in den Himmel“, wie wir sinnbildlich sagen. Tatsächlich hat der Herr für seine Mutter das Wirklichkeit werden lassen, was er allen seinen Freunden versprochen hat: »Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin« (Joh 14,3).
Dieses erste Modell betont die zentrale Wahrheit: Es ist der gestorbene und auferstandene Christus, der uns zu jenem Ziel führt, für das wir seit jeher bestimmt sind, nämlich zum ewigen Leben. Dies ist es, was unzählige Generationen von Gläubigen beim Gebet vor den Ikonen der Entschlafung betrachtet haben und was wir in Rom im großen Apsismosaik der Basilika Santa Maria Maggiore bewundern können.
Die jüngere Ikonografie, die sich später im Westen entwickelte, zeigt uns die Jungfrau Maria hingegen in voller Größe, im Himmel, in Licht gehüllt und oft von Engeln und Heiligen umgeben. Hier steht der verherrlichte Leib der Muttergottes im Mittelpunkt, ganz im Einklang mit dem, was im Buch der Offenbarung des Johannes zu lesen ist: »Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt« (Offb 12,1).
Einige Künstler haben diese beiden Motive miteinander verbunden, indem sie oben die verherrlichte Jungfrau und unten ihr leeres Grab, oft voll bunter Blumen, darstellten sowie die Apostel, die ihre Blicke auf sie im Himmel richten.
Dieses zweite Modell betont die Wahrheit, dass Maria mit Leib und Seele, also mit ihrer ganzen Person, in den Himmel aufgenommen wurde. Jene Frau, die auf Erden dem fleischgewordenen Wort Leib und Blut geschenkt und ihm bis zur vollkommenen Einheit im Opfer der Liebe gefolgt ist, ist von ihm für immer in die Herrlichkeit aufgenommen worden.
So ermöglicht uns auch diese Ikonographie, über unsere letzte Bestimmung nachzudenken. Die Fülle des Lebens, die wir heute voll Freude in Maria bewundern, erwartet auch uns am Ende der Zeiten, wenn, wie der heilige Paulus sagt, der auferstandene Christus »unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes« (Phil 3,21), indem er das Verwesliche mit Unverweslichkeit und das Sterbliche mit Unsterblichkeit bekleidet (vgl. 1 Kor 15,54). Dann werden wir mit unserem durch die Liebe des Erlösers verwandelten Leib in Ewigkeit leben und teilhaben an jenem Fest ohne Ende.
Preisen wir den Herrn, der an seiner und unserer heiligsten Mutter Großes getan hat!
(vatican news)
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